HNA-Serie Teil 4

Bau der A44 östlich von Kassel: Wehretalbrücke ist zur Hälfte fertig

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Blick nach Osten auf die Brückenbaustelle im Wehretal: Im Vordergrund entsteht das Ostportal des Tunnels Trimberg. Dahinter schließen sich die Anschlussstelle Eschwege und die Wehretalbrücke an. Deren Südbogen ist inzwischen so gut wie fertig. Ganz im Hintergrund ist der Wehretaler Ortsteil Reichensachsen zu sehen.

Kreis Kassel. Bis die rund 1,8 Milliarden Euro teure A44 von Kassel bis zur A4 bei Herleshausen (Autobahndreieck Wommen) komplett befahrbar ist, wird möglicherweise noch das Jahr 2031 vergehen.

Grund ist das Teilstück zwischen Kassel und Helsa (Abschnitt 2), das sich noch bis Mitte 2019 in der Planung befindet. Andere Abschnitte sind dagegen viel weiter oder seit Jahren bereits fertig. Alle Abschnitte, an denen jetzt noch geplant oder gebaut wird, werden hier vorgestellt. Heute sind die beiden Bauabschnitte 9 und 10 an der Reihe.

Bauabschnitt 9: Waldkappel bis Ringgau

Der 7,9 Kilometer lange Streckenteil zählt mit seinen beiden Tunneln Trimberg und Spitzenberg sowie der Wehretalbrücke mit zu den beeindruckendsten Bauabschnitten – und mit 262 Mio. Euro Gesamtkosten auch zu den teuersten. Allein die rund 700 Meter lange Wehretalbrücke, die als lang gezogene Kurve südlich von Reichensachsen das weite Wehretal überspannt, verschlingt gut 60 Mio. Euro.

Der Blick vom Trimberg runter auf die Brücke kann beeindruckender nicht sein. Wie eine fragile Konstruktion aus Streichhölzern steht sie da, „wir haben Spannbeton verbaut, um einen schlanken und optisch ansprechenden Brückenkörper zu haben“, sagt Peter Wöbbeking von Hessen Mobil. Jede Richtungsfahrbahn steht auf 14 grazilen Pfeilerpaaren, die Fahrbahn ist wegen ihrer Kurvenlage und aus Gründen des Wasserablaufs um bis zu drei Prozent geneigt. „Baulich ist sie auf Tempo 80 ausgelegt“, ergänzt Thomas Stein von der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH). Die Deges ist für den Weiterbau derA44 ab Waldkappel verantwortlich.

Die Brücke vollzieht über der Wehre gewissermaßen eine Kehrtwende der A44-Trassenführung von Nord- zurück in Südrichtung. Geschuldet ist diese Schleife der Nähe zur nördlich liegenden Stadt Eschwege. „Eschwege wird später für rund ein Drittel des gesamten Verkehrs auf der A44 sorgen“, sagt Stein.

Daher sei die Anschlussstelle Eschwege so gebaut, dass der Autobahnverkehr aus Kassel und aus Sontra kommend nur in Richtung Eschwege abfahren kann, nicht aber nach Sontra. Ziel sei es, die B 27 in Richtung Süden zu entlasten. „Statt ab Eschwege die B 27 in Richtung Sontra zu nutzen, sollen die Autobahnfahrer aus Kassel weiter auf der A44 bleiben. Einige Kilometer weiter gibt es dann die Abfahrtsmöglichkeiten Ringgau und Sontra-West“, erklärt Stein.

Autofahrer, die dagegen aus Eschwege über die B27 kommen, können in beide Richtungen auf die A44 auffahren – nach Kassel oder nach Sontra.

Fertiger Südbogen: Ab 2020 soll der Verkehr über die Wehretalbrücke rollen. 

Verkehrsübergabe 2020

Der Südbogen der Wehretalbrücke ist inzwischen so gut wie fertig. Für den Nordbogen haben die Spannbeton-Arbeiten bereits begonnen. An den Portalen des 600 Meter langen Trimberg-Tunnels ist der Voraushub fertig. 2018 soll mit dem eigentlichen Vortrieb begonnen werden. Der 626 Meter lange Tunnel Spitzbergen steckt ebenfalls noch in den Anfängen, obschon die Vortriebsarbeiten dort schon begonnen haben. „Es muss vorsichtig gebaut werden“, sagt Stein. „Die Mineure haben es aktuell mit relativ weichem Gestein zu tun“.

Der gesamte Bauabschnitt 9 soll im Jahr 2020 dem Verkehr übergeben werden.

Bauabschnitt 10: Ringgau bis Sontra-West

Nur 3,8 Kilometer ist A44-Bauabschnitt 10 lang – dennoch kostet er 128,9 Mio. Euro. Grund ist der Tunnel Boyneburg mit seinen 1714 Metern Länge, der den Sontraer Ortsteil Wichmannshausen komplett umfährt. „Die Pläne für den Tunnel liegen fertig in der Schublade“, sagt Stein. Die Ausschreibung erfolge bald im Frühjahr 2018. Bereits gebaut werde an der Talbrücke über die Ulfe – auch, um ab Ende 2018 den Tunnel Boyneburg zusätzlich von Süden her bauen zu können.

Der Abschnitt 10 soll erst im Jahr 2023 zusammen mit dem Bauabschnitt 11 für den Verkehr freigegeben werden.

Im nächsten und letzten Teil der HNA-Serie „Neubau der A 44“ werden der Bauabschnitt 11 (Anschlussstelle Sontra-West bis Talbrücke Riedmühle) und der Bauabschnitt 12 (Talbrücke Riedmühle bis Wommer Dreieck) vorgestellt.

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