Nach einjähriger Zwangspause beziehen Kita-Kinder in Ihringshausen wieder Quartier im Wald

Klettern aus einem alten Krater

Wer ist als Erster oben? Beim Hochklettern im Bombenkrater toben sich die Kita-Kinder aus. Manchmal spannt Erzieher Polleschna mit seinen Kolleginnen auch eine Seilspinne auf, in der die Kinder balancieren können. Fotos: Dilling

Fuldatal. Laura (6), Maja, Piet und Anyali (5) rutschen auf ihren Gummistiefeln jauchzend die steile Böschung des alten Bombenkraters aus dem Zweiten Weltkrieg hinunter. Dann geben Erzieher Stephan Polleschna sowie seine Kolleginnen Sarah Knipping und Nicole Tessmer das Startsignal. Die Kinder hangeln sich an knorrigen Ästen, kriechend und auf allen vieren krabbelnd um die Wette den Steilhang hinauf. „Wenn es hier matschig ist, macht es am meisten Spaß“, sagt Laura.

„Wenn es hier matschig ist, macht es am meisten Spaß.“

Laura (6)

Der Kindergruppe mit Mädchen und Jungen aus den Kitas Tanzplatz und Weddel in Ihringshausen ist die Freude anzusehen, dass sie nach einer Zwangspause von gut einem Jahr wieder im Wald toben, frühstücken, bauen und nach Stinkmorcheln suchen kann.

Damals hatte die Gemeinde aus haftungsrechtlichen Gründen die beliebten allwöchentlichen Walderkundungstage, die zum Bewegungskonzept der Kindergärten gehören, bis auf Weiteres untersagt. Herabfallende morsche Äste und Windbruch könnten für Verletzungen sorgen und in der Folge die Eigentümer des Forstgebiets, die Waldinteressenten von Ihringshausen, finanziellen Regressansprüchen aussetzen. So lautete damals die Argumentation.

Das ist nun Vergangenheit. Denn die Gemeinde hat mit den Waldinteressenten einen Vertrag über die Nutzung von zwei Waldstücken durch die Kindergärten Tanzplatz und Weddel geschlossen.

Die Kinder vom Tanzplatz haben ihr Tipi, das Waldsofa aus Baumstämmen und ein kleines Trollhaus nur wenige Steinwürfe von ihrem früheren Quartier hinter dem Waldschwimmbad Ihringshausen wieder aufbauen können. Die Kinder vom „Weddel“ haben ihr Revier nahe der Märchenmühle.

Da die Kita Weddel diese Sommerferien geschlossen bleibt, gehen deren Kinder gemeinsam mit ihren Altersgenossen vom Tanzplatz in den Wald. In diesen Gebieten der Waldinteressenten seien die Bäume überprüft und trockene Äste herausgeschnitten worden, sagt Polleschna. Blaue Markierungen an den Stämmen markieren die Grenzen der für die Kinder reservierten Waldquartiere.

Der Erzieher sorgt dafür, dass beim Klettern nichts passiert. Er ist vom Fach und hat als Mitglied des Deutschen Alpenvereins sogar schon Klettertouren in südfranzösischen Höhlen unternommen. Er will sich zum Erlebnispädagogen fortbilden.

Polleschna hat mit den Kindern schon Windspiele gebastelt, die zwischen den Bäumen aufgehängt sind, unter denen die Mädchen und Jungen frühstücken. Erzieherin Nicole Tessmer ist froh, dass es in diesem weitgehend verregneten Sommer wieder die Möglichkeit gibt, den Tag mit den Kindern im Wald zu verbringen. „Das ist ideal bei nicht so gutem Wetter“, sagt sie. Für das Schwimmbad war es häufig viel zu ungemütlich.

Von Peter Dilling

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