100 Zuhörer aus dem Gesundheitsbereich, der Politik und Verwaltung

Erste Baunataler Konferenz: Ärztemangel in den Griff kriegen

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Hauptergebnis der ersten Baunataler Konferenz: Um die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum sicherzustellen, müssen auf vielen verschiedenen Ebenen Anstrengungen unternommen werden. Unser Symbolbild zeigt einen Arzt bei der Untersuchung eines Patienten.

Kreis Kassel/Baunatal. Hoher Besuch, wichtiges Thema: Sogar Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, war aus Berlin angereist.

Er beteiligte sich an der Baunataler Konferenz zum Thema „Zukunft der medizinischen Versorgung in ländlich strukturierten Regionen“ in der Baunataler Stadthalle.

Rund 100 Zuhörer aus dem Gesundheitsbereich, der Politik und Verwaltung waren gekommen, auf dem Podium suchten Fachleute wie Politiker Antworten auf die Frage: Wie kann dem drohenden Ärztemangel auf dem Lande begegnet werden?

„Klar ist, eine einfache Lösung gibt es nicht“, hob Moderator und Stadtverordnetenvorsteher Peter Lutze an. Referent Benno Legler von der Gesundheitswirtschaft WifOR erläuterte die Eckdaten, blieb aber abstrakt: „Deutschland verfügt über eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt. Dennoch droht die flächendeckende Versorgung in Schieflage zu geraten“. Der demografische Wandel, ein verändertes Arbeits- und Gesundheitsbewusstsein der Menschen, Fachkräftemangel sowie enorme Entwicklungen in der Medizintechnik, der Pharmakologie sowie in der Digitalisierung würden das künftige Gesundheitssystem entscheidend prägen. Legler: „All das wird die Versorgungsstruktur verändern“.

Doch mit welchen Folgen für das Land? Staatssekretär Stroppe warb im Zuge der Podiumsdiskussion für die Bildung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), wie es eines seit fünf Jahren in Baunatal an der Stettiner Straße gibt. So könne ein gut erreichbares medizinisches Angebot für alle aufgebaut werden. Aber auch die Schaffung von Strukturfonds könne ein Anreiz für Ärzte sein, auf dem Land aktiv zu werden.

Erste Baunataler Konferenz: Referent Benno Legler von der Gesundheitswirtschaft WifOR (zweiter von links) wurde von den Organisatoren der Veranstaltung (von links) Bürgermeister Manfred Schaub (SPD), Peter Kentsch (MVZ Baunatal), Peter Lutze (Moderator und Stadtverordnetenvorsteher) sowie Holger Schach (Geschäftsführer der Regionalmanagement Nordhessen) in der Stadthalle begrüßt.

SPD-Bundestagsmitglied Edgar Franke sprach sich für eine Landarztquote aus. „Wir brauchen Ärzte, die sich verpflichten, auf dem Land zu arbeiten“. Auch favorisierte er die Möglichkeit eines Medizinstudiums für Quereinsteiger wie Sanitäter oder medizinische Assistenten.

Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, forderte, die medizinische Versorgung auf Kernbereiche zu fokussieren. „Wir müssen abspecken, um alles leisten und bezahlen zu können“, sagte Dastych. Zudem werde eine bessere Zusammenarbeit von ambulanter und stationärer Versorgung wichtiger.

In diesem Zusammenhang erinnerte Jochen Rube, FDP-Politiker in Waldeck-Frankenberg, an Effizienzsteigerungen durch den Einsatz digitaler Informationstechnik. Von einer deutlichen Aufwertung von Heil- und Pflegeberufen sprach Torsten Felstehausen von den Linken im Landkreis. „Denn auch hier herrscht ein eklatanter Mangel“.

Britta Hoffmann, Frauenpolitische Sprecherin der Grünen in Hessen, mahnte an, dass nicht nur auf Wirtschaftsdaten geschaut werden dürfe. „Der Patient steht im Mittelpunkt. Und wir müssen das Gesundheitssystem nach ihm ausrichten“.

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