Podiumsdiskussion in Theodor-Heuss-Schule: Integration läuft in Baunatal gut - trotzdem gibt es Baustellen

Das Kopftuch ist ein Reizthema

B. Riemen-

Baunatal. Bürger mit ausländischem Hintergrund, die in einer Parallelgesellschaft leben, Nachbarn aus fremden Kulturen, die sich bewusst ausgrenzen: Die düsteren Szenarien, die der Ex-Banker Thilo Sarrazin in seinem Buch beschreibt, scheinen woanders zu spielen, jedenfalls nicht in Baunatal: Das ist zumindest die Bilanz einer Podiumsdiskussion zum Thema Integration am Dienstagabend in der Theodor-Heuss-Schule (THS).

Integration, das ist ein Thema, das in Baunatal anscheinend nicht allen auf den Nägeln brennt. Eine Reihe der Stühle in der Aula blieb leer.

Er habe nie das Gefühl gehabt, integriert werden zu müssen, sagte Bilal Sahin, Betriebsrat im Volkswagenwerk, auf dem Podium. Und die ehemalige THS-Schülerin Yaser Yildiz, die jetzt die Herderschule besucht, versicherte, keine Probleme mit der Integration in Baunatal gehabt zu haben.

Frank Grasmeier vom städtischen Jugendbildungswerk verwies auf die vielen Projekte, etwa Sprachförderung im Kindergarten. Pfarrer Joachim Simon (Altenritte) berichtete, es kämen sogar Muslime in seinen Religionsunterricht. Das veranlasste Raif-Ercan Tunalioglu, Migrationsbeauftragter der Polizei Nordhessen, zu dem Fazit: „Sie leben in einem Stück heile Welt.“

Doch auch in der heilen Welt gibt es Baustellen. Seine Tochter trage das Kopftuch und habe deshalb Probleme, einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu finden, sagte Muammer Demircan, ein Muslim aus Baunatal. So gehe es einigen ihrer Freundinnen auch, bestätigte Yaser Yildiz. Frauen mit Kopftuch in allen Lebensbereichen, da sei man auch in Baunatal vielleicht noch nicht so weit, das zu akzeptieren, hieß es auf dem Podium. Das Kopftuch sei einfach negativ besetzt, meinte ein Mann aus dem Publikum.

Der Zuhörer Bernd Riemenschneider berichtete von einem türkischen Nachbarn, der mit seinen Landsleuten Schwierigkeiten bekommen habe, weil seine Töchter Deutsche geheiratet haben. Er finde es auch „erschreckend“, so meinte der Baunataler weiter, dass die Wahlbeteiligung bei den Ausländerbeiratswahlen so gering sei. Das liege wohl vor allem daran, dass dieses Gremium kaum Mitbestimmungsmöglichkeiten habe, sagte Pelül Karahan, Vorsitzender des Baunataler Gremiums. Er beklagte, dass die finanziellen Mittel für den Beirat dünner würden. Karahan und Tunalioglu forderten das Kommunalwahlrecht für ausländische Mitbürger. Tunalioglu sprach sich zudem für eine schnellere Einbürgerung aus.

Nicola Capozzolo, Baunataler mit italienischen Wurzeln, meinte, man müsse sich mehr um die Senioren kümmern. Sonst bliebe denen nur übrig, in die alte Heimat zurückzugehen. (pdi)

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