Förster suchen nach Augenzeugen

Ärger um illegale Müllentsorgung in Nieste, Kaufungen und Niestetal

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Vom Anhänger direkt in den Wald: Gleich an neun mit dem Auto gut erreichbaren Stellen wurde im Wald der Revierförsterei Nieste Bauschutt abgelagert, hier am Denkmalweg nahe Niestetal.

Nieste. Da wird der Förster richtig sauer: Bei Nieste, Niestetal und Kaufungen haben Unbekannte gleich an neun Stellen im Wald Bauschutt entsorgt.

„Da saniert einer seinen Partykeller oder seine Hausterrasse und kippt den ganzen Bauschutt einfach in unseren Wald.“ Revierförster Cord Brand aus Nieste kann seine Wut nur mühsam zügeln. Gleich an neun Stellen in seinem 2400 Hektar großen Forst wurden in den vergangenen vier Wochen Müll – meist Bauschutt – gleich lastwagenweise abgekippt.

Cord Brand ist Revierförster und ärgert sich sehr über die illegale Müllentsorgung.

Der 49-jährige Forstmann steht mit diesem Problem nicht allein da. Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau: „Müllablagerungen im Forst werden östlich von Kassel zu einem gewaltigen Problem. Je näher an der Großstadt Kassel, desto mehr Müll wird in den Wald gekippt.“ Betroffen seien neben Nieste auch die Söhre und das Revier in Helsa.

50.000 Euro Strafe für illegale Müllentsorgung 

Warum jemand vermutlich bei Nacht und Nebel den Müll in den Wald bringt und dabei Strafen von bis zu 50.000 Euro riskiert, anstatt ihn legal und kostengünstig entsorgen zu lassen – darüber können die Forstleute nur rätseln.

Die Nähe zur Großstadt mit ihren im Vergleich zum Landkreis extrem hohen Müllgebühren könnte ein Indiz dafür sein, dass die Umweltferkel im städtischen Bereich zu suchen wären.

Im Fall der jüngsten Bauschutt-Ablagerungen glaubt Revierförster Brand das aber nicht: „Die Stellen sind so ausgewählt, dass sie von einem Auto mit Anhänger gut angefahren werden und dann ohne zu wenden auch wieder verlassen werden können. Das spricht doch für einige Ortskenntnisse.“

Direkt am Wanderparkplatz Mühlenberg: Über auffälligen Müll hoffen die Forstleute und die Ordnungsämter der Kommunen, den oder die Täter zu ermitteln. Dann würde es richtig teuer.

Seine Vermutung: Da werde irgendwo in Niestetal, Kaufungen oder Nieste ein älteres Haus saniert. Glasbausteine, Türen, Fenster, Deko-Material, Fliesen, sogar Geschirr und Schmuckteller entsprechen dem Stil der 1970er-Jahre oder älter.

Die Art der Müllverteilung entlang der Waldwege lasse vermuten, dass der Bauschutt auf einem langen Kipphänger hergeschafft wird. Über besonders charakteristischen Müll hoffen die Forstleute, den Umweltfrevlern doch auf die Spur zu kommen. Gefunden wird in Wald und Flur so ziemlich alles: Kühlschränke, Fernseher, Radios. „Wir hatten auch schon eine komplett gefüllte Gefriertruhe. Das hat furchtbar gestunken“, so Brand.

Für die Beseitigung des Mülls muss der jeweilige Besitzer des Waldstücks sorgen. Das sind oft die Kommunen, deren Wald von den Revierförstereien meist mitverwaltet wird. In den anderen Bereichen muss die Landesbehörde Hessenforst den Abtransport organisieren – und bezahlen.

Deko aus dem Partykeller der 1970er-Jahre? Forstpraktikantin Schmidt hält ein Brett mit Leuchtstrahlern in den Händen. Führt der zum Täter? Die Revierförsterei Nieste hofft auf Zeugen.

Mithilfe der Bevölkerung hofft Förster Brand der Täter doch noch habhaft zu werden, denen dann saftige Strafen drohen.

Wer etwas gesehen hat, kann sich mit Cord Brand unter Telefon 0176/53927271 in Verbindung setzen.

Übersicht: Kosten für Müllbeseitigung

 Ein gut funktionierendes und oft sogar kostenloses Müllentsorgungssystem macht es in Deutschland überflüssig, den Unrat in die Natur zu kippen:

• Sperrmüll und Elektrogeräte: Kostenlose Abgabe im Entsorgungszentrum Hofgeismar-Kirschenplantage. Sonst kostenlose Abholung per Anforderungskarte bei der Abfallentsorgung des Kreises. 

• Kleine Müllmengen: Restmülltonnen, Leerung alle zwei Wochen. 

• Elektrische Kleingeräte: Einfach auf die Restmülltonne legen – kostenlos. 

• Biomüll und Papier: Abfuhr alle zwei oder vier Wochen, Kosten in jährlichen Müllgebühren enthalten. Oder Abgabe in Biokompostanlagen, kostenlos oder wenige Euro. 

• Farben, Lacke, Lösungsmittel: Abgabetermine vor Ort mehrmals im Jahr – kostenlos. 

• Bauschutt, Reifen: Kleine Mengen kostenfreie Abnahme in Hofgeismar, sonst Gebühren für bereitgestellte Container.

Alle Infos im Internet unter: www.abfall-kreis-kassel.de/

Ordnungsamt: Ermitteln der Täter schwierig

Wilde Müllablagerungen werden von den Mitarbeitern des Bauhofes beseitigt, sagt Kaufungens Ordnungsamts-Chef Harald Stückrad. Kleinere Aufräumarbeiten – etwa mit Unrat gefüllte blaue Müllsäcke – müssten zwei bis drei Mal im Monat beseitigt werden, größere Bauschuttablagerungen wie derzeit seien eigentlich selten. Ermittlungen der Täter seien schwierig und könnten in der Regel nur gelingen, wenn Augenzeugen vorhanden seien. Wird ein Umweltsünder erwischt, kann es allerdings teuer werden. Die Bußgelder für die Ordnungswidrigkeiten reichen in Hessen bis 50.000 Euro. 

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