Familiäre Verbindungen nach Hertingshausen

Königin Mathilde von Belgien hat Vorfahren aus Region

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Hat Wurzeln in Nordhessen: Belgiens Königin Mathilde mit ihrem Mann, König Philippe, auf dem Balkon des königlichen Palastes in Brüssel nach der Krönungszeremonie am vergangenen Sonntag.

Baunatal. Als der damalige belgische Thronfolger Kronprinz Philippe 1992 die documenta in Kassel besuchte, die sein Landsmann Jan Hoet leitete, ist ihm wahrscheinlich nicht in den Sinn gekommen, dass er einmal eine verwandtschaftliche Verbindung zur Region haben würde.

Sieben Jahre später heiratete er Mathilde. Die heute 40-Jährige ist die Tochter von Graf Patrick d’Udekem d’Acoz (1936 - 2008) und Gräfin Anna Maria Komorowska (geb. 1946). Die Familie, größter privater Grundbesitzer Belgiens, blickt auf eine lange Ahnenreihe in verschiedenen europäischen Adelshäusern zurück, neben Belgien zum Beispiel Polen und Deutschland.

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Ein Zweig ihrer Vorfahren entstammt der niederadeligen Familie von Hertingshausen. Darauf verweist Gerhard Krug, der in dem heutigen Baunataler Stadtteil geboren wurde und der über die Ritter von Hertingshausen als Hobbyhistoriker forscht. Dabei stieß der 61-Jährige 2007 „per Zufall“ im Internet auf Informationen, mit denen er die Verbindung derer von Hertingshausen und der damaligen Kronprinzessin Mathilde bis zur 25. Generation zurückverfolgen konnte.

Krug teilte dies dem Archivar des belgischen Königshauses mit. Der habe auf die Hinweise nicht reagiert. „Daraufhin habe ich meine Bemühungen eingestellt“, sagt der Hertingshäuser. Vielleicht erschien dem Archivar, der inzwischen verstorben ist, die weitergehende familiäre Bande nach Hertingshausen zu unbedeutend.

Denn der Name Hertingshausen war dem Königshaus bereits bekannt, wie Krug sagt. Zur Hochzeit des belgischen Kronprinzen mit Mathilde Marie-Christine Ghislaine d’Udekem d’Acoz, wie sie mit vollem Namen heißt, im Dezember 1999 habe der amerikanische Genealoge William Addams Reitwiesner, der 2010 verstarb, die umfangreiche Ahnentafel der Prinzessin und ihrer Familie präsentiert.

In der 15. Generation, die Reitwiesner mit der Unterstützung anderer Ahnenforscher zusammenstellte, erscheint laut Krug als Urahnin Dorothea von Hertingshausen, eine Tochter des Johann I. von Hertingshausen, der 1553 als Amtmann auf der Amöneburg starb, und der Jutta von Steinbach. Dorothea von Hertingshausen starb im September 1605 in Altwildungen, mehrere Jahre nach ihrem Ehemann Johann von Geismar.

Familienausflug: Die Aufnahme vom Juli 2010 zeigt das heutige Königspaar mit ihren Kindern Prinzessin Elisabeth (von links), Prinzessin Eleonore, Prinz Emmanuel und Prinz Gabriel.

Krug: „Damit hörten die Namen der Vorfahren dieses Zweiges zunächst auf, weil Reitwiesner zu weiteren Daten möglicherweise keinen Zugriff hatte. Allerdings existieren zahlreiche Schriften und Urkunden von den älteren Generationen der Familie von Hertingshausen, sodass sich daraus eine fast lückenlose Ahnentafel bis zur 25. Generation ergibt.“ Der älteste Vorfahr in dieser Linie hieß Eberhard von Hertingshausen, der in Hertingshausen wohnte und urkundlich nachgewiesen im Jahre 1150 starb.

Die Ritter von Hertingshausen bewirtschafteten einen Hof im Dorf, den es nicht mehr gibt. Später lebten sie laut Krug auf der Naumburg und der Weidelsburg. Sie seien über Jahrhunderte angesehen gewesen und bekleideten wichtige Positionen als Forstmeister oder Hofmarschälle des Landgrafen. „1689 ist die männliche Linie ausgestorben und mit ihr der Name.“ Weibliche Nachkommen finden sich in vielen Adelshäusern.

Hintergrund: Inzwischen tausende Verwandte 

Adelsfamilien sind weit verzweigt

Europa schaute in diesen Tagen auf Belgien. Das zehn Millionen-Volk der Flamen und Wallonen bekam am Nationalfeiertag, 21. Juli, einen neuen König. Der Vater, König Albert II., dankte ab und übergab das Amt an seinen 53-jährigen Sohn, Philippe.

Am Sonntag habe Philippe zunächst im Mittelpunkt der königlichen Zeremonie gestanden, sagt der Hertingshäuser Hobby-Historiker Wolfgang Krug. Als König von Belgien werde er ein „schweres Erbe“ antreten. Kritiker trauten ihm nicht zu, die Menschen im Land zu einen.

„Er könnte es schaffen, allerdings nur mit der Unterstützung durch seine attraktive Frau. Denn der Großteil des Volkes ist seit der Hochzeit 1999 begeistert von Mathilde, die mit Philippe bereits vier Kindern hat, zwei Jungen, Gabriel und Emmanuel, und zwei Mädchen, Elisabeth und Eleonore“, sagt Gerhard Krug.

Wie bei anderen Adelsfamilien gibt es auch beim belgische Königshaus weitverzweigte verwandtschaftliche Verbindungen. Allein die Verwandschaft von Königin Mathilde, die der Amerikaner Reitwiesner bis zur 15. Generation zurückverfolgte dürfte laut Krug 10 000 bis 12 000 Personen umfassen. Noch weitere zehn Generationen zurückgerechnet kämen entsprechen einige tausend Verwandschaftsbeziehungen hinzu, „solange nicht Cousin und Cousine heirateten“, sagt Krug. Vielleicht gab es deshalb kein Interesse im Königshaus auf weitere Verwandte bis zur 25. Generation.

Eine Anfrage an die belgische Botschaft in Berlin zu einer Stellungnahme zum Thema, blieb bis zum Redaktionsschluss am Dienstag unbeantwortet.

Von Michael Schräer

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