Ein Jahr nach der Gesetzesänderung

Ehe für alle: Im Landkreis Kassel heirateten weniger als in der Stadt

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Kein ungewöhnlicher Tortenaufsatz mehr: Seit einem Jahr heiraten schwule und lesbische Paare.

Kreis Kassel. Seit einem Jahr können gleichgeschlechtliche Paare den Bund der Ehe eingehen. Im Landkreis Kassel wurden deutlich weniger Paare getraut als in der Stadt.

Seit einem Jahr haben homosexuelle Paare auch im Landkreis Kassel die Möglichkeit wahrgenommen, zu heiraten. Die Zahlen der Eheschließungen sind im Vergleich zur Stadt Kassel jedoch überschaubar.

Am Freitag, 30. Juni 2017, stimmten 393 Bundestagsabgeordnete mit „Ja“ – ihrem Gewissen folgend, unabhängig der Fraktionslinie. Bevor gleichgeschlechtliche Paare heiraten durften, war es ihnen seit 2001 möglich eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Lesbischen und schwulen Paaren war es damit jedoch immer noch nicht erlaubt, ein Kind zu adoptieren, weshalb sie faktisch vor dem Gesetz nicht mit einer heterosexuellen Partnerschaft gleichgestellt waren.

Ein Jahr nach Öffnung der Ehe ermöglicht eine Befragung der Standesämter im Landkreis Kassel, auf die 7 von 11 Ämter antworteten, ein erstes Fazit.

Die meisten Ehen wurden im südlichen Altkreis geschlossen. Im gemeinsamen Standesamt Baunatal/Schauenburg heirateten fünf Paare. Außerdem wurden elf Partnerschaften in Ehen umgetragen. Seit 2007 waren 18 Partnerschaften geschlossen worden.

Östlicher Altkreis bildet Schlusslicht

Im Norden zählt der Vellmarer Standesbeamte Jan Bischoff zwei Ehen. Davon war ein Paar zuvor verpartnert gewesen. Seit 2004 waren neun Partnerschaften eingetragen worden. In Espenau sind es sieben Partnerschaften seit 2004, von denen zwei umgetragen wurden, informiert Yvonne Klawon.

Im östlichen Altkreis bildet Helsa das Schlusslicht der Eheschließungen. Dort heiratete kein einziges gleichgeschlechtliches Paar, sagt der Standesbeamte Michael Briehle. Seit 2004 habe es in der Gemeinde vier eingetragene Lebenspartnerschaften gegeben. In Fuldabrück wurden bis 2017 sieben Lebenspartnerschaften eingetragen, sagt Iris Riese Boll vom Standesamt. Zwei davon seien nun in eine Ehe umgetragen und zwei weitere Ehen geschlossen worden. Söhrewald zählt laut Yvonne Sohl eine Ehe, umgetragen aus den zuvor geschlossenen vier Lebenspartnerschaften.

Mehr Trauungen in der Stadt Kassel

Im Vergleich zum Landkreis Kassel, wurde eine Heirat in der Stadt öfter wahrgenommen. Dort heirateten 109 gleichgeschlechtliche Paare, 45 männliche und 64 weibliche, so Michael Schwab vom Hauptamt Kassel. Zusätzlich seien 77 Partnerschaften umgetragen worden. Im Vergleich dazu wurden 2015 nur 27 und 2016 21 Partnerschaften geschlossen.

Demnach fällt das Interesse gleichgeschlechtlicher Paare an einer Hochzeit in der Stadt höher als im Landkreis aus. Die Zahl der Ehen im Vergleich zu den eingetragenen Partnerschaften, sowie der häufige Wunsch nach einer Umtragung lassen jedoch einen Trend zur Ehe erkennen. Eine Prognose für die kommenden Jahre wollte noch kein Standesamt stellen. 

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