Ansturm ist "so groß"

Kleine Wohnungen fehlen in Baunatal

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Will umziehen: Richard Gammert wohnt seit 1999 in dieser Unterkunft der Stadt. Der 54-jährige Frührentner kümmert sich aus eigenem Antrieb um den Zustand der Anlage, unter anderem räumt er regelmäßig den Schnee weg.

Baunatal. „Immer wieder schaue ich in die Zeitung. Doch eine Wohnung finde ich nicht“, sagt Richard Gammert und blickt enttäuscht auf den Boden.

Seit 1999 lebt der Frührentner in einem Zimmer einer Unterkunft der Stadt Baunatal in Altenbauna. Länger schon will er da raus und in eine ganz normale Mietwohnung einziehen. Doch freie, kleine, bezahlbare Wohnungen gibt es in der VW-Stadt derzeit nicht viele.

Unterstützt wird Gammert bei seinem Vorhaben von Hagen Büxel, Sozialarbeiter beim Diakonischen Werk Hofgeismar/Wolfhagen, das ehemals Obdachlose auch im Auftrag der Stadt Baunatal betreut. „Wir haben den Auftrag, im gesamten Landkreis gegen Wohnungsverlust tätig zu werden“, erläutert Büxel. Der 51-Jährige hält seinen Baunataler Schützling, der früher mal für VW arbeitete, in Kneipen jobbte und nach und nach Arbeit und Wohnung verlor, inzwischen für absolut geeignet, in einem kleinen Appartement zurecht zu kommen. Bei manch anderem wäre das nicht vorstellbar, bei Gammert schon, betont Büxel. In der Unterkunft in Altenbauna kümmere sich dieser seit Jahr und Tag um die Küche, um Sauberkeit und achte darauf, wie es vor dem Haus aussieht. Regelmäßig räume der 54-jährige beispielsweise derzeit den Schnee dort weg.

Hilft bei der Suche: Sozialarbeiter Hagen Büxel.

Die Vergangenheit holt Richard Gammert immer wieder ein. Schulden aus früheren Tagen mit einem Schufa-Eintrag spielten heute eigentlich keine Rolle mehr, erläutert Büxel. Dennoch hätten mögliche Vermieter deshalb immer wieder einen Rückzieher gemacht. Aus Frührente und Sozialleistungen könnte Gammert problemlos eine Kaltmiete von 308 Euro zahlen.

Dass es grundsätzlich wenige kleine Wohnungen auf dem Markt gibt, das bestätigen Sprecher zweier großer Wohnungsbaugesellschaften auf Anfrage.

„Wir haben derzeit nur eine kleine, freie Wohnung“, sagt Tanja Borchert von der Soka-Bau. „Und die ist schon reserviert.“ Es gebe immer mehr Single-Haushalte, sagt sie. Der Ansturm auf die kleinen Wohnungen sei so groß, dass man bei der Soka-Bau noch nicht einmal mehr Wartelisten führe. Auch Stefan Bürger, Geschäftsstellenleiter der GWH, sieht eine steigende Nachfrage nach Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen. „Da muss man mit langen Wartezeiten rechnen.“ Dennoch macht Bürger Richard Gammert Hoffnung. Für 305 Euro gebe es grundsätzlich Wohnungen bei der GWH. Bürger und Borchert sagen im Gespräch mit der HNA zu, sich mit Gammert und Büxel zu unterhalten.

Von Sven Kühling

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