Kritik des Solartechnikherstellers

SMA ist bisher enttäuscht von Koalitionsverhandlungen zur Energiewende

Niestetal / Kassel. In Berlin verhandeln die künftigen Koalitionäre von CDU und SPD auch über die Zukunft der Energiewende. „Wir sind bisher enttäuscht von den Vereinbarungen“, sagt Dr. Günther Häckl. Er ist Generalbevollmächtigter der SMA Solar Technology AG:

Und seit einem Jahr Präsident des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Eine große Koalition in Berlin könnte sich ambitionierte Ziele setzen. Doch bisher zeige sich eher Unentschlossenheit, den großen Systemwechsel von der bisherigen Stromerzeugung aus Atomenergie, Kohle oder Gas in großen Kraftwerken hin zu mehr Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Biomasse auch durchzusetzen, kritisiert Häckl.

Zwar würden CDU und SPD zum Ausbau erneuerbarer Energie stehen, aber es gebe noch keine Zahlen oder konkrete Festlegungen. „Man muss sich mal entscheiden, wo man hin will“, fordert Häckl. Es sei bisher kein klarer Weg nach vorn zu erkennen. Ganz im Gegenteil droht aus der Sicht von SMA ein Rückschritt durch Pläne der künftigen Bundesregierung, auch den Strom-Eigenverbrauch demnächst mit dem Aufschlag nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) zu belegen.

Die EEG-Umlage liegt derzeit bei annähernd sechs Cent pro Kilowattstunde Strom. „Schon heute ist Solarenergie vom eigenen Dach oftmals günstiger als Strom vom Energieversorger“, erklärt Häckl. SMA will 2014 auf diesem Markt neue Solar-Wechselrichter mit Speicherbatterien verkaufen.

Damit können Haushalte einen Teil des Stroms vom Solardach direkt selbst verbrauchen. Dann kostet die Kilowattstunde nur etwa 14 Cent statt annähernd das doppelte für Strom von Stadtwerken oder anderen Versorgern. Wird auch für den Eigenverbrauch die EEG-Umlage von sechs Cent pro Kilowattstunde fällig, sieht die Rechnung ganz anders aus. „Das wäre fatal“, sagt Häckl, weil sich die Wirtschaftlichkeit des Eigenverbrauchs deutlich verschlechtern würde.

Die Chance zur Energiewende dürfe Deutschland nicht verpassen, mahnt Häckl. Die Märkte für erneuerbare Energie würden weltweit in rasantem Tempo wachsen, und viele innovative und leistungsfähige deutsche Unternehmen könnten davon profitieren.

Von Jörg Steinbach

Kürzung der Solarförderung trifft SMA

Der Solartechnikhersteller SMA rechnet in diesem Jahr mit 80 bis 90 Millionen Euro Verlust. Im bisher umsatzstärksten Einzelmarkt Deutschland verkauft SMA wegen der Kürzung der Einspeisevergütung immer weniger Wechselrichter, die den Gleichstrom aus den Fotovoltaikanlagen in haushaltsüblichen Wechselstrom umwandeln. Und in den europäischen Sonnenländern Portugal, Spanien, Italien und Griechenland bremst die Wirtschaftskrise den Solar-Umsatz.

Derzeit beschäftigt SMA noch 5528 Mitarbeiter, davon knapp 1400 im Ausland. Ende 2014 soll die Zahl der Beschäftigten in Deutschland auf 3700 sinken. Weltweit wird der Wechselrichter-Hersteller dann etwa 5000 Beschäftigte haben.

Im Boomjahr 2010 setzte das Unternehmen 1,92 Milliarden Euro um und verdiente 356 Millionen Euro. 2011 sank der Umsatz auf 1,68 Milliarden, der Reingewinn auf 166 Millionen Euro. 2012 schaffte SMA bei einem Umsatz von 1,46 Mrd. nur noch ein Plus von 75 Mio. Euro. Silberstreif am Horizont ist der kräftig gestiegene Auslandsanteil am Umsatz, der jetzt bei 69,3 Prozent liegt. (ach)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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