Kommunen haben Probleme, Firmen für dringende Projekte zu finden

Gestiegene Preise durch Nachfrage: Goldene Zeiten für die Baubranche im Kreis Kassel

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Baufirmen haben zurzeit viel zu tun: Weil die Nachfrage so stark gestiegen ist, sind auch die Preise nach oben gegangen. 

Kreis Kassel. Der Baubranche geht es zurzeit gut – die Auftragsbücher der Firmen im Landkreis Kassel sind voll. Die Unternehmer freut es, die Auftraggeber weniger.

„Die Nachfrage war in den vergangenen Jahren schon recht hoch, aber 2018 ist sie nochmal gestiegen“, sagt Thilko Gerke, Obermeister der Bau-Innung Kassel. „Wir sind alle gut beschäftigt.“

Das gute Geschäft fußt auf drei Säulen: „Die Aufträge kommen aus öffentlicher Hand, von gewerblichen Kunden und von Privatleuten“, sagt Gerke. „Anderen Branchen geht es auch gut, in solchen Zeiten wird natürlich auch mehr investiert.“

Durch die starke Nachfrage steigen die Preise. Aber nicht nur allein deshalb, sagt der Obermeister. „Man darf nicht vergessen, dass auch die Kosten der Baufirmen gestiegen sind, wie zum Beispiel beim Thema Entsorgung. Auch die Maut wirkt sich stark aus.“

Die hohe Auftragslage hat für die Firmen aber nicht nur Vorteile: „Wir geraten unter Druck, wenn wir unsere Stammkunden bedienen wollen, es aber aus Zeitmangel dann gar nicht schaffen.“

Der Landkreis Kassel ist Bauherr vieler Projekte und spürt die Änderung in der Branche auch. Die Behörde schätzt vorher die Kosten für das jeweilige Bauvorhaben und schreibt den Auftrag dann aus. Die Unternehmen bewerben sich dafür. „Manchmal merkt man, dass der Betrieb den Auftrag eigentlich gar nicht haben will“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. Warum dann überhaupt ein Angebot abgegeben wird? „Vielleicht würden die jeweilige Firma es unter Umständen doch annehmen, eben zu ihren Bedingungen“ – was natürlich höhere Preise bedeutet.

Ähnliche Erfahrungen wie der Landkreis machen zurzeit auch die Kommunen. „Die Preise sind erheblich gestiegen“, sagt Tilo Küthe, Bürgermeister von Helsa. „Man spürt deutlich, dass zum Beispiel die Firmen, die den Bereich Straßenbau abdecken, ausgelastet sind.“ Auch die Gemeinde schreibt ihre Aufträge aus und schätzt die fälligen Kosten vorher ab. „Im Moment kann man damit rechnen, bei den Schätzungen 20 Prozent draufzuschlagen.“

Aktuell steht die energetische Sanierung des Sportlerheims in Eschenstruth an. „Es gab mehrere Angebote für das Dach“, sagt Küthe. „Sie unterschieden sich teilweise um 100 Prozent.“

Die Gemeinde Fuldabrück steht kurz vor dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses. „In einigen Bereichen liegen wir mit den geplanten Kosten im normalen Bereich, aber es gibt auch Aufträge rund um das Gebäude, bei denen sich die Schätzungen von den eingegangenen Angeboten unterscheiden“, sagt Rolf Lengemann vom Bauamt.

„Einige Aufträge konnten im ersten Gang auch gar nicht vergeben werden, weil sich keine Firma beworben hat.“ Das käme im Moment öfter vor. „Die Branche ist zurzeit einfach voll“, sagt Lengemann. 

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