Hatten Sie schon Sex gegen Geld? – Blutspender durch neuen Fragebogen irritiert

Kreis Kassel. Wer in Hessen Blut spenden möchte, muss seit jeher zuvor einen Fragebogen ausfüllen.

Seit Juni gibt es nun einen neuen Fragenkatalaog. Statt 17 müssen Spender nun 30 Fragen beantworten – darunter auch einige sehr persönliche. Das gefällt nicht allen Blutspendern.

Hatten Sie in den letzten vier Monaten Sexualverkehr, für den Sie Geld oder andere Leistungen (Unterkunft, Drogen) bezahlt haben? Waren Sie innerhalb der letzten vier Monate in Haft? Der neu entwickelte Fragebogen für Blutspender fragt detailliert nach dem Sexualverhalten, vorausgegangenen Reisen ins Ausland, diversen (Hirn-)Erkrankungen sowie Drogen und Medikamenten. „Die Regeln der Blutspende sind nicht strenger geworden, es wird nur genauer gefragt“, sagt Stefanie Fritzsche, Pressesprecherin des Blutspendedienstes für Hessen und Baden-Württemberg, gegenüber der HNA. Neue Themen seien bei der Abfrage nicht hinzu gekommen.

„Vereinzelt“ hätten sich Frauen und Männer wegen des neuen Fragebogens gegen eine Blutspende entschieden. Zum einen, weil der Aufwand durch die größere Anzahl der Fragen zu hoch sei, zum anderen, weil die Fragen „zu intensiv“ seien. „Dies betrifft aber nur eine ganz kleine Anzahl Spender“, sagt Stefanie Fritzsche. Die Sicherheit sei jetzt, durch die gezielteren Fragen höher geworden, betont die Sprecherin.

Allerdings: Durch die ausführlicheren Fragen gibt es auch mehr vorübergehende Rückstellungen, also Blutspenden, die für eine gewisse Zeit nicht genutzt werden, weil die Spender beispielsweise in einem bestimmten Urlaubsland waren. Die Situation sei deshalb nicht kritisch, aber dennoch zu spüren.

Vor Ort ist die Resonanz auf den neuen Fragenkatalog geteilt, wie Raimund Reith sagt, Vorsitzender der Ortsvereinigung Breuna. „Vielen ist das aufgestoßen.“ Teilweise kopfschüttelnd hätten die Frauen und Männer die Bögen ausgefüllt. Aus Reiths Sicht könnte es nun passieren, dass mancher Spender abgeschreckt werde. Allerdings ist er auch sicher: „Wer Blut spenden möchte, kommt auch weiterhin.“

Bei den Blutspendeterminen des Ortsvereins Lohfelden seien bereits Spender wieder gegangen, weil sie die Fragen nicht beantworten wollten, sagt Vorsitzende Petra Karasek. „Viele finden den Eingriff in die Privatsphäre zu intensiv.“ Sie selbst findet die Fragen „entwürdigend“, dennoch versuche sie mit ihren Mitstreitern, die Menschen zu überzeugen. Schließlich sei es wichtig, Blut zu spenden. „Die Spender wollen etwas Gutes tun, müssen dafür aber die Hosen runterlassen“, kritisiert Karasek. Der Blutspendedienst müsse nun damit rechnen, belogen zu werden.

Beim DRK in Wolfhagen sind bisher keine Beschwerden von Spendern bekannt, sagt Vorsitzender Thomas Pairan. Auch in Niestetal habe es bisher keine Diskussionen über die neuen Fragen gegeben, sagt Bereitschaftsleiter Marco Schreiber.weitere artikel

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