VW sieht für firmeneigenes Kraftwerk geringes Risiko

Kraftwerk bei VW: Droht auch Baunatal Stromausfall?

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Kostete rund 65 Millionen Euro: Das Kraftwerk des Baunataler VW-Werks . Das Foto zeigt von links Bauleiter Friedel Blankenfuland, Kraftwerkleiter Heinrich Nientiedt und Bauleiter Andreas Bossert.

Baunatal. Nach dem Stromausfall im Wolfsburger VW-Kraftwerk am Samstag ging in etwa 50.000 Haushalten in der VW-Stadt für Stunden nichts mehr. In der riesigen Fabrik stoppten die Bänder. Kann so etwas auch in Baunatal passieren, dem zweitgrößten Standort des VW-Konzerns in Deutschland?

Schließlich verfügt das Werk in Baunatal auch über ein eigenes Kraftwerk, das von der Konzerntochter Volkswagen Kraftwerk GmbH betrieben wird. Deren Sprecherin Dr. Pola Jahn hielt sich am Montag auf Anfrage der HNA bedeckt und sagte lediglich, die Analyse des Vorfalls in Wolfsburg sei noch nicht abgeschlossen. Daher sei ein Vergleich mit dem Baunataler Werk derzeit nicht möglich.

Situation nicht vergleichbar

Der Sprecher des Volkswagen-Werkes in Wolfsburg, Claus-Peter Tiemann, hält die Vorkommnisse in Wolfsburg für nicht übertragbar auf den Baunataler Standort. „Die Situation in Baunatal ist eine völlig andere. Das Werk hat andere Strukturen und andere Aufgaben“, so Tiemann gegenüber dieser Zeitung.

In gut unterrichteten VW-Kreisen wird die Wahrscheinlichkeit, dass es dort zu einem Ausfall wie in Wolfsburg kommen könnte, allerdings eher gering eingeschätzt, wie die HNA erfuhr. Denn die Technik des Ende 2011 in Betrieb genommenen Kraftwerkes sei auf dem neuesten Stand. Ein „Verschleißunfall“ sei daher eher unwahrscheinlich.

Zudem liefert das Werk keinen Strom nach außen, sondern erzeugt ausschließlich Energie für den eigenen Bedarf. Ein Ausfall würde schon alleine deshalb nicht das Ausmaß wie in Wolfsburg annehmen, hieß es.

Wie die HNA weiter erfuhr, wird ein Ausfall aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Vollkommene Sicherheit, dass es nicht zu einer Verkettung unglücklicher Umstände kommen könnte, gebe es nicht. Aber wie für jeden anderen Bereich auch, gebe es Katastrophenpläne, und die Schaltungen seien so konzipiert, dass nie das ganze Werk von einem Ausfall betroffen wäre.

Mehr zum VW-Werk Kassel/Baunatal lesen Sie auch im Regiowiki der HNA.

Im Baunataler VW-Kraftwerk werden über eine 200 Tonnen schwere Gasturbine 45 Megawatt elektrische Leistung produziert. Angeschlossen ist zudem eine Dampfturbine mit 30 Megawatt Leistung. Das Kraftwerk deckt 75 Prozent des im Baunataler Werk benötigten Strombedarfs ab. Um den restlichen Strombedarf des Werkes zu decken, wird Strom aus anderen VW-Kraftwerken eingespeist. Die Heizungswärme für die Werkshallen wird dort zu 100 Prozent produziert.

Zudem beliefert das Kraftwerk seit 1981 Teile der Baunataler Innenstadt mit Wärme. Derzeit sind rund 4000 Menschen an das System angeschlossen. Bisher sei es zu keinen nennenswerten Störungen in der Fernwärmeversorgung gekommen, sagte Baunatals Pressesprecher Thomas Briefs auf Anfrage. Die Stadtwerke Baunatal betrieben kein Notfallsystem, so Briefs weiter und verwies auf die VW Kraftwerk GmbH.

Heinrich Nientiedt, Leiter des VW-Kraftwerkes in Baunatal, wollte allerdings keine Auskunft zu dem Szenarium eines etwaigen Stromausfalls im Baunataler VW-Kraftwerk geben.

Von Nicole Schippers

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