ADFC: Acht Prozent Radverkehrsanteil

Fahrradclub fordert bessere Radwege für alle

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Schon jetzt ist die Radwegesituation im Landkreis und in Kassel gar nicht so übel: Doch gibt es noch enorme Verbesserungspotenziale, die an vielen Stellen sogar ohne großen Aufwand realisiert werden könnten. Mittelfristig soll in der Region der Radverkehr acht Prozent des Gesamtverkehrs ausmachen. Aktuell liegt er bei nur vier Prozent.

Kreis Kassel. Nach dreieinhalb Jahren Arbeit hat der ADFC Kassel nun seine Untersuchung zum Radverkehr in der Region abgeschlossen.

Auf 155 Seiten (und ab sofort auch digital im Internet) wird nicht nur eine Bestandsaufnahme der aktuellen Radwege-Situation in Kassel sowie im Landkreis geliefert.

Auch werden zahlreiche Perspektiven und Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Radwege-Netzes aufgezeigt. Herzstück ist dabei eine digitale Datenbank, auf der rund 1300 Einzelmaßnahmen zur Weiterentwicklung und zum Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur vorgestellt werden. Auch sie sind ab sofort unter 

www.rvk.lk-kassel.radinformation.de abrufbar.

Das Besondere dabei: Bei etwa 50 Prozent der vorgestellten Vorschläge handelt es sich um Kleinstvorhaben. Bei ihnen bedarf es nur eines geringen Planungs- und Bauaufwandes, um schnell eine sehr deutliche Verbesserung der Radwegsituation an eben diesen Stellen zu erreichen.

Für eine fahrradfreundliche Zukunft: Maßgebend vorangebracht haben die ADFC-Untersuchung zum Radverkehr im Landkreis Kassel (von links) Dirk Schmidt (Gutachter), Uwe Koch (Landkreis Kassel, Sonderfachdienst Verkehr und Sport), Jürgen Vöckel (ADFC Kassel), Uwe Schmidt (Landrat), Gerhard Peter (ADFC Kassel) und Wolfram Ebert (Vorstand Sparkasse Kassel).

Radpendlerrouten im Fokus

Andere größere Vorschläge behandeln den Radwegenetz-Ausbau zwischen verschiedenen Ortsteilen Kassels oder zwischen den Ortsteilen Kassels und denen benachbarter Kommunen (Radpendlerrouten). Die ganz großen Projekte sind dann die sogenannten Radschnellverbindungen oder Raddirektrouten, die die großen Speckgürtel-Kommunen Baunatal, Kaufungen und Vellmar mit Kassel verbinden. Aber auch touristische Radwanderstrecken spielen eine Rolle. Denn immer mehr kristallisieren sie sich als harter Standortfaktor heraus.

Zielgruppe dieser groß angelegten Untersuchung sind nicht nur interessierte Radler, die mal schauen wollen, wie schon in naher Zukunft Radverkehr in der Region aussehen kann. Die Studie richtet sich vor allem an die Landkreiskommunen und an Politiker, „die, wo es sich nur anbietet, unsere Vorschläge gerne für weitere Planungen aufgreifen können“, sagt Jürgen Vöckel vom ADFC. Inzwischen gebe es durchaus auch Fördermöglichkeiten von Land, ergänzt Uwe Koch vom Landkreis Kassel.

Ziel der Studie sei es, den Radverkehrsanteil in den nächsten 10 bis 20 Jahren von derzeit 4 Prozent auf 8 Prozent zu heben. „Es geht auch darum, den Ressourcenverbrauch und die ökologischen Belastungen vor allem durch den motorisierten Straßenverkehr zu senken. Da steckt noch eine Menge Potenzial drin“, sagt Vöckel. Vor allem ist er sich sicher, dass eine Steigerung des Radverkehrs vor allem durch eine bessere Radweg-Infrastruktur zu erzielen ist. Vöckel: „Keiner will eine halbe Stunde lang mit dem Rad über schlechte Schotterpisten oder unübersichtliche Straßen zum Arbeitsplatz fahren. Wenn das Ganze auf guten Wegen aber nur 15 Minuten dauert, sieht die Sache schon anders aus“.

Hintergrund: Land eröffnet Fördermöglichkeiten

Das Land Hessen hat die Arbeitsgemeinschaft Nahmobilität Hessen (AGNH) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Nahmobilität in Hessen zu fördern. Nahmobilität heißt: Mobilität über kurze Distanzen als auch in kleinen Netzen (Quartier, Arbeits- oder Einkaufsumfeld). Nahmobilität wird daher in der Regel mit Fuß- und Fahrradverkehr gleichgesetzt. Inzwischen zählt die AGNH über 200 kommunale Mitglieder. Als Schnittstelle zwischen regionaler Radverkehrsentwicklung und dem Verkehrsministerium fungiert die AGNH als Lobby, um vor dem Land Interessen geltend machen zu können. Das ist ein Novum, bislang mussten Kommunen meist selbst für Investitionen ins Radwegenetz aufkommen. Der Landkreis konnte lediglich in kleinem Rahmen Planungskosten übernehmen. Jetzt stehen den Kommunen Fördermöglichkeiten von bis zu 70 Prozent offen. „Wichtig dabei ist, dass auch die Bagatellgrenze ordentlich herabgesetzt wurde“, sagt Uwe Koch vom Landkreis. Das heißt: Auch kleine Radweg-Projekte sind damit förderfähig geworden. Weitere Infos hierzu gibt hierzu Stefan Arend, Radverkehrsbeauftragter des Landkreises Kassel, Außenstelle Hofgeismar, Kasinoweg 22, in 34369 Hofgeismar. Tel. 05671 / 8001-2269 Fax. 05671 / 8001-2180 E-Mail: radverkehr@landkreiskassel.de

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