Auch neue Trassen schon geprüft

Blindgänger: Autobahnen bei Kassel werden vor Bauarbeiten untersucht

Brisanter Fund: Mitte Juli wurde eine Fünf-Zentner-Bombe auf einem Baugrund neben der A  7 bei Kassel entdeckt. Archivfoto: Lischper

Kreis Kassel. Sie hätte auch direkt unter der Fahrbahn liegen können: Erst Mitte Juli wurde nur einen Steinwurf von der Autobahn 7 entfernt eine Fünf-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Das Baugrundstück am Rande des Industriegebiets Kassel-Waldau war zuvor systematisch auf Kampfmittel untersucht worden.

Der jüngste Fund an der A7, vor allem aber die spektakuläre Sprengung eines unter der A3 bei Offenbach gefundenen Blindgängers am Mittwoch wirft Fragen auf: Wie sicher sind die Autobahnen rund um Kassel? Können Bomben, vor allem solche mit den heimtückischen Säurezündern, 60 Jahre nach dem Abwurf unkontrolliert detonieren?

Gerhard Gossens, Chef des Kampfmittelräumdienstes Hessen mit Sitz in Darmstadt, mahnt trotz der Gefahr zur Besonnenheit. „Vor sämtlichen Bauarbeiten an den Autobahnen werden die betroffenen Flächen untersucht“, sagte der erfahrene Kampfmittelexperte am Donnerstag im Gespräch mit der HNA. Dabei bedienen sich Gossens und seine Kollegen vor allem Luftbildern, die die Alliierten nach den Angriffen gemacht haben. Darauf sind Bombenkrater sowie weitere Details erkennbar, die einen Verdacht erhärten können. So gingen die Darmstädter Experten auch vor, als 2012 die Sanierung der A 7 am Sandershäuser Berg bei Niestetal anstand. Alte Luftbilder zeigten zahlreiche Einschläge in der Nähe der 1937 eröffneten Autobahn Kassel -Göttingen. Der Grund: Am Sandershäuser Berg gab es im Krieg eine Flak-Stellung, die von den alliierten Bombern bekämpft wurde. Nach wochenlanger Suche konnten die Kampfmittelräumer Entwarnung geben: Lediglich eine Stabbrandbombe orteten die Detektoren - und jede Menge Metallschrott.

Generelle Aussagen darüber, wie gefährlich die Autobahnen rund um Kassel im Hinblick auf Blindgänger sind, könne man zwar nicht machen, sagt Gossens. Er weist allerdings darauf hin, dass es hilfreich ist, wenn - wie im Fall der A7 - eine Fernstraße zurzeit der Bombardements bereits existierte. Einschläge auf oder an der Autobahn können dann leichter identifiziert werden.

Gerhard Gossens

Anders sieht das möglicherweise bei Autobahnen aus, die erst nach dem Krieg entstanden sind. Zu ihnen zählt auch die A 44 zwischen Kassel und Dortmund. Gossens: „Es wird aber auch hier alles getan, um die Gefahr zu bannen.“

So seien inzwischen auch die Flächen für den Weiterbau der A44 (Kassel-Eisenach) und A49 (Borken-Alsfeld) auf Kampfmittel hin untersucht worden.

Nach Auskunft von Hessen Mobil gab es in Nordhessen bislang keine Bombenfunde unter oder unmittelbar an Autobahnen. Allerdings, so Behördensprecher Horst Sinemus, sei wiederholt Munition gefunden worden. Die Kampfmittelsuche mittels Luftbildern oder Sondierung vor Ort sei inzwischen bei allen Straßenbauprojekten von Hessen Mobil obligatorisch, so Sinemus.

Von Peter Ketteritzsch

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