Kooperation wird aus ausgebaut

Feuerwehren im Kasseler Osten rücken zusammen

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Wollen enger zusammenarbeiten: (von links) Timo Schröder (Gemeindebrandinspektor Helsa), Sascha Krah (GBI Söhrewald) und Benjamin Tornow (GBI Kaufungen) zeigen, welche Aufgaben zukünftig gemeinsam erledigt werden sollen.

Kreis Kassel. Die Feuerwehren der Gemeinden Helsa, Kaufungen, Lohfelden, Nieste, Niestetal und Söhrewald wollen enger kooperieren. Und zwar bei der Wartung der Atemschutzgeräte, der Schlauchpflege und der Reinigung der Schutzkleidung.

Langfristig soll die Zusammenarbeit nach Wunsch der Wehren ausgeweitet werden und ein gemeinsames Dienstleistungszentrum entstehen.

Warum wollen die Wehren kooperieren?

„Mit diesem Schritt wollen wir unsere Ehrenamtlichen entlasten“, erklärt Timo Schröder, Gemeindebrandinspektor (GBI) in Helsa und Sprecher der Lenkungsgruppe der Wehren. Aufgaben, die mit klassischen Feuerwehrtätigkeiten Retten, Löschen, Bergen und Schützen weniger zu tun haben, würden immer mehr Zeit der Freiwilligen beanspruchen. Beispiele sind die Dokumentation und die Instandhaltung von Geräten. „Wir haben das mal überschlagen. Die sechs Wehren sind etwa 17 000 Stunden mit der routinemäßigen Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft, mit Prüfung und Wartung beschäftigt“, erklärt Sascha Krah, GBI in Söhrewald.

Gibt es nicht genug Feuerwehrleute?

„Wir haben genügend Leute“, erklärt Schröder, „aber in den letzten Jahren ist der harte Kern derer geschmolzen, die bei jedem Arbeitsdienst und Einsatz da waren“. Das habe wenig mit dem Engagement des Einzelnen zu tun, aber viel mit der veränderten Arbeitswelt. Längst hätte nicht mehr jeder Arbeitgeber Verständnis dafür, dass Feuerwehrleute auch tagsüber zum Einsatz müssen. Ein Ende dieser Entwicklung sei nicht abzusehen. Um weiterhin optimal für Großlagen gerüstet zu sein, sei eine Zusammenarbeit dringend nötig.

Wie ist die Idee entstanden?

Schon jetzt gibt es diese Kooperation in einigen Bereichen, etwa bei der Ausbildung und Gerätebeschaffung. Auf einem Führungsseminar sei die Idee entstanden, diese zu intensivieren und in einen formalen Rahmen zu gießen. „Wir wollen auf Augenhöhe und kameradschaftlich kooperieren“, sagt Schröder. Daher habe man sich auch dagegen entschieden, dass eine Wehr – wie es in Wolfhagen der Fall ist – ein Dienstleistungszentrum aufbaut. Vielmehr sollen die Aufgaben verteilt werden.

Welche Wehr soll was machen?

Wartung und Instandhaltung der Atemschutzgeräte inklusive Zubehör will die Feuerwehr Kaufungen anbieten. Schlauchpflege soll die Feuerwehr Lohfelden übernehmen. In Helsa wird noch daran gearbeitet, die Schutzkleidung waschen zu können. „Dazu muss zum Beispiel eine spezielle Waschmaschine angeschafft werden. Da sind die Angebote aber bereits eingeholt“, so Schröder. Nach Ende des Baus am Feuerwehrhaus Niestetal, soll dieser Service dorthin umziehen. In Lohfelden und Kaufungen dagegen ist das Equipment komplett, hier müssten die Wehren aber das Personal aufstocken.

Was wird die Kooperation kosten?

Die bisherige Vereinbarung erhält keine konkreten Angaben zur Finanzierung. Aber: Es soll für die Kommunen nicht teurer werden. „Wir wollen kostendeckend arbeiten“, sagt Schröder. Momentan greifen viele der Wehren auf externe Dienstleister zurück. Ein Beispiel ist die Wäsche. Einige Wehren bringen ihre Kleidung bis zur Caldener Flughafenfeuerwehr. „Da braucht man für die Fahrt und das Abgeben alleine 1,5 Stunden“, erklärt Sascha Krah.

Soll es dann langfristig nur noch eine Wehr im Osten geben?

Nein. Zukünftig möchten die Wehren aber ein gemeinsames Dienstleistungszentrum in zentraler Lage aufbauen. Dort sollen hauptamtlich Beschäftigte mit Feuerwehrausbildung arbeiten, die sich hauptsächlich um Wartung, Dokumentation und Pflege kümmern. „Sie sollen auch helfen, die Tagesalarmbereitschaft zu verbessern“, sagt Schröder. Die Idee sei, dass die Kollegen bei Bedarf auch die örtlichen Wehren bei Einsätzen unterstützen.

Wie geht es jetzt weiter?

Es gibt eine Vereinbarung, die die Grundlage für die Zusammenarbeit der Wehren bildet. Diese hat die Parlamente der sechs Kommunen bereits passiert, enthält aber kaum Details. Dazu erklärt Michael Steisel, Söhrewälder Bürgermeister und Vorsitzender der Bürgermeisterkreisversammlung: „Durch diese Vereinbarung verpflichten sich alle Partner, fortlaufend gemeinsam zu prüfen und festzulegen, bei welchen feuerwehrtechnischen Aufgaben und in welchem Umfang eine Zusammenarbeit möglich ist.“ Die Unterzeichnung solle im Laufe des Monats September im Rahmen eines Treffens der Bürgermeister erfolgen. Da alle Parlamente die Vereinbarung beschlossen hätten, könne die Konkretisierung der Teilaufgaben parallel zur finalen Unterzeichnung erfolgen. Damit ist unter anderem die Erarbeitung konkreter Gebührenordnungen der Wehren gemeint, die zukünftig Leistungen anbieten. Daran arbeiten die Wehren laut Feuerwehr-Lenkungsgruppen-Sprecher Timo Schröder. Lägen dann konkrete Pläne vor, könne man dann zum Beispiel auch Fördermittel beantragen, so Steisel. 

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