Rechtliche Schritte möglich

Politik ist empört: Biogasanlage liefert zu wenig Gas

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Start mit großem Optimismus: Anfang Januar hatten Thomas Ackermann (rechts) und Hans-Peter Schäfer die Gasleitung der neuen Biogasanlage des Kreises geöffnet. Doch durch das Rohr strömt bisher zu wenig Gas.

Lohfelden/Kassel. Die Biogasanlage des Kreises Kassel an der Kompostanlage bei Vollmarshausen funktioniert nicht so, wie sie sollte. Auch zehn Monate nach Inbetriebnahme wird nicht annähernd so viel Gas erzeugt, wie der Gemeinde Lohfelden als Abnehmer des Biogases vertraglich zugesichert wurde.

Statt 1,5 Millionen Kubikmeter Gas werden nur 1,2 Mio. erreicht, bestätigte Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage der HNA. Dieser Ausstoß ist zu gering für einen wirtschaftlichen Betrieb. Die Gemeinde und auch der Kreis, der die Firma Helector mit dem Betrieb der Anlage beauftragt hat, behalten sich vor, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

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Biogasanlagen liefern Strom und Wärme

Noch geht man beim Kreis davon aus, die Probleme beheben zu können. Bis zum Abschluss des Probebetriebs gegen Ende des Jahres solle die vereinbarte Gasmenge erreicht werden, sagt der Kreissprecher.

Zwölf statt sechs Monate

Dass die prognostizierte Menge bei einer Biogasanlage dieser Größe nicht auf Anhieb erreicht werde, sei normal. Allerdings habe man sich gewünscht, dass sich die Anlaufphase nicht so lange hinziehen würde, sagte der Kreissprecher.

Ursprünglich war man von einer Probephase von sechs Monaten ausgegangen, daraus werden nun mindestens zwölf Monate. Es werde angestrebt, ab Januar die geforderte Gasmenge liefern zu können, sagte Kühlborn.

Für die Gemeinde Lohfelden hat die reduzierte Gasmenge Folgen. So können die drei eigens errichteten Blockheizkraftwerke zur Produktion von Strom und Wärme nicht ausreichend betrieben werden. Vorrang hat laut Bürgermeister Michael Reuter (SPD), der die Gemeindevertreter nach einer Anfrage der CDU-Fraktion ausführlich über die Situation informierte, der Betrieb des Blockheizkraftwerks 1 am Standort Sandwiesen, das – vertraglich vereinbart – die notwendige Wärme für den Bioreaktor des Kreises liefert.

Zweite Priorität habe das Kleinkraftwerk 3 neben den früheren Richterhallen, das unter anderem die Regenbogenschule samt Lehrschwimmbecken mit Wärme versorgt.

Das Blockheizkraftwerk 2, das Heizwärme für Rathaus und Bürgerhaus produzieren soll, läuft nur teilweise. Die Gebäude müssen daher wie bisher beheizt werden.

Es müsse davon ausgegangen werden, dass im laufenden Jahr „ein höherer Fehlbetrag als für den Normalbetrieb durch Projektsteuerer und Fachplaner prognostiziert zu erwarten ist“, sagte der Bürgermeister weiter. Er gehe davon aus, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts aber doch noch erreicht werden könne, wenn die Mindestmengen ab Januar 2013 tatsächlich geliefert werden.

Denn das Projekt werde nicht nur 20 Jahre gefördert, wie ursprünglich vorgesehen, sondern zusätzlich weitere elf Monate. Grund ist der geschickte Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anlage. Statt sie nach Fertigstellung im Dezember 2010 gleich zu starten, wurde sie erst im Januar 2011 in Betrieb gesetzt. Weil die Förderung immer fürs ganze Jahr ab Inbetriebnahme erfolgt, kommt so fast ein gesamtes Förderjahr hinzu.

Von Holger Schindler

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