Spießrutenlauf beim Spaziergang

Gefahr von Oben: Angst vor Eisschlag an Windrädern

Diese Eisstücke hat Claus Peter Weidner aus Kaufungen unter einer Windkraftanlage im Stiftswald gefunden. Tatsächlich können solche Brocken von den Rotorblättern herabfallen, wenn die Anlage wegen Eisbildung abgeschaltet und die Rotorblätter beheizt wurden, um weiteren Eisansatz zu verhindern. „Durch die Beheizung rutscht bereits gebildetes Eis die stillgesetzten Rotoren herunter“, erklären die Städtischen Werke.  

Kreis Kassel. Die Erholung ist für Claus Peter Weidner dahin. Seine Spaziergänge durch den Stiftswald geraten – so sieht es der Kaufunger – zum Spießrutenlauf. „Die Gefahr kommt von oben“, sagt er und meint damit von Windrädern herabfallendes Eis.

„Erst am Mittwoch war ich wieder oben an einem der Windräder nahe des Michelskopfsees“, schildert Weidner. Um das Windrad habe Schnee gelegen, die ganze Fläche sei übersäht gewesen mit Eisstücken unterschiedlicher Größe. Offensichtlich seien sie als Eisschlag vom Windrad herabgefallen. „Zwei kleinere Eisstücke habe ich zu Hause fotografiert“. Sie seien mindestens 14 Zentimeter lang und ließen das Rotorprofil noch erkennen. Und auf all das werde nur mit kleinen Schildchen „Achtung, mögliche Gefahr von herabfallenden Teilen und Eisschlag“ hingewiesen.

Windräder stellen sich ab

„Ich sehe darin eine konkrete Gefährdung für Leib und Leben“, meint Weidner. Immerhin könnten solche Eisstücke durch die Drehung der Windräder auch viele Hundert Meter weit geschleudert werden.

„Genau das kann an den Windrädern im Stiftswald nicht passieren“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke, die den Windpark im Stiftswald betreiben. „Die Windräder sind mit Eisdetektoren ausgestattet, die, erkennen sie einen Eisansatz, die Anlage sofort abschalten“, sagt Pijanka. Gleichzeitig würden die Rotoren beheizt, so dass bereits entstandenes Eis von den stillgesetzten Flügeln abrutschen könne. „Deshalb kann direkt unter dem Rotor auch Eis gefunden werden“, sagt Pijanka. Das Wegschleudern von Eisstücken durch die Rotation des Windrades sei jedoch nicht möglich.

„Deshalb stehen ja auch direkt vor den Windrädern diese Warnschilder“, sagt Pijanka. „Die Schilder sollen Spaziergänger zur Vorsicht aufrufen. Dazu zählt, sich umzusehen und bei eisigen Temperaturen achtsam zu sein“, sagt Pijanka. Die Hinweisschilder stellten jedoch keinen Haftungs- oder Schuldzusammenhang her. Soll heißen: Wenn sich jemand bei Eis und Schnee einem Windrad nähert, tut er dies auf eigene Gefahr.

Ins gleiche Horn stößt das Regierungspräsidium (RP) als Genehmigungsbehörde solcher Windkraftanlagen. „Auf die Gefahr von Eisschlag wird im vorliegenden Fall ausreichend hingewiesen“, sagt RP-Sprecher Michael Conrad. Somit sei jeder Spaziergänger selbst dafür verantwortlich, wie er sich in der Nähe dieser Windräder verhalte.

Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, pflichtet dem bei. „Wichtig ist nur, dass die Schilder dauerhaft und an gut sichtbaren Stellen aufgestellt sind“, sagt Kühlborn, was im Stiftswald aber der Fall sei. Die Hinweise stehen jeweils vor den einzelnen Windrädern und immer in Beziehung zu Wanderwegen.

Grundsätzlich solle man bei Gefahrenschildern immer vorsichtig sein, „das ist im Straßenverkehr genauso“, sagt Kühlborn. Auch werde das Waldbetretungsrecht durch die Eisschlag-Hinweise keineswegs beschnitten. „Denn das Waldbetretungsrecht basiert ebenfalls auf der Regelung: Auf eigene Gefahr. Denn auch dort können jederzeit Äste auf Menschen herabfallen“.

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