Kreissprecher weist Kritik an der Schulpolitik zurück

CDU fordert mehr Gymnasien für den Landkreis Kassel

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Einziges Gymnasium des Landkreises: Die Georg-Lichtenberg-Schule im Kasseler Stadtteil Helleböhn. 

Kreis Kassel. Die Kreis-CDU fordert mehr Gymnasien für den Landkreis. Doch der Schulträger verweist auf gute Gesamtschulangebote.

Wenn es darum geht, welche weiterführende Schule das Kind besuchen soll, dann haben Eltern im Landkreis Kassel deutlich weniger Einfluss, als Eltern von Schülern aus dem Stadtgebiet. Auch in diesem Jahr konnte 22 Kindern weder der erste noch der zweite Schulwunsch erfüllt werden. Das sorgt für großen Unmut.

Nun hat die Kreis-CDU erneut einen Vorstoß gewagt und fordert ein größeres gymnasiales Angebot für den Landkreis. Außerdem üben die Christdemokraten Kritik an der Kreisbehörde als Schulträger: „Seit vielen Jahren gibt es für die Eltern von Viertklässlern aus dem Landkreis ein Bangen und Hoffen vor dem Schulwechsel ihrer Kinder zu einer weiterführenden Schule“, sagt der Kreis- und Fraktionsvorsitzende der CDU, Frank Williges, zum Einwahlverfahren für die weiterführenden Schulen. Wie die HNA kürzlich berichtete, haben Kinder aus der Stadt Kassel bei der Einwahl an Kasseler Gymnasien Vorrang.

Schulwunsch nicht erfüllt

Im Schulamtsbezirk Kassel wechseln nach den Sommerferien 3947 Kinder von der Grundschule auf eine weiterführende Schule. Dass der Schulwunsch vieler Eltern aus dem Landkreis nicht berücksichtigt wurde, sei nur schwer zu ertragen, sagt Williges und begründet dies mit der „verfehlten Schulpolitik des Landkreises, im Kreisgebiet keine grundständigen Gymnasien anzubieten.“ Dadurch seien Eltern gezwungen, sich Plätze außerhalb des Kreisgebietes zu suchen. Die Festlegung auf Gesamtschulen entspreche nicht den Wünschen der Eltern. Dies verdeutlichen auch die Zahlen der Lichtenbergschule. Sie ist das einzige in der Stadt Kassel betriebene Gymnasium des Landkreises. „Von 174 Einwahlwünschen konnten nur 152 berücksichtigt werden. Für 22 Kinder und deren Eltern eine mehr als frustrierende Tatsache“, so Williges. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass für die Beschulung von Kindern aus dem Landkreis der Stadt Kassel jährlich hohe Gastschulbeiträge erstattet werden müssen, sei die Verweigerungshaltung der SPD im Landkreis nicht nachvollziehbar, meint Williges, der im Herbst für die CDU bei den Landtagswahlen ins Rennen geht.

Die Kritik an der Schulpolitik weist Kreissprecher Harald Kühlborn zurück: „Wir bieten in allen Landkreisteilen alle Schulformen an.“ Die Aussage der CDU impliziere, dass der Gymnasialzweig einer Gesamtschule weniger wert sei. „Das ist Bildungspolitik aus der Mottenkiste.“ Zum einen würde sich das Schulamt bemühen, die Wünsche der Eltern – soweit möglich – zu erfüllen. Zum anderen würden Eltern über die Schulform und nicht über die Schule entscheiden.

Überhaupt sei es zweitrangig, ob die Schule eine Gesamtschule oder ein eigenständiges Gymnasium ist. Viel wichtiger sei die Ausstattung, das Bildungsangebot und der Ruf der Schule. Würde der Landkreis ein weiteres Gymnasium bauen, könnten die kleineren gymnasialen Angebote im Landkreis wohl nicht erhalten werden – dazu seien die Schülerzahlen im Landkreis nicht hoch genug.

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