Wenig Aufwand und Ressourcen schonend

Nicht nur eine Droge: Bauern der Region setzen auf Hanfanbau

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Eine äußerst anspruchslose Pflanze: Hanf wächst schnell und wird bis zu vier Meter groß – ganz ohne Herbizide und Insektizide. Aus dem Stroh der Pflanze wird Dämmstoff für den Ökobaubereich gewonnen, aus den Samen Öl gemacht. 

Kreis Kassel/Werra-Meissner Kreis. Es ist zwar noch ein Nischenprodukt, aber eines mit Potenzial. Hanf. Nicht als Arzneimittel, sondern zum Beispiel für die Herstellung von Dämmstoff im Ökobaubereich.

Auch für Landwirte habe der Anbau einige Vorteile, sagt Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband des Landkreis Kassel und des Werra-Meißner-Kreises. Wenig Aufwand und in der Produktion Ressourcen schonend, das mache den Hanfanbau aus. Aber nicht nur für den Ökobaubereich ist Hanf interessant, die Samen können zum Beispiel zu Öl, Tierfutter und in Backwaren verarbeitet werden.

Im Werra-Meißner-Kreis hat man die Vorzüge des Hanfs bereits erkannt. Neun Landwirte haben sich dort im vergangenen Jahr zusammengeschlossen und gemeinsam auf 45 Hektar Hanf angebaut. „Die Idee entstand, weil sich in meinem Heimatort Wanfried jemand angesiedelt hat, der Hanf als Baustoff vertreibt“, erzählt Uwe Roth, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner. „Wir sind mit einer Portion Pioniergeist an die Sache herangegangen.“

In Kassel hat 2018 ein legaler Hanf-Laden eröffnet.

Mittlerweile sind die 45 Hektar abgeerntet. 237 Tonnen Stroh und 44,4 Tonnen Hanf-Samen sind das Ergebnis. „Der Ertrag war wider Erwarten gut“, sagt Roth. Und die positive Nachricht sei, dass keiner Geld darauflegen musste. „Das war unser Ziel“, sagt Roth. „Schließlich sind wir blutige Anfänger.“ Gewinn wurde jedoch auch nicht gemacht.

Spezialgerät für die Ernte: Die Fasern des Hanfstrohs sind so fest wie bei Seilen.

Doch sie wollen weitermachen, und haben sogar die Fläche auf 70 Hektar vergrößert. Das Ziel: die Fruchtfolge der Betriebe zu erweitern und im besten Fall einen neuen Markt zu erschließen. Bei der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) wollen sie Fördermittel beantragen, „um da mehr Struktur reinzubekommen“, wie Roth erklärt. Und gemeinsam mit der Nowotny Genossenschaft, die seit 20 Jahren Hanfstroh in der Uckermark vertreibt, will Uwe Roth die Verarbeitung nach Nordhessen bringen. „Hier hat man einen absoluten Standortvorteil“, sagt Roth. Denn das Hanfstroh zu transportieren sei kostenaufwendig.

Hanf sei zwar im Anbau eine äußerst anspruchslose Pflanze. Dafür sei die Ernte mit normalen Geräten unmöglich, da die Fasern des Hanfstrohs so fest wie bei Seilen sei, sagt Roth. Dafür wurde eine spezielle Maschine vom Bodensee geholt, die in ganz Deutschland Hanf erntet.

„Für Hanf als Dämmmaterial gibt es einen wachsenden Markt“, sagt Stefanie Wittich. Trotzdem wurde 2017 hessenweit nur auf 100 Hektar Hanf angebaut. Zum Vergleich: Winterweizen wuchs auf 160 000 Hektar im vergangenen Jahr. Im Landkreis Kassel wird er bisher noch gar nicht angebaut. Doch sollte das Pilotprojekt im Werra-Meißner-Kreis erfolgreich sein, könnte sich das bald ändern.

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