Interview mit Hessen Forst-Chef

Ein halbes Jahr nach Sturm Friederike: "Müssen den Wald klimafest machen"

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Dutzende Fichten fielen Sturm Friederike zum Opfer: Unser Bild zeigt ein stark betroffenes Waldstück bei Ippinghausen.

Kreis Kassel. Sechs Monate nach dem Sturm stellen sich Fragen in Sachen Schäden, Aufarbeitung und Klimawandel. Wir haben mit Michael Gerst, Leiter von Hessen Forst, gesprochen.

Herr Gerst, bitte führen Sie uns vor Augen, wie es nach Friederike in den Wäldern aussah.

Michael Gerst: Es war ein extremes Ereignis. In ganz Nordhessen gab es erhebliche Schäden. Insbesondere Fichten waren großflächig umgeworfen worden. Zwischen den betroffenen Flächen lagen allerdings große Entfernungen, was unsere Mannschaft enorm gefordert hat, sich einen Überblick über die Schäden zu verschaffen.

Warum gerade Fichten?

Gerst: Fichten haben flache Wurzeln. Außerdem bieten sie mit Nadeln, ausgedehnter Krone und entsprechender Höhe viel Angriffsfläche.

Wie werden Ihre Forstleute auf solche Stürme vorbereitet?

Gerst: Für Stürme üben wir bestimmte Abläufe ein, die uns dabei helfen, möglichst routiniert mit solchen Ereignissen umgehen zu können. Da hilft uns ein Kalamitätshandbuch, wo die einzelnen Schritte drinstehen.

Welche Schritte sind das?

Gerst: Wir schätzen die Lage grob ein. Dann prüfen wir, welche Baumarten wo geworfen worden sind, um die Wälder anschließend organisiert aufräumen zu können.

Was ist die größte Schwierigkeit bei der Aufarbeitung?

Gerst: Wir haben schnell gemerkt, dass es Engpässe bei den Transport-Lkw gab. In den ersten Monaten musste zusätzlich noch viel Buchenholz aus der Holzernte abtransportiert werden. Da haben wir Kapazitätsgrenzen erreicht.

Ist das Problem gelöst?

Gerst: Teils, wir haben mit den zuständigen Stellen die Tonnagen der Holztransporte von 40 auf 44 Tonnen erhöht. Damit ist das Problem zumindest teilweise gelöst.

Kann man die Wälder jetzt gefahrlos betreten?

Gerst: Unsere Forstleute konnten die meisten Wege freiräumen. Ich kann aber nicht garantieren, dass inzwischen alle Wege, die noch bis Januar begehbar waren, jetzt wieder begehbar sind. Denn im Landkreis Kassel haben wir aktuell etwa 60 Prozent des geworfenen Holzes aufgearbeitet und zum Großteil abtransportiert.

Wie lange wird es dauern, bis die Schäden von Friederike behoben sind?

Gerst: Wir gehen davon aus, dass es – insbesondere im Reinhardswald – noch bis ins erste Quartal 2019 dauert, bis die Schäden behoben sind. Dort liegt eine große Menge an Holz. Da passen wir das Tempo der Aufarbeitung an die Kapazitäten im Transport und in der Holzindustrie an.

Wie geht’s weiter, wenn die Schäden behoben sind?

Gerst: Die Frage ist, wie wir den Wald klimafest machen und die Bestände stabilisieren.

Was heißt das genau?

Gerst: Ergänzend zur natürlichen Waldverjüngung pflanzen wir verschiedene Baumarten nebeneinander. Die Stichwörter sind Mischwald und Klimarobustheit. Denn die Prognosen sind düster: Die Temperaturen steigen und die Wetterereignisse sind immer schwerer kalkulierbar. Dafür wollen wir so gut es geht gewappnet sein.

Zurück zu den Fichten. Wurden so viele geworfen, weil die Forstämter Fichten-Monokulturen geschaffen haben?

Gerst: Das ist ein schneller Rückschluss. In der Nachkriegszeit wurden Fichten gepflanzt, weil eine große Abholzung vorausgegangen war, um Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg zu bezahlen. Die Flächen im Wald lagen bloß und mussten schnell bepflanzt werden. Es sind damals richtige Entscheidungen getroffen worden. Denn mit der Fichte kann man auf Kahlflächen schnell wieder einen Wald erzeugen, den man später zu einem Mischbestand entwickeln kann.

Wie hoch ist der finanzielle Schaden für Hessen Forst?

Gerst: Für den Landkreis: ein hoher, siebenstelliger Betrag. Es kann auch zu zusätzlichen Folgekosten durch Borkenkäferbefall kommen.

Michael Gerst (59) kommt ursprünglich aus Breitenbach am Herzberg (Kreis Hersfeld-Rotenburg). Er studierte Forstwissenschaften in München und wurde Diplom-Forstwirt. Landesbetriebsleiter bei HessenForst ist er seit 2001. Gerst hat zwei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Baunatal.

Sturm in Stadt und Kreis Kassel: Räder umgeweht, Bäume auf Dennhäuser Straße umgestürzt

Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgestürtze Bäume auf der Dennhäuser Straße zwischen Dennhausen und KasselFoto: Andreas Fischer
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Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgekippte Fahrräder an der NextBike Fahradverleihstation am Auestadion Foto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike wütet in der Region:Umgekippte Fahrräder an der NextBike Fahradverleihstation am Auestadion Foto: Andreas Fischer
 © Andreas Fischer
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. © Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
Sturmtief Friederike in Lohfelden: An der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. © Peukert
Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
 © Hessennews.tv
Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
 © Hessennews.tv
Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
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Orkan Friederike: Sturmschäden im Kreis Kassel
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: Die Tore auf dem Sportplatz der Regenbogenschule in Lohfelden wurden vom Sturm umgeweht. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter Ralf Bernhardt und acht Kollegen beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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Sturmtief Friederike in Lohfelden: an der Crumbacher Straße in Lohfelden wurden vier Bäume entwurzelt. Bauhof-Mitarbeiter beseitigten die Reste. Datum: 18.01.2018 Foto: Sindy Peukert
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