Nach Trockenheit sorgte regenreicher Sommer für Nässe im Boden

An Dürre vorbeigeschrammt: So war das Wetter 2017

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Rettendes Nass im Anmarsch: Mit einer Reihe teils heftiger Gewitter wurde im Sommer 2017 in der heimischen Region die bis jetzt andauernde Schlechtwetterperiode mit überdurchschnittlich hohen Niederschlägen eingeläutet. Wäre es mit der Trockenheit weiter gegangen – wie zuletzt im Jahr 2003 –, hätte sich eine noch nie da gewesene Dürre eingestellt. „Dass der Regen kam, war nicht vorhersehbar“, sagt der Hydrologe Mario Hergesell. Unser Bild zeigt ein Gewitter über dem Edersee Ende Juni 2017.

Wettermäßig war 2017 ein Jahr der Kapriolen – das wohl erstmals zu ernstem Wassermangel im Boden geführt hätte, wenn auf den extrem trockenen Winter und Frühling nicht ein nasser Sommer gefolgt wäre.

Tatsächlich fiel ab Juli sehr viel Niederschlag, im Sommer auch in Form starker Gewitterregen – zum Glück.

Denn wäre der nasse Sommer ausgeblieben, und hätte sich ein Rekordsommer wie im Jahr 2003 angeschlossen, „hätte das schwere Auswirkungen auf die oberflächennahe Grundwassersituation mit noch nie da gewesenen Niedrigständen bei den Messpegeln gehabt“, sagt Mario Hergesell, Hydrologe am Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Vor allem für Teile Süd- und Mittelhessens hätte sich das negativ auf die Vegetation wie auch auf die Trinkwassergewinnung ausgewirkt. Dort wird Trinkwasser fast ausschließlich aus oberflächennahen Grundwasserquellen gewonnen, was im Bereich Landkreis Kassel – zum Glück – nicht der Fall ist (Text unten).

„Tatsächlich war der März 2017 bereits der neunte Monat in Folge gewesen, der deutlich zu trocken war“, sagt Hergesell. Vor allem sei der Dezember 2016 trocken ausgefallen, „der hat nur 18 Prozent seines Solls erreicht“. Das Problem dabei: „Der für die Wintermonate typische Anstieg der Grundwasserstände war deshalb ausgeblieben“.

War es also Glück, dass es zu keiner Dürre gekommen ist? Tatsächlich seien derart nasse Sommer wie der in diesem Jahr eher die Ausnahme, sagt Hergesell. Vergleichbar sei er mit dem im Jahr 2014 gewesen, als es eine ähnliche Konstellation gab. Das heißt aber auch: Zwar kam der nasse Sommer 2017 gerade richtig. Aber man hätte sich nicht wirklich auf sein Kommen verlassen können.

Ist das schon der Klimawandel in Richtung zunehmender Trockenheit? In diesem Punkt gibt Hergesell vorerst Entwarnung. „Betrachtet man lange Zeiträume von mindestens 30 Jahren zeigt sich: „Trotz aller Prognosen in Richtung zunehmend langer und trockener Sommer und nasser Winter lässt sich noch kein Trend feststellen – bestenfalls eine Tendenz“. Aber selbst das sei schwer zu sagen. In den vergangenen zehn Jahren ließe sich sogar eher eine Umkehr feststellen: Die Sommer werden nasser, dafür die Winter trockener.

Letztlich hinge vieles davon ab, welche Zeiträume in Betracht gezogen würden. „Wir hatten schon so manche Feucht- und Trockenperioden, die sich miteinander abwechselten“, sagt Hergesell. So seien die Jahre 1971 bis ‘76 sowie 1990 bis ‘93 sehr trocken gewesen. Dagegen habe es zwischen 1981 und ‘83 sowie in den Jahren 1987 und 1988 deutlich mehr geregnet.

Unter dem Strich aber bleibt: „Wir sind kein wasserarmes Land“, sagt Hergesell. „Nach wie vor fällt im Schnitt Niederschlag genug. In ganz Hessen bildet sich immer noch fünf Mal mehr bodennahes Grundwasser, als wir derzeit verbrauchen“. Wasserknappheit und Trockenperioden ereignen sich in Hessen derzeit nur saisonal, periodisch und vor allem regional.

Hintergrund: Das zeigen die Brunnenstände

Der Landesgrundwasserdienst des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie unterhält 538 über ganz Hessen verteilte Messstellen. Diese Messstellen, von denen ein Großteil schon seit den 1950er Jahren besteht, messen in erster Linie das oberflächennahe Grundwasser sowie das Wasser aus Quellschüttungen. Die Messungen der vergangenen 60 Jahre ergeben, dass nicht immer ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Niederschlagsmenge und bodennaher Grundwasserneubildung zu erkennen sei.

„Eine Studie hat ergeben, dass für etwa die Hälfte aller Messstellen keine Tendenz zu beobachten ist. Bei 41 Prozent zeigt sich ein Rückgang, bei elf Prozent ein Anstieg der Pegel“. Das Besondere: Messstellen, die gegensätzliche Trends aufweisen, können sogar sehr dicht nebeneinander liegen. Das heißt: Auch die lokale Geologie spielt eine Rolle dabei, wie sich Wasserströme unterirdisch verteilen – unabhängig davon, ob es viel oder wenig regnet. Dennoch zeigen die Zahlen auch: In der Tendenz hat die Grundwasserneubildung eher abgenommen.

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