Entscheidung in der Stromversorgung steht noch aus

Kein Suedlink-Kabel im Landkreis Kassel: erheblich mehr Naturschutzkonflikte

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Suedlink dient dem Windstrom-Transport von Nord- nach Süddeutschland via Erdkabel.

Kreis Kassel. Die Erdkabel-Stromtrasse Suedlink wird definitiv nicht mehr durch den Landkreis Kassel gebaut. Die Trasse könnte aber immer noch durch den Werra-Meißner-Kreis verlaufen.

Damit rückt die Bundesnetzagentur vom Vorstoß des Freistaates Thüringens ab, die Trasse aus Thüringen herauszuhalten und dafür weiter nach Westen zu verlegen. „Diesen Vorschlag haben wir abgelehnt, er wird nun auch bei den weitergehenden Planungen der Stromtrasse nicht mehr berücksichtigt“, erklärt Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann.

Damit ist die westliche Trassenvariante von Nord nach Süd quer durch das Wolfhagener Land im Landkreis Kassel endgültig vom Tisch. Der Freistaat Thüringen hatte sie im Sommer 2017 ins Spiel gebracht, weil der Freistaat das Gebot der Gradlinigkeit der Trassenführung verletzt sah. Hätte Thüringen mit seiner Eingabe Erfolg gehabt, wären Breuna, Wolfhagen, Naumburg und Bad Emstal betroffen gewesen.

Die Karte zeigt die vorgeschlagenen Varianten für Suedlink, die durch Thüringen (dunkelblaue Linie) und Osthessen (hellblaue Linien) verlaufen. Als Alternativ-Trasse durch den Landkreis Kassel hatte der Freistaat Thüringen die dunkelrote Linienführung vorgeschlagen.

Doch kann Suedlink damit immer noch durch Nordhessen gebaut werden, und zwar von Göttingen kommend durch den Werra-Meißner-Kreis und weiter südlich durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Homann: „Die Ablehnung des Thüringer Vorstoßes bedeutet nicht, dass bereits eine Vorentscheidung über einen Verlauf von Suedlink durch Thüringen gefallen ist“. Mit anderen Worten: Von einer Trassenführung können im Werra-Meißner-Kreis immer noch Witzenhausen, Berkatal oder Bad Sooden-Allendorf (je nach Sub-Variante), Waldkappel oder Wehretal, Sontra oder Ringgau betroffen sein.

Tatsächlich macht Tennet aktuell zwischen der Werra-Meißner-Variante und der Variante über Thüringen keinen Unterschied. „Einen Vorzugskorridor gibt es nicht, beide Varianten werden im derzeit laufenden Genehmigungsverfahren gleichwertig detailliert geprüft“, sagt Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. So werde erst am Ende des ergebnisoffenen Verfahrens eine Vorzugsvariante feststehen.

Deutlich mehr Konfliktstellen 

Zwar sei der Thüringer Vorschlag fachlich fundiert gewesen. „Dennoch weist er eine deutlich höhere Anzahl an Konfliktstellen auf als der aktuelle Trassenkorridorvorschlag von Tennet durch Thüringen“, erklärt Homann.

Zu diesem Ergebnis war nicht nur der Energieversorger Tennet gekommen, der von der Bundesnetzagentur Anfang August 2017 einen Prüfauftrag erhalten hatte. Tennet hatte ermittelt, dass der Alternativvorschlag Thüringens deutlich schlechter abschneidet und somit im weiteren Planungsverfahren keine Berücksichtigung mehr finden sollte.

Die Bundesnetzagentur bestätigt dieses Ergebnis nun aktuell auf Basis einer wiederholten eigenen Prüfung. „Die wesentlichen Gründe für das schlechtere Abschneiden des Thüringer Vorschlags sind eine deutlich höhere Anzahl an erheblichen naturschutzfachlichen Konflikten, höhere Anteile von sensiblen Flächen innerhalb der etwa 1000 Meter breiten Korridore sowie einzelne Konfliktstellen, die eine Realisierung der Leitung nicht oder nur unter einem extremen technischen und wirtschaftlichen Aufwand in dem Korridor zulassen – wie zum Beispiel die Querung des Spessarts“, erklärt Netzagentursprecher Fiete Wulff. Das Gutachten zur Prüfung des Alternativvorschlags des Freistaats Thüringen ist im Internet abrufbar.

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