Wir haben nachgefragt

Fipronil-Skandal: Gifteier auch im Kantinenessen im Kreis Kassel?

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Rund 10 Millionen mit dem Insektengift Fipronil kontaminierte Eier aus Belgien und den Niederlanden sind nach Deutschland geliefert worden. Jetzt setzen sich auch Mensen, Restaurants und Betriebskantinen im Landkreis mit dem Thema auseinander.

Kreis Kassel.  Der Skandal um die mit Fipronil verseuchten Eier macht die Runde. Der Handel hat reagiert und kontaminierte Eier aus dem Regal genommen. Doch was ist mit Schulmensen, Restaurants und Betriebskantinen?

Supermarkt- und Discounter-Kunden können sehr schnell prüfen, ob sie ein Ei aus den Niederlanden in den Händen halten. Jedes Ei trägt einen Stempel, der die genaue Herkunft verrät. Stempelaufdrucke, die im Nummerncode ein -NL- enthalten, stammen aus den Niederlanden. Jeder kann selbst für sich entscheiden, ob er dieses Ei noch kaufen möchte.

Alle Herkunftsstempel, die bislang nachweislich auf mit Fipronil verseuchte Eier aufgedruckt wurden, hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit im Internet-Portal der Lebensmittelwarnung veröffentlicht. Hier können die infrage kommenden Stempel-Codes abgerufen werden. Händler haben die belasteten Eier aus den Regalen genommen.

Völlig undurchsichtig ist dagegen die Situation in Schulmensen, Restaurants und Betriebskantinen. Auch hier werden Frischeier oder Eierprodukte verarbeitet, ohne dass der Mensa-, Restaurant- oder Kantinenbesucher etwas über die Herkunft der Eier erfährt. Die HNA hat im Kreis Kassel stichprobenartig nachgefragt, wie Mensa-, Restaurant- und Kantinen-Betriebe mit dem Fipronil-Skandal umgehen. 

Schulmensen

Längst nicht alle Schulen, aber doch einige im Landkreis Kassel haben eine eigene Mensa. Kommenden Montag sind die Sommerferien in Hessen zu Ende – und spätestens dann wird wieder in den Mensaküchen gekocht. Die Nachfrage beim Landkreis Kassel, Träger von 73 Schulen mit immerhin 23 Mensen, erklärt, keine direkte Kontrolle darüber zu haben, was in den einzelnen Küchen verkocht werde. Die Mensen würden von Caterern oder Fördervereinen betrieben, die wiederum von verschiedenen Zulieferern beliefert würden. „Wir gehen davon aus, dass von Betreibern wie auch von Zulieferern lebensmittelrechtliche Vorgaben eingehalten werden“, sagt Kreis-Sprecherin Ute Jäger.

Restaurants

Restaurant-Betriebe, die vor allem auf die Verwendung regionaler Produkte setzen, sind mit Blick auf den Fipronil-Skandal aus dem Schneider. „Wir bekommen unsere Frischeier komplett aus Naumburg“, sagt Grischäfer-Koch und -Caterer Rainer Holzhauer (u.a. Renthof und Kaskaden-Wirtschaft in Kassel). Eihaltige Produkte würden nicht gekauft, „weil wir alles selbermachen“.

Kantinen

Mit der täglichen Ausgabe von 6000 Essen hat das VW-Werk Kassel in Baunatal die größte Kantinen-Küche in der Region. Konsequenzen wegen belasteter Eier gibt es in den Kantinen des Werkes und des Original-Teile-Centers (OTC) mit insgesamt 16.000 Beschäftigten nach Angaben einer VW-Sprecherin nicht. „Der Fipronil-Skandal hat keine Auswirkungen und Veränderungen im Speiseangebot für die täglich etwa 6000 Kantinenessen“, erläutert die Sprecherin.

Eierspeisen gehörten zum regulären Angebot in den Betriebsrestaurants. „Deshalb haben wir sofort nach Bekanntwerden des Themas unsere Lieferkette geprüft und festgestellt, dass uns keine belasteten Eier erreicht haben“. Allein im Baunataler VW-Werk gibt es 13 Kantinen.

In den drei Betriebsrestaurants des Niestetalers Solartechnik-Spezialisten SMA, in denen täglich bis zu 700 Mitarbeiter speisen, wurden keine mit Fipronil verseuchten Eier verarbeitet. „Hier gab es keine betroffenen Produkte, die gesperrt werden mussten. Dies wurde umgehend geprüft“, so eine Sprecherin des Kantinenbetreibers Aramark. 

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