Film war bereits im Internet und im Kino zu sehen

Gegen Eon geschossen: Gericht stoppt Werbespot der EAM

Das Gesicht des EAM-Videos: Alina Rank, im wirklichen Leben Schauspielerin am Kasseler Staatstheater, verkörpert vor Fachwerkkulisse die verlassene und frustrierte Frau. Video: EAM / Screenshot: HNA

Kreis Kassel. Der Werbespot, in dem der Energieversorger EAM seinen Konkurrenten Eon aufs Korn nimmt, wurde am Freitag von einem Gericht gestoppt.

Alina hockt auf einer Bank vor malerischer nordhessischer Fachwerkkulisse und erzählt scheinbar von ihrer gescheiterten Beziehung. „Vor drei Jahren ist er einfach abgehauen, ohne Abschied. Kein Brief, keine SMS. Nichts. Hat mich einfach sitzengelassen“, sagt die hübsche junge Frau mit den dunklen Locken.

Immerhin etwas weiß sie von ihrem Ex: „Der macht sich heute noch in München ein schönes Leben“, erzählt sie in die Kamera.

Tatsächlich geht es in dem Video „Alina verlassen und frustriert“ aber nicht um eine gescheiterte Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau, sondern um den Konkurrenzkampf zweier Energieversorger. Das wird klar, als Alina in dem Video nach knapp einer Minute ihren Seelenstriptease beendet hat und eine Stimme aus dem Off ertönt. „Der Energieversorger Eon hat sich vor drei Jahren aus der Region zurückgezogen. Und das Wichtigste hat er mitgenommen: deinen Vertrag“, sagt die Männerstimme.

Das Video, das im Internet innerhalb weniger Tage bereits über 1600 Mal angesehen wurde, hat Eon-Konkurrent EAM in Auftrag gegeben. Eon wollte sich die Aussagen in dem von der Kasseler Agentur Machbar produzierten Video indes nicht gefallen lassen.

Am Freitagmittag erließ das Landgericht Kassel im Rahmen eines einstweiligen Verfügungsverfahrens einen Beschluss gegen die EAM und stoppte den Werbespot, berichtete Eon-Sprecher Stefan Moriße auf Anfrage. EAM-Sprecher Steffen Schulze bestätigte dies am Freitagnachmittag gegenüber der HNA.

„Wir haben heute Nachmittag eine einstweilige Verfügung vom Landgericht Kassel erhalten, dass wir den Alina-Spot vorerst nicht weiter veröffentlichen dürfen. Aus diesem Grund werden wir den Spot bis auf Weiteres nicht weiter verbreiten und rechtliche Schritte prüfen.“

Am Freitagmittag war der Werbespot unter www.eam.de noch zu sehen gewesen. Gegen 15.45 Uhr wurde er dann gelöscht. Außerdem lief er bis Freitag in den Kinos von Baunatal und Schwalmstadt. Die EAM nutzte in dem Streifen die Beziehungsmetapher für eine Breitseite gegen den Eon-Konzern, der in Sachen Strom und Gas in der Region noch immer der Platzhirsch ist.

Die Botschaft der EAM ist dabei eindeutig: Eon hat sich dünne gemacht, ist in der Region Nordhessen und Südniedersachsen kaum noch präsent. Und deshalb, so die Botschaft, sollten die Strom- und Gaskunden von Eon zur EAM wechseln.

Bei der EAM hatte man sich zunächst wenig beeindruckt von der Eon-Kritik gezeigt. Man müsse sich „immer mal etwas Neues einfallen lassen“, erklärte EAM-Sprecher René Schneider. Botschaft des Werbespots sei: Wer EAM-Kunde werden möchte, müsse den Wechsel aktiv betreiben. Darüber seien sich viele Eon-Kunden noch nicht im Klaren.

Eon-Kunden wurden nicht übernommen

Zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen gründeten Ende 2013 die EAM („Energie aus der Mitte“) wieder. Möglich wurde dies durch die Übernahme der restlichen Anteile des Energieversorgers Eon Mitte. Der 700-Millionen-Euro-Deal umfasste den Kauf der Energienetze. Nicht übernommen wurde dagegen der Vertrieb von Eon Mitte. Mit anderen Worten: Die EAM startete ohne einen einzigen Kunden. Inzwischen verfügt das in der Kasseler Monteverdistraße ansässige Unternehmen nach Angaben seines Sprechers René Schneider über gut 60 000 Kunden. Grundversorger, also der Energieanbieter mit den meisten Kunden, ist aber weiterhin der Eon-Konzern. (ket)

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