Kindern in Notsituationen Halt und Geborgenheit geben

Acht Bereitschaftspflegefamilien im Kreis Kassel: Ein Zuhause für kurze Zeit  

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Ein Zuhause in Notsituationen: Im Landkreis Kassel gibt es acht Bereitschaftspflegefamilien, die Kinder in Not für kurze Zeit bei sich aufnehmen und ihnen ein stabiles Zuhause schenken. 

Kreis Kassel. Bereitschaftspflegefamilien sind Eltern auf Zeit, die Kinder für ein paar Tage, Wochen oder Monate bei sich aufnehmen. Es können Kinder drogensüchtiger oder sehr junger Eltern sein, aber auch Kinder, die missbraucht oder vernachlässigt wurden.

Christiane Winkler- Börner

Mit ihren neun Jahren muss Clarissa schon viel Verantwortung übernehmen. Sie lebt allein mit ihrer Mutter. Doch die ist mit der Erziehung überfordert, versinkt immer häufiger in depressive Phasen. Zum Wohle ihrer Tochter soll sich jetzt etwas ändern: Die Frau möchte eine stationäre Therapie beginnen. Clarissa wird währenddessen in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht.

„Hin und wieder müssen wir in einer Notsituation ganz kurzfristig eine Unterbringung für ein Kind finden“, erklärt Christiane Winkler-Börner, die beim Landkreis Kassel die Bereitschaftspflege organisiert. Dann springen Bereitschaftspflegefamilien ein und nehmen das Kind zu sich. Manchmal geschieht das innerhalb weniger Stunden.

Es gebe verschiedene Gründe für die kurzfristige Inobhutnahme eines Kindes, erklärt Winkler-Börner: „Wenn ein Elternteil schwer erkrankt, ist es manchmal besser, das Kind vorübergehend in der Bereitschaftspflege unterzubringen.“ In anderen Fällen sind es Suchtprobleme, Gewalt oder grundsätzliche Überforderung der Erziehungsberechtigten, die einen solchen Schritt notwendig machen. „Vor allem für jüngere Kinder ist es oft schwer zu verstehen, warum sie ihr Zuhause verlassen müssen“, weiß Winkler-Börner. Umso wichtiger sei ein strukturierter familiärer Alltag mit Halt und Nestwärme.

Acht Bereitschaftspflegefamilien gibt es zurzeit im Landkreis Kassel, und jede von ihnen stellt sich immer wieder aufs Neue auf Kinder und ihre individuellen Geschichten ein. Meist bleiben die Kinder für mehrere Monate – idealerweise nicht länger als ein halbes Jahr – in den Familien. „Im vergangenen Jahr waren es 31 Jungen und Mädchen. Zehn von ihnen sind inzwischen wieder bei ihren Eltern“, berichtet Christiane Winkler-Börner. Die übrigen Kinder wurden in Vollzeit-Pflegefamilien oder Einrichtungen untergebracht.

Für Mittwoch lädt Christiane Winkler-Börner zu einem Informationsabend in Wolfhagen ein. Vor allem, um neue Familien für die Bereitschaftspflege zu gewinnen. „Es ist eine tolle Aufgabe, bei der man Kindern und auch ihren Eltern helfen kann“, weiß sie. Bei ihren Besuchen in den Bereitschaftspflegefamilien erlebe sie immer wieder die positive Entwicklung der Kinder. „Zu sehen, wie sie aufblühen, berührt mich sehr.“

Informationsveranstaltung über die Bereitschaftspflege, Mittwoch, 30. August, 18.30 Uhr, im Burgsaal des Landkreises, Ritterstraße 1, Wolfhagen. Weitere Informationen bei Christiane Winkler-Börner, Tel. 05 61/10 03 13 61.

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