Verkauf von Eon Mitte – Auch Thüga interessiert

Kreis Kassel. Die kommunalen Anteilseigner begrüßen die Absicht der Eon AG, den Regionalversorger Eon-Mitte zu verkaufen. Dies biete für die Umsetzung der Energiewende in der Region große Chancen.

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Man sei bereit, mit weiteren Partnern wieder die Verantwortung in dem traditionsreichen Energieunternehmen – früher EAM – zu übernehmen, meinte Landrat Robert Fischbach (Marburg-Biedenkopf) als Sprecher der kommunalen Anteilseigner von Eon-Mitte.

Aktualsiert um 17.10 Uhr

Der Landkreis Kassel, mit 3,3 Prozent an Eon-Mitte beteiligt, hat Interesse an einer Aufstockung signalisiert. „Wir werden alle Optionen prüfen. Die Frage ist aber, ob wir das schultern können“, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Der Kreistag wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Ziel ist unter anderem, die 1300 Eon-Arbeitsplätze in der Region zu erhalten.

Auch die Thüga (München), das größte deutsche Netzwerk aus kommunalen und regionalen Energieversorgern, äußerte sich gestern gegenüber der HNA interessiert.

Der Mutterkonzern Eon hat angekündigt, sich künftig nur noch auf seine vier größten Regionalversorger zu stützen, die drei Viertel der Stromversorgung in den Regionen ausmachen. Eon-Mitte, das 1,5 Millionen Menschen zwischen Einbeck in Südniedersachsen und Hanau in Südhessen versorgt, soll daher verkauft werden.

Großes Interesse an Eon Mitte

Die Pläne, den Stromversorger Eon Mitte zu verkaufen, wurden von den Kommunen der Region mit großem Interesse zur Kenntnis genommen. Man verspricht sich neuen Schub bei der Energiewende vor Ort.

Die Kommunen wollen ihre Einflussmöglichkeiten sichern und die Wertschöpfung in der Region halten. „Unser Ziel ist es, die Energieversorgung zu kommunalisieren“, sagt Söhrewalds Bürgermeister Michael Steisel (SPD), kommunaler Geschäftsführer der im März neu gegründeten Netzgesellschaft „Energie Region Kassel“, die 75.000 Einwohner mit Strom und Gas versorgt.

16 der 29 Kreiskommunen sind beteiligt, sie halten 51 Prozent der Anteile, die restlichen 49 Prozent sind im Besitz von Eon Mitte. Auch diese Anteile sollen den Eigentümer wechseln. Wer investieren wird, ist noch unklar. Aber es gilt als wahrscheinlich, dass die Anteile in kommunale Hände wechseln. Dies legt auch der bundesweite Trend nahe, neben Eon verkaufen andere große Versorger wie RWE zurzeit ihre Regionalgesellschaften. Als Käufer kommt ein Konsortium aus Städten, Kreisen und Gemeinden infrage.

Auch die Thüga-Gruppe (München), das größte deutsche Netzwerk aus kommunalen und regionalen Energieversorgern, hat auf Nachfrage grundsätzliches Interesse bekundet. „Eine kommunalwirtschaftliche Ausrichtung und Zukunftssicherung der betroffenen Unternehmen werden wir, sofern von den kommunalen Partnern gewünscht, konstruktiv begleiten“, teilte Thüga-Sprecherin Carmen Meinhold mit. Den konkreten Stand der Gespräche kommentiere man aber nicht.

Auch der Kreistag wird sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen. Die 1300 Eon-Arbeitsplätze in der Region müssten gesichert werden. Um die finanziellen Belastungen für den Kreis so gering wie möglich zu halten, müsse man „die Beteiligung eines Partners aus dem Bereich der kommunalen Unternehmen“ prüfen, meinte SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrike Gottschalck.

Ob der Landkreis Kassel, der wegen seiner Überschuldung möglicherweise unter den Schutzschirm des Landes schlüpfen wird, überhaupt in weitere Eon-Mitte-Anteile investieren darf, sei noch zu klären, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn. Immerhin würde die Investition dem Kreis finanziell etwas bringen, schließlich handele es sich bei Eon Mitte um ein gesundes Unternehmen, das Gewinn erziele. Die neue Situation könnte auch der „Energie Region Kassel“ Zuwachs bringen. Für eine rein kommunale Netzgesellschaft interessieren sich künftig vielleicht auch bisher abtrünnige Kommunen wie Kaufungen und Niestetal. (hog)

Rubriklistenbild: © dpa

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