Knastmeuterei in Kaufungen: Zwei Frauen bekommen Freiheitsstrafe

Kaufungen/Kassel. Im November vergangenen Jahres wollten zwei Insassinnen des Frauengefängnisses in Kaufungen gemeinsam das Weite suchen. Das misslang nicht nur, es brachte beiden auch eine neue Freiheitsstrafe ein.

Am Donnerstag verurteilte das Amtsgericht eine 28-jährige Angeklagte zu 16 Monaten und ihre 34-jährige Komplizin zu 14 Monaten ohne Bewährung.

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Für die 28-Jährige dürfte das Urteil besonders bitter sein, denn sie war bereits auf freiem Fuß. Sie hatte die Tat vor Gericht ohne Umschweife eingestanden. Zum Tatzeitpunkt hatte sie nur noch wenige Monate abzusitzen, doch von Kokain und Heroin abhängig, war sie „entzügig“, sie hätte alles für neuen Stoff gegeben. Gemeinsam mit der 34-Jährigen heckte sie Fluchtpläne aus.

Ein erster Versuch war, mit einem Küchenmesser ein Loch in eine Zellenwand zu graben. Das gaben die beiden Frauen auf, stattdessen unternahmen sie einen Selbstmordversuch. Danach nahmen sie sich vor, davon war Richter Stefan Arenz am Ende überzeugt, einen Wachbeamten zu überwältigen, um mit einem Schlüssel nach draußen zu gelangen. Das geschah dann an einem Sonntag, als nur zwei Beamte in dem Kaufunger Frauengefängnis Dienst hatten.

In einer Rauchpause nahm die 28-Jährige die mit der Aufsicht betraute Beamtin in den Schwitzkasten und drückte ihr die Scherbe eines Spiegels an den Hals. Die 34-Jährige soll versucht haben, der Justizvollzugsbeamtin den Schlüssel wegzunehmen, das berichtete außer der 28-Jährigen auch die Wachfrau selbst als Zeugin, die 34-Jährige bestritt das. Richter Arenz hatte jedoch, „keinen Zweifel, dass es so gewesen ist“. Die Version der 34-Jährigen, dass sie der Beamtin sogar habe helfen wollen, war für den Richter „nicht nachvollziehbar“. Denn: „Sie ist eine kräftige Person, hätte sie gewollt, hätte sie eingreifen können.“ Eine andere Gefangene hatte stattdessen beherzt eingegriffen und die Rangelei beendet.

Die beiden Frauen waren wegen geringfügiger Straftaten, die sie allerdings mehrfach begangen hatten, im Knast gelandet. „Ich will, dass mein Leben endlich wieder normal verläuft“, wünschte sich die 34-Jährige, die Mutter von drei Kindern ist. Ihr Wunsch wird nach dem Urteil vom Donnerstag nun noch etwas länger auf Erfüllung warten müssen. Die 28-Jährige versprach, eine Drogentherapie anzugehen.

Wer von beiden den Tatplan entwickelt hatte, das war in der zweitägigen Verhandlung vor dem Amtsgericht nicht nachzuweisen. Die 28-Jährige wurde nicht nur wegen Gefangenenmeuterei verurteilt, sondern auch wegen Körperverletzung, da sie die Beamtin leicht verletzt hat. Dieser körperliche Schaden wird noch am leichtesten zu verkraften sein. Als Zeugin hatte sie vor Gericht von „Todesängsten“ berichtet, für Richter Arenz steht fest, dass die Beamtin durch das Erlebnis „den Schock ihres Lebens“ erlitten hat.

Von Ralf Pasch

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