Betrug mit neuen Bankkarten: Das sagen Handel, Polizei und Banken

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Sie kassiert bei Edeka Markt Hofmann in Fuldabrück-Dörnhagen: Auch Sabine Wiegand (55) habe bislang keine Erfahrungen damit gemacht, dass Kunden beim kontaktlosen Zahlen betrogen hätten.

Kreis Kassel. Mit neuen Bankkarten lässt sich kontaktlos und ohne Pin und Unterschrift zahlen. Verzeichnen Handel, Polizei und Banken jetzt mehr Betrugsfälle?

Es geht schneller und ist bequem: Das kontaktlose Zahlen mit sogenannten Debitkarten, die Dank einem eingebauten Chip nur noch auf ein Lesegerät aufgelegt werden müssen. Beträge bis 25 Euro können ohne Pin-Eingabe und Unterschrift bei dem 2016/2017 auf allen Karten hinterlegten System bezahlt werden. 

Die Karte mit der neuen Funktion ist aktiviert, sobald sie erstmalig benutzt wurde.  Ideale Bedingungen für Gauner, die sich die Karten unter den Nagel gerissen haben und dann damit zahlen, könnte man meinen. Wir starteten eine Anfrage bei einem Supermarkt, der Polizei und Banken.

Supermarkt

Andreas Hofmann

„Wir haben mit dem kontaktlosen Zahlen bislang noch keine Betrugserfahrungen gemacht“, sagt Andreas Hofmann, Marktleiter von Edeka Neukauf Hofmann in Fuldabrück-Dörnhagen. Das System ist so neu, dass noch nicht bei allen Kunden ein Bewusstsein dafür bestünde, dass sie überhaupt Karten mit der Bezahlfunktion haben: „Manche fragen beim kontaktlosen Zahlen, warum sie die Pin nicht eingeben mussten“, sagt Hofmann. Ohnehin zahlen die meisten Kunden in bar – rund 60 Prozent.

Polizei

„Bislang liegen uns lediglich vereinzelte Anzeigen zum Betrug mit rechtswidrig erlangten Girocards im Rahmen des kontaktlosen Bezahlens in der Stadt Kassel vor. Aus dem Landkreis ist uns nichts bekannt“, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz. Die vereinzelten Fälle, bei denen mit geklauten Girocards kontaktlos gezahlt wurde, hätten sich ausschließlich in Supermärkten ereignet. 

Häufiger sei der Betrug laut Mänz hingegen bei der Zahlung über ein elektronisches Lastschriftverfahren. Dabei entfällt die Pin-Eingabe – lediglich eine Unterschrift auf einem Kassenzettel ist notwendig. Dagegen könnten sich Kunden aber mittlerweile auch gut mit dem KUNO-Sperrsystem wehren, das die Polizei gemeinsam mit Wirtschaftsunternehmen initiiert hat (siehe Hintergrund).

Banken

Matthias Haupt, Sprecher des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen, sagt zum Thema: „Kriminelle Täter versuchen immer wieder, Karten zu stehlen und die Geheimzahl des Kunden an der Kasse oder am Geldautomaten vorher auszuspähen.“ Bei den kontaktlosen Karten gebe es aber hier keine besonderen Auffälligkeiten. Auch Steffen Steudel, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken verneint die Frage, ob es bereits Betrugsfälle gegeben hat.

Sperrsystem von Polizei und Handel

Kuno wurde in diesem Jahr in Hessen eingeführt und steht für Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen und ist ein freiwilliges System der Polizeibehörden und der Wirtschaft. Wird die Bankkarte gestohlen, sollte der Verlust der Bank und der Polizei gemeldet werden. 

Die Polizei wiederum gibt die Daten (Bankleitzahl, Kontonummer und Kartenfolgenummer) weiter, sodass sie bei Einzelhandelsgeschäften landen. Dann sei die Karte auch für das Lastschriftverfahren – Kartenzahlung mit Unterschrift – gesperrt. 

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