Orientierung macht den Tieren auch im Dunkeln keine Probleme

Kraniche kehren aus Spanien zurück

+
Beeindruckendes Schauspiel: Kraniche ziehen im Formationsflug über den nächtlichen Himmel. Unser Bild entstand in Brandenburg.

Kaufungen/Lohfelden. Es ist ganz schön was los am nächtlichen Himmel: Fast jede Nacht ist das Trompeten Hunderter Kraniche zu hören, die gegenwärtig auch nachts von ihren Überwinterungsgebieten in der südspanischen Extremadura zu ihren Brutplätzen in Mecklenburg-Vorpommern oder Schweden ziehen.

Ihre angestammte und in den Genen festgelegte Route führt sie dabei direkt über Kassel und den Osten der Stadt.

„Bei günstigem Wetter fliegen sie nonstop Tausende Kilometer“, sagt der Kasseler Ornithologe und Biologe Martin Jentsch zu dem Phänomen. In den Eichenwäldern Spaniens haben die Zugvögel noch einmal kräftig aufgetankt und sich mit Eicheln ein ordentliches Fettpolster angefressen, sodass sie nur bei Gegenwind und schlechtem Wetter ihre Rastplätze ansteuern müssen.

Mit der Orientierung haben die Vögel auch nachts kein Problem, berichtet Dr. Matthias Werner von der Vogelschutzwarte in Frankfurt. Bei guter Sicht richten sich die Kraniche nach Landmarkierungen wie Bergen, Flüssen, aber auch den Lichtern von großen Städten. Nachts und bei Nebel reicht ihnen der Blick zu Mond und Sternen, oder sie nutzen das Magnetfeld der Erde als Kompass, um ihre Keilformationen sicher zu navigieren. Dass jetzt so viel am Himmel über der Region Kassel passiert, liegt laut Ornithologe Jentsch daran, dass der Rückflug in die Brutgebiete in kleineren Trupps erfolgt. Beim Flug Richtung Süden formierten sich oft riesige Scharen von bis zu 10 000 Vögeln, heimwärts sind meist kleinere Gruppen von 100 oder 200 Kranichen unterwegs.

Eine Besonderheit war in diesem Jahr die plötzliche Kälteperiode im Februar. Bei vielen Vögeln, die vorzeitig heimkehrten oder erst gar nicht losgeflogen waren, löste die Rekordkälte noch einmal den Zugimpuls nach Süden aus, jetzt kommen sie schon wieder zurück. Werner lachend: „Das war schon ein ziemliches Hin und Her in diesem Jahr.“

Das Spektakel am Himmel wird wohl noch eine Weile weitergehen. Am 28. Februar meldeten Vogelbeobachter aus Frankreich, dass 50 000 Kraniche vom nordspanischen Rastgebiet Sotonera in Richtung Norden aufgebrochen seien. Die sind bei uns entweder schon durch oder sie kommen noch.

Info: www.kraniche.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.