Freie Fahrt ab 28. Februar

A44: Die Testphase für den Tunnel Küchen läuft

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Blick in den Tunnel Küchen: Vor allem die Sicherheitstechnik wird aktuell auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Der Tunnel wird mitsamt der A 44-Bauabschnitte 6, 7 und 8 am 28. Februar 2018 für den Verkehr freigegeben.

Kreis Kassel. Die A44 wird aktuell auf einer Länge von 70 Kilometern von Kassel in Richtung Osten neu gebaut. In einer Serie stellen wir die aktuellen Baufortschritte vor.

Bis die rund 1,8 Milliarden Euro teure A44 von Kassel bis zur A4 bei Herleshausen komplett befahrbar ist, wird möglicherweise noch das Jahr 2030 vergehen. Grund ist das Teilstück zwischen Kassel und Helsa (Abschnitt 2), das sich erst noch in der Planung befindet. Andere Abschnitte sind dagegen schon viel weiter oder seit Jahren bereits fertig. Alle Abschnitte, an denen jetzt noch geplant oder gebaut wird, werden hier vorgestellt. Heute sind die Bauabschnitte 6, 7 und 8 an der Reihe. Die beiden Bauabschnitte 4 und 5 wurden bereits im Juli 2014 beziehungsweise im Jahr 2005 dem Verkehr übergeben.

BAUABSCHNITT 6: HESSISCH LICHTENAU-OST BIS WALDKAPPEL-HASSELBACH

Der 4,8 Kilometer lange A 44-Bauabschnitt 6 ist geprägt vom 1400 Meter langen Tunnel Küchen. Mitsamt der Ausstattung, der Sicherheitstechnik, der Beschilderung sowie der Fahrbahnmarkierungen ist er so gut wie fertig. Am 28. Februar 2018 soll er für den Verkehr freigegeben werden – zusammen mit den Bauabschnitten 7 und 8.

Der Tunnel Küchen wird dann etwa 150 Millionen Euro gekostet haben, zehn Millionen mehr als veranschlagt. Tatsächlich hat sein Bau viel Wirbel ausgelöst. Zunächst hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz im Oktober 2008 einen Baustopp erwirkt. Hessen Mobil musste in Sachen Naturschutz nacharbeiten. Danach kam es im Zuge des Vergabeverfahrens zu weiteren Verzögerungen – ein Bauunternehmen hatte gegen die Auftragsvergabe von Hessen Mobil geklagt, wenn auch ohne Erfolg.

Wieder zu Problemen kam es dann nach dem Tunnelanstich im September 2010. Wegen schwieriger geologischer Gegebenheiten entstanden beim Tunnelvortrieb in den Jahren 2013 und 2014 zum Teil schwere Schäden an insgesamt 38 Gebäuden in Küchen. Vier Wohnhäuser wurden durch Bodenabsenkungen derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie Hessen Mobil für 700.000 Euro aufkaufen musste. Sie stehen seitdem leer. Die übrigen Entschädigungsverfahren werden erst jetzt langsam zum Abschluss kommen – nach über drei Jahren. Für die Küchener bleibt der Tunnel ein Trauma.

Kurvenreiche Trasse in der Landschaft: Der A 44-Bauabschnitt 7, hier mit Blick nach Osten auf die Wehretalbrücke, ist bis auf wenige Restarbeiten schon komplett fertig. Foto: Naumann

Indessen rechnet Reinhold Rehbein, Dezernatsleiter bei Hessen Mobil, mit keinen weiteren Verzögerungen. „Der 28. Februar steht fest“, sagt er. Derzeit laufe der Probebetrieb, bei dem verschiedene Funktionstests an den Ventilatoren, dem Brandmeldesystem oder der Beleuchtung vorgenommen werden. Die Brandsicherheit steht dabei ganz oben an. Bei sogenannten Verrauchungsversuchen wird mit Kalt- und Heißrauch (da wird ein richtiges Ölfeuer gelegt) das Strömungsverhalten des Qualms in der Tunnelröhre getestet. „Der Rauch muss zunächst nach oben steigen und dann dort bleiben, erst dann dürfen die Ventilatoren richtig blasen“, sagt Rehbein.

Bei den Kaltrauchversuchen seien auch die Feuerwehren und Rettungsdienste mit von der Partie. „Dabei werden verschiedene Unfallszenarien durchgespielt. Ziel ist es, zu prüfen, wie sich die Wehrleute und Rettungskräfte in demverrauchten Tunnel zurechtfinden, ob sie die Orientierung verlieren oder ob sie schnell genug über die Fahrbahngegenseite und die Querstollen zur Unfallstelle kommen“.

BAUABSCHNITT 7: WALDKAPPEL HASSELBACH BIS WALDKAPPEL-OST

„Der Straßenbau dort ist schon seit über einem Jahr fertig“, sagt Rehbein. Auf dem sechs Kilometer langen Stück müssten nur noch einzelne Markierungsarbeiten erledigt, sowie Leitplanken und Teile der Beschilderung aufgestellt werden. „Was die Kosten angeht, waren wir hier erfolgreich“, sagt Rehbein. Statt der veranschlagten 74 Millionen Euro hat dieses Teilstück der neuen A 44 jetzt nur noch 70 Millionen Euro gekostet.

Die 700 Meter lange Wehretalbrücke bei Harmuthsachsen über die B7 ist das teuerste Bauwerk Im Abschnitt 7. Foto: Naumann

Der Bauabschnitt 7 ist eines der wenigen A 44-Teilstücke, die ohne Tunnel auskommen. Dafür mussten sieben Brücken gebaut werden, darunter auch die 700 Meter lange und 20 Millionen Euro teure Wehretalbrücke, die die B 7 mitsamt der Wehre überquert.

Um dem Natur- und Artenschutz gerecht zu werden, weist der Abschnitt zwei Wildwechsel-Brücken über die A 44 auf. Rechts und links entlang der Trasse wurden Schutzzäune für Fledermäuse und Wildkatzen aufgestellt. Auf diese Weise müssen Fledermäuse die Trasse hoch genug überfliegen, damit es zu keinen Kollisionen mit Autos kommt. Die Wildkatzenzäune stellen ein unüberwindbares Hindernis für die Tiere dar.

BAUABSCHNITT 8: ANSCHLUSSSTELLE WALDKAPPEL-OST

Der Bauabschnitt 8 ist fertig. Er besteht im Kern nur aus der Anschlussstelle Waldkappel-Ost. Der Bau hatte im Oktober 2014 begonnen. Die Auffahrtsrampen sind über zwei Kreisverkehre an die B7 angeschlossen. Die Freigabe erfolgt ebenfalls am 28. Februar 2018.

Im nächsten Teil der HNA-Serie „Neubau der A44“ werden der Bauabschnitt 9 (Anschlussstelle Waldkappel bis Anschlussstelle Ringgau) und der Bauabschnitt 10 (Anschlussstelle Ringgau bis Anschlussstelle Sontra-West) vorgestellt.

Die bisherigen Teile

- Abschnitt 1

- Abschnitte 2 bis 4

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