Drei Routen aus Baunatal, Lohfelden und Vellmar in die Stadt Kassel geplant

ADFC kritisiert: Es gibt zu wenig Geld für Radschnellwege

Bis 2050 will das Land Hessen „klimaneutral unterwegs sein“. So heißt es zumindest im Programm „Mobiles Hessen 2020“. Der ADFC Kassel hat allerdings Bedenken, dass dieses Ziel erreicht werden kann.

Grund: „Es wird nach wie vor viel zu wenig Geld in die Radverkehrsinfrastruktur gesteckt“, sagen Hartmut Ahlers und Jürgen Vöckel vom ADFC Kassel.

Hintergrund ihrer Kritik ist der geplante Bau von sogenannten Raddirektverbindungen von Kassel in die umliegenden Kommunen Baunatal, Vellmar und Kaufungen/Helsa, die vor allem für Berufspendler Fahrten zum Arbeitsplatz mit dem Rad oder dem Pedelec attraktiver machen sollen.

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Zweckverband Raum Kassel (ZRK) wie auch das Land Hessen aktuell Machbarkeitsstudien zur Realisierung von Raddirektverbindungen rund um Kassel in Auftrag gegeben haben“, sagen Ahlers und Vöckel. Solch ein Infrastrukturprojekt, das auch in den Verkehrsentwicklungsplänen 2030 von Stadt und ZRK enthalten ist, sei angesichts der Diskussionen um Energiewende und Luftreinhaltung überfällig. „Wenn die Radwege in hoher Qualität einmal da sind, werden sie auch ihre Nutzer finden“, sagen die beiden.

Nur: Zu einem Schnäppchenpreis wird es Radschnellwege nicht geben, schon gar nicht, wenn sie einem bestimmten Qualitätsstandard genügen sollen. Tatsächlich hat das Land bereits für die Jahre 2018 und 2019 jeweils 13,5 Mio. Euro Fördermittel für Kommunen zur Verbesserung der Radinfrastruktur in den Landeshaushalt eingestellt, teilt Wolfgang Harms, Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums mit. Hinzu kommen Bundesmittel in Höhe von 8 Mio. Euro sowie 5 Mio. Euro aus dem Landesstraßenbauprogramm – was zusammen 26,5 Mio. Euro pro Jahr für das ganze Land Hessen macht. Zum Vergleich: Mit diesem Betrag lässt sich gerade einmal ein einziger Kilometer A44 von Kassel bis hin zur A4 bei Wommen bauen.

„Will man die Lage grundlegend verbessern, sind auf die Dauer 26,5 Mio. Euro zu wenig“, sagt dazu Ahlers. Allein mit Blick auf die geplanten Raddirektverbindungen um Kassel sei mindestens mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu rechnen. Vor allem die Stadt Kassel müsse viel stemmen, weil dort dann ganze Straßenzüge umgestaltet werden müssten, soll die Radinfrastruktur tatsächlich spürbar verbessert werden.

Ein Problem seien auch Förderrichtlinien, die die Kommunen bei ihren Planungen zu sehr einengen. Hier sei dringend mehr Freiraum notwendig, damit sinnvolle Lösungen in Städten wie Kassel möglich werden. „Hier wird ja nicht auf der grünen Wiese gebaut, die Raddirektverbindungen müssen innerhalb der vorhandenen Baustruktur geschaffen werden“, sagt Vöckel. Da müsse man flexibel vorgehen können. Deswegen spreche man hier von vornherein auch nicht von Radschnellwegen, da die gegenwärtigen hohen Qualitätsanforderungen an solche in Kassel nicht durchgängig erfüllt werden könnten.

Dennoch wollen Ahlers und Vöckel nicht klagen. „Immerhin gibt es jetzt die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH, siehe Stichwort), über die diese 13,5 Mio. Euro pro Jahr ausgeschüttet werden“, sagt Vöckel. Jedoch könne das Landesprogramm nur ein erster Schritt sein. „Die Politik ist gefordert, hier noch Geld drauf zulegen“. Dazu sei das Thema Energiewende zu wichtig. „Und die Energiewende ist nun einmal ohne eine Verkehrswende hin zu Fahrrad und ÖPNV vor allem in den Ballungsräumen nicht denkbar“.

ADFC ruft Pendler zum Radfahren auf

Fünf Wochen nach Bekanntgabe der geplanten Routen für Radschnellwege von Kassel nach Baunatal, Vellmar und Kaufungen/Helsa durch den Zweckverband Raum Kassel (ZRK), hatte der ADFC Kassel Ende Mai alle Berufspendler aufgerufen, es doch einmal mit dem Fahrrad oder mit dem Pedelec zu versuchen, um morgens von zu Hause zum Arbeitsplatz nach Kassel zu kommen.

Rubriklistenbild: © Archivfoto:  Göran Gehlen

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