Theater Zauberwort überzeugte bei Kulturtagen

Wie Klara ihren Luther umgarnte

Begeisterte mit ihrem Programm: Miriam Küllmer-Vogt. Foto: nh

Espenau. Mit dem Kammermusical „Wenn Engel lachen“ vom Theater Zauberwort setzten Miriam Küllmer-Vogt als Sängerin und Schauspielerin und ihr Klavierbegleiter Peter Krausch einen glänzenden Schlusspunkt der Espenauer Kulturtage 2012.

Dieses Kammermusical war eines der charmantesten Plädoyers gegen das Zölibat, die erzwungene Ehelosigkeit der Priester und eine vergnügliche Geschichtsstunde dazu. Die Handlung spielt im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts im Deutschland der Reformation und beinhaltet die umwegreiche Geschichte, wie der grosse Gelehrte Dr. Martin Luther - als ehemaliger Mönch und geweihter Priester der Ehelosigkeit verpflichtet - seine Katharina von Bora fand, oder treffender: Wie sie ihn herumbekam!

Fetzige und melancholische Musik gliederte die Handlung - Miriam Küllmer-Vogt setzte mit ihrer bezaubernden und wandlungsfähigen Stimme, kraftvoll begleitet von Peter Krausch am Piano, die Akzente. Faszinierend, dass sie als einzige, die schauspielerisch agierte, mehrere Personen lebendig werden ließ durch ihre eindrucksvolle Sprache, die sich an ein scheinbar vorhandenes Gegenüber wandte.

Das ganze Geschehen um Luther und die Frauen spielte sich auf biblischer Grundlage und in Gottgefälligkeit ab: „Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Darüber hinaus gab es natürlich jede Menge Lutherzitate, die das gründliche Aufräumen des Reformators mit den verkommenen kirchlichen Gegebenheiten deutlich machten. Am Schönsten war aber das leidenschaftlich gesungene und verkörperte Eintreten für Lebensfreude durch die ehemalige Nonne, die ihre klösterliche Existenz als Kerkerhaft empfand.

Energisch und kraftvoll

So energisch und kraftvoll, wie Küllmer-Vogt die Katharina spielte, darf man sicher sein, dass für den großen Gelehrten Luther die Diskutiererei nicht vorbei war, wenn er seine theologisch-akademischen Zirkel hinter sich ließ und nach Hause ging, deshalb nannte er sie auch: „Geliebter Herr Käthe!“ Aber eben auch ganz turtelig: Du mein Morgenstern, meine Doktorin, Gelehrte, Richterin, Brauerin!

Ständiger Szenenapplaus und frenetischer Schlussbeifall zeigten, dass die kleinen amüsanten Geschichten vor dem Hintergrund der großen Historie, das Ganze vom Theater Zauberwort in mitreißende Musik und spannende Bühnenunterhaltung gegossen, ein Erfolgsrezept für gute Unterhaltung war.

Von Angelika Grosswiele

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