Ehrenamtliche in Blau und Grün nehmen sich Zeit für Patienten – Einsatz in Klinikum und Seniorenanlagen

Die Kompetenz des Herzens

Ein Lächeln für die Patienten: Marlies Rohrbach von den Blauen Helferinnen, Christa Joedt vom Hospiz Kassel, Brunhilde Fabricius, die die Idee nach Kassel brachte, und Beate Lindecke von den Grünen Damen freuen sich über 31 Jahre ehrenamtlichen Krankenhausdienst. Foto: Schubert

Kassel. Manchmal trudelt ein Dankeskärtchen bei ihnen ein. „Es ist gut, dass es Sie gibt“ steht dann darauf, oder „Die Blauen Helferinnen sind prima“. Die ehrenamtlichen Krankenhaushelfer bereiten nun schon seit 31 Jahren kleine Freuden im oft schmerzhaften Alltag: Sie schauen bei dem Jungen vorbei, dessen Familie nicht zu Besuch kommen kann, spenden Patienten Trost, sie lesen aus Büchern vor, machen Besorgungen, helfen bei den Mahlzeiten.

Helfer in Blau und Grün

In ihren blauen Kitteln helfen 63 Frauen und sechs Männer im Klinikum Kassel und in den Seniorenanlagen Lindenberg und Fasanenhof. Es gibt sie auch in Grün. Im Diakonie-Gesundheitszentrum sowie im Pflegeheim Haus Salem sind 33 Helfer in Hellgrün gehüllt und nennen sich daher Grüne Damen und Herren.

Einfach nur zuhören

Ob blau oder grün: Ihre Hilfe ist dieselbe. „Oft will ein Patient einfach nur reden. Da sitzt man am Bett und hört zu“, sagt Marlies Rohrbach, Einsatzleiterin der Blauen Helferinnen und Helfer. Mit Pflegearbeit sei das nicht zu verwechseln, betont sie. „Wir machen das, wofür den Schwestern die Zeit fehlt. Dafür bringen wir die Kompetenz des Herzens mit.“

Brunhilde Fabricius war es, die die Idee zu diesem ehrenamtlichen Dienst als Vorsitzende des Deutschen Evangelischen Frauenbundes nach Nordhessen mitbrachte. Sie hatte den Begleitdienst in Düsseldorf und Bonn kennengelernt, der von den amerikanischen pink ladies – also den rosa Damen – abstammt.

In Kassel begann es mit einem kleinen Kreis von sechs Helfern. Seitdem hat die unabhängige Organisation stetig Zuwachs aus Stadt und Kreis Kassel bekommen. Auch wenn die meisten Frauen älter als 55 Jahre sind, die ein neues Betätigungsfeld fürs Rentenalter suchen: Die Mischung stimmt. „Es sind Juristen dabei, Hausfrauen, alle“, sagt Beate Lindecke, Vertreterin der Grünen Damen der Diakonie-Kliniken. Auch Studenten fragten ab und zu an. In einer Sache ist Kassel deutschlandweit Vorreiter: Es gibt seit zwölf Jahren muslimische Helfer, die türkische und andere Patienten islamischen Glaubens betreuen. „Sie können den Patienten in Sprache und Tradition auf Augenhöhe begegnen“, erklärt Marlies Rohrbach.

Was alle Ehrenamtlichen eint: Das Gefühl gebraucht zu werden. „Man lernt, sich auf das Gegenüber einzulassen und Kleinigkeiten zu schätzen“, weiß Christa Joedt vom Hospiz Kassel.

Neuer Blick aufs Leben

Ein Lächeln eines Kranken und dessen Dankbarkeit könne einem einen ganz neuen Blick öffnen. „Manchmal muss man auch seine eigene Hilflosigkeit aushalten. Wenn jemand eine unheilbare Diagnose bekommt, hilft es, mit ihm zu schweigen. Man lernt sich dabei selbst besser kennen.“ (nh)

Von Elisa Schubert

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