Startschuss für Frühwarn-Software in Hessen

Bei Terrorgefahr klingelt das Handy: Kreis Kassel will Katwarn-App nutzen

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Kreis Kassel. Wenn es brennt oder ein heftiger Sturm über den Landkreis Kassel ziehen wird, werden ab Herbst die Handys der Bürger Alarm schlagen.

Der Landkreis Kassel wird dann die Frühwarn-App Katwarn nutzen. Es ist dasselbe Programm, welches auch das hessische Innenministerium nutzen will.

Innenminister Peter Beuth (CDU) hatte am Dienstag den Startschuss für den flächendeckenden Einsatz der App gegeben, die insbesondere bei einem Terroranschlag die Bevölkerung warnen soll. Die Software kann jeder Bürger kostenlos auf sein Smartphone oder Tablet laden. „Es ist eine schnelle und verlässliche Ergänzung zu Warnsystemen“, sagte Beuth. 

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Landkreises war allerdings laut Kreissprecher Harald Kühlborn nicht, dass die hessische Polizei sich für diese App entschieden hat. „Wir haben uns dabei eher an den anderen Landkreisen in Hessen orientiert.“ In Nordhessen nutzen seit 2014 mehrere Landkreise die App: der Landkreis Waldeck-Frankenberg, der Landkreis Hersfeld-Rotenburg, der Werra-Meißner-Kreis und der Schwalm-Eder-Kreis.

In Niedersachsen gehören etwa Stadt und Landkreis Göttingen zu den Nutzern. Stadt und Kreis Northeim hingegen greifen auf die App Biwapp zurück. Ursprünglich hatte sich auch der Landkreis Kassel für Biwapp interessiert. Die Abkürzung steht für Bürger-Info und Warn-App und wurde von der Lüneburger Marktplatz GmbH entwickelt.

„Unsere Entscheidung ist keine gegen dieses Produkt, weil es etwa nicht gut genug ist“, so Kühlborn. Indem man aber dasselbe System wie die anderen vier Landkreise in der Region nutze, könne man sich im Bereich Katastrophenschutz besser austauschen. Sie ist das Ergebnis aus einer monatelangen Beschäftigung mit verschiedenen Frühwarn-Apps. Vor etwa einem Jahr hatte man Biwapp in Erwägung gezogen – der Test, ob die App auch auf dem Blackberry funktioniert, stand damals noch aus.

Katwarn kann laut Hersteller von allen Smartphone-Typen genutzt werden. Die App ist kostenlos und man kann Warnungen auch per SMS oder E-Mail empfangen.

Land gibt 15.000 Euro hinzu

Die Einrichtung koste den Landkreis einmalig 18.750 Euro. Jährlich fällt laut Kühlborn 3570 Euro Nutzungsgebühr an. Unabhängig davon, welche App man gewählt hat, unterstützt das Land Hessen den Kreis mit 15.000 Euro.

Aktuell werde die Anschaffung vorbereitet. Erst wenn der Kreisausschuss die Anschaffung beschlossen hat, kann die Ausschreibung erfolgen, teilte der Kreissprecher mit. 

Das sagt die Stadt Kassel

Die Stadt Kassel hat an einer Frühwarn-App, wie sie der Kreis Kassel anbieten möchte, kein Interesse. Das teilte Joachim Gries von der Feuerwehr auf Nachfrage mit. Warnungen werden stattdessen über die Social-Media-Kanäle verbreitet sowie, neben Sirenen und Rundfunkmeldungen, über die Internetseite www.notfall.kassel.de

Hintergrund

Die App Katwarn wurde vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme in Berlin entwickelt. Sie warnt unter anderem bei Terrorgefahr, vor Unwettern, Großbränden und Chemieunglücken. Alternativ können die Warnungen auch per SMS oder E-Mail empfangen werden. Hierfür muss sich der Nutzer für seinen Postleitzahlenbereich per SMS oder E-Mail anmelden. 

Als Smartphone-App hingegen erhält der Nutzer ortsbasierte Benachrichtigungen und hat die Möglichkeit, sich zusätzlich zum Standort an sieben weiteren, frei wählbaren Orten warnen zu lassen. Auch hat man die Möglichkeit, Themen und Anlässe auszuwählen, zu denen man Warnungen bekommen möchte. 

Die Warnungen kommen vom Deutschen Wetterdienst und von anderen teilnehmenden Stellen. In Hessen nutzen derzeit 17 Landkreise den Service. Katwarn wird aber auch bereits für gezielte Warnungen an bestimmte Personengruppen eingesetzt – etwa für Beschäftigte im Hamburger Hafen.

Weitere Infos: www.katwarn.de

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