Biologische Landwirtschaft

Ausgemusterte Legehennen: Statt zu Tierfutter werden sie jetzt zu Feinkost

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Nur bestes Bio-Futter im Bauch: Etwa 18 Monate lang legen die Hennen von Eckhardt Eisenach aus Guntershausen Eier. Anschließend wird aus dem Fleisch der Tiere Bio-Kost wie Pfannengerichte oder Soßen hergestellt. Zuvor wurden die Tiere in großen Teilen zu Katzen- oder Hundefutter verarbeitet.

Kreis Kassel/Baunatal. Ihm hat es einfach nicht mehr gefallen, was mit seinen Legehennen nach dem Ausmustern passierte. Im besten Fall endeten sie als Suppenhühner.

Der Löwenanteil aber wurde zu Hunde- oder Katzenfutter verarbeitet oder irgendwo ins Ausland exportiert – so wie all die anderen ausgedienten Legehennen aus konventionellen Betrieben.

Um das zu ändern, hat Legehennenhalter Eckhardt Eisenach viel Energie und Zeit investiert – mit Erfolg: Jetzt dienen die ausgemusterten Hennen seines Bio-Legebetriebs in Baunatal-Guntershausen als Grundlage für die Herstellung feiner Speisen wie Geflügelleberwurst, Soßen und Pfannengerichte. Seine Logik: „Gut 18 Monate sind die Hennen legefähig. In dieser Zeit bekommen sie nur bestes Bio-Futter. Insofern ist es absurd, die Tiere nach ihrer Ausmusterung nicht weiter einer hochwertigen Verwertung zuzuführen“.

Sechs Betriebe machen mit

Eisenach ist nicht der einzige Produzent von Bio-Eiern in der Region, der die Bio-Idee konsequent zu Ende denkt. Zusammen mit fünf weiteren Legehennenhaltern aus Nordhessen (mit insgesamt 62 000 Legehennen), zwei regionalen Schlachtern sowie zwei Vermarktern hat er eine Genossenschaft mit Sitz in Bad Hersfeld gegründet – die Hessische Biohuhn eG.

Sie macht sich nun für eine ebenso nach- wie werthaltige Nutzung von Legehennen stark. So sind schon jetzt unter dem Label „Bickus“ die ersten Produkte zu haben – in den jeweiligen Hofläden der beteiligten Legehennenbetriebe sowie via Internet im Online-Shop der Genossenschaft. Das Projekt kommt an: Es wird vom Land Hessen gefördert und wurde auf zwei Fachmessen bereits mit Preisen ausgezeichnet. „Der Name ,Bickus’ ist übrigens der nordhessischen Mundart entlehnt und steht schlicht für ,leckeres Essen’“, sagt Eisenach.

Wertschöpfung in der Region

Aber nicht nur, dass durch „Bickus“ die Bio-Hennen nun ein ehrwürdiges Ende finden. Auch verdienen die beteiligten Landwirte damit Geld. „Früher, als meine Tiere noch zu einem Massenschlachthof nach Norddeutschland gefahren wurden, habe ich für eine Henne bestenfalls 80 Cent bekommen“, sagt Eisenach. Durch die sinnvolle Weiterverwertung liege der Wert pro Huhn jetzt bei 3 Euro.

Bio-Landwirt Eckhardt Eisenach will seine ausgemusterten Legehennen sinnvoll verwerten. Foto: Naumann

„Nicht zuletzt werden die Hennen nicht mehr durch halb Deutschland gekarrt, um dann irgendwo als Dosenfutter zu enden“, sagt Eisenach. So gehörten kurze Transportwege ebenso zum Konzept. Die familiengeführten Geflügelschlachtereien Schäfer im Alheimer Ortsteil Niedergude und Roth im Witzenhäuser Stadtteil Unterrieden töten und verarbeiten die Tiere weiter. So werden neben frischen und gefrorenen Hühnern für Suppen und Frikassee auch marinierte Hühnerbrust, Burger-Patties und Leber-Paté angeboten. Ein Feinkost-Hersteller verarbeitet das Fleisch zudem zu verschiedenen Pasta-Soßen – auch dort nach Bioland- und Naturland-Richtlinien. „So bleibt alles Bio und regional“, sagt Eisenach.

Tatsächlich beginnt schon beim Futteranbau die Wertschöpfungskette. Durch die sogenannte „Futter-Mist-Kooperation“ besteht ein geschlossener Nährstoffkreislauf. Denn das Getreide, welches als Futter für die Legehennen dient, wird mit dem Mist der Legehennen gedüngt. „Das Futter für die Hennen wächst auf meinen Feldern“, sagt Eisenach: Unter anderem Getreide, Ackerbohnen, Sonnenblumen und – so gut es geht – Sojabohnen. Lediglich weitere Eiweißkomponenten und Mineralfutter werden zugekauft. „Unser Ziel ist es aber, den Anteil an selbsterzeugtem Futter ständig zu erhöhen“, sagt Eisenach, der seinen Hof seit 1989 nach Bioland-Vorgaben bewirtschaftet.

Im Aufbau ist auch noch die Vermarktung der Produkte. Die Listung im Lebensmittelhandel ist erklärtes Ziel. Erste Gespräche mit potenziellen Handelspartnern finden bereits statt. „Noch steht unsere Vermarktungsstrategie am Anfang, Ideen für weitere Produkte gibt es auch schon“.

Hintergrund

Diese Bio-Höfe machen mit

Die Hessische Biohuhn eG wurde Ende 2015 gegründet und hat ihren Sitz in Bad Hersfeld. Vorstand und Geschäftsführer ist Diplom-Ingenieur Tim Treis aus Neumorschen. Folgende Betriebe gehören der Genossenschaft an:

Legehennenhalter: • Domäne Niederbeisheim (Knüllwald) • Mustergefügelhof Häde (Alheim-Heinebach) • Bioland-Hof Eisenach (Baunatal-Guntershausen) • Kastanienhof (Wolfhagen) • Biolandhof Sandrock (Wehretal-Reichensachsen) • Eihof Kögl (Warburg)

Schlachtbetriebe: • Biogeflügelhof Schäfer (Alheim-Niedergude) • Bioland Frischgeflügel Roth (Witzenhausen-Unterrieden)

Vermarkter: • Gutes aus Waldhessen (Bad Hersfeld) • Waldhessen Aktuell (Rotenburg)

www.bickus.de

www.hessische-biohuhn.de

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