Landkreis Kassel und Gemeinde Lohfelden haben Vergärungsanlage in Betrieb genommen – 6,8-Mio.-Euro-Projekt

Kreis Kassel: Aus Kompost wird jetzt Biogas

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Kreis Kassel: Aus Kompost wird jetzt Biogas

Lohfelden. Mit der Inbetriebnahme der Bioabfallvergärungsanlage im Entsorgungsbetrieb des Landkreises in Vollmarshausen ist die Gemeinde Lohfelden ihrem Ziel, bis 2030 eine klimaneutrale Gemeinde zu werden, ein gutes Stück näher gekommen.

Kurzclip: Susanne Selbert über die Biogasanlage

Die rund fünf Millionen teure Anlage mit acht Gärboxen (Fermentern), Produkt einer engen, 2009 begonnenen Zusammenarbeit zwischen Landkreis Kassel und der Gemeinde Lohfelden, erzeugt pro Jahr rund 1,7 Millionen Kubikmeter Biogas, das drei Blockheizkraftwerke in elektrischen Strom und Wärme umwandeln. Den Löwenanteil dieser Energiemenge nimmt Lohfelden ab. Ein Blockheizkraftwerk versorgt die Vergärungsanlage vor Ort mit Strom und Wärme.

Zwei weitere Blockheizkraftwerke sorgen für Wärme im Lohfeldener Rathaus, im Bürgerhaus und in der Regenbogenschule. Auch das Lehrschwimmbecken des Landkreises dort wird mit dem Biogas beheizt. Aus dem Methangas können pro Jahr 4,4 Millionen Kilowattstunden Wärme erzeugt werden, eine Strommenge, die zur Versorgung von 1000 Haushalten reicht. Wegen des verbleibenden Wärmeüberschusses sei man schon im Gespräch mit einem Interessenten, sagte Bürgermeister Michael Reuter (SPD) während der Eröffnungsfeier mit Vertretern der beteiligten Baufirmen und aus der Kommunalpolitik.

Nach Informationen der HNA handelt es sich um das im Entstehen begriffene Zentrum für Erneuerbare Energien, das die Firma ZEED in den früheren Richterhallen in Lohfelden bis 2013 errichtet. Vizelandrätin Susanne Selbert (SPD) sagte, die Anlage könne Vorbildcharakter für die Region haben. „Die klimafreundlichste Art, Biogas zu produzieren, ist die Nutzung von Pflanzenabfällen“, erklärte sie. Die von der mittelhessischen Firma Helector innerhalb von neun Monaten gebaute Anlage kann 23 000 Tonnen Bioabfall verarbeiten.

Die sind als Rohstoff schon im kreiseigenen Kompostierungsbetrieb vorrätig. Die Vergärungsanlage funktioniert ähnlich wie der Zerfallsprozess in einem Komposthaufen: Pflanzenabfälle werden mit einem Bakterien-Wasser-Gemisch im Gärbehälter berieselt. Unter Luftabschluss kommt der Verrottungsprozess in Gang, bei dem Methangas entsteht.

Dieses wird mit hohem Luftdruck aus den Pflanzenabfällen geblasen und über Rohre einem Speicher zugeführt. Der vergorene Abfall kann dann weiter kompostiert werden. Spezialisten der Firma Helector werden noch bis März 2012 vor Ort sein, um die Biogasproduktion zu optimieren. Insgesamt hat das Gemeinschaftsprojekt zwischen Landkreis Kassel und Gemeinde Lohfelden 6,8 Millionen Euro gekostet. Allein eine Million Euro kostete der Bau der Mikrogasleitung von Vollmarshausen ins Lohfeldener Zentrum.

Von Peter Dilling

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