Themen: Lage der Partei, Flüchtlinge und Regiotram

Die neuen Kreis-Vorstandssprecher der Grünen im HNA-Interview

Die Grünen im Landkreis Kassel haben eine neue Doppelspitze. Mitte Juni wurden Susanne Regier aus Vellmar und Reinhold Orth aus Kaufungen zu Vorstandssprechern gewählt.

Über den Zustand der Partei und die Ziele bei der Kommunalwahl im März nächsten Jahres sprachen wir mit beiden.

Auf Kreisebene sind die Grünen nach wie vor eine feste Größe. Im Landkreis Kassel mit seinen 29 Städten und Gemeinden gibt es aber nur neun Ortsverbände. Bereitet Ihnen das Sorgen? 

Susanne Regier: Nein, wir sehen die Basis nicht wegbrechen. Die Mitgliederzahl ist seit Jahren stabil. Neue Ortsverbände zu gründen ist allerdings schwierig. Das liegt auch an den veränderten Gesellschaftsstrukturen. Wir sind dennoch kurz davor, in Hofgeismar und Habichtswald neue Ortsverbände ins Leben zu rufen.

Fehlt es den Grünen angesichts der Fülle an neuen Parteien und politischen Gruppierungen an Alleinstellungsmerkmalen? 

Reinhold Orth: Nein, die Linie der Grünen ist klar definiert, und somit verfügen wir auch über Alleinstellungsmerkmale. Ein Problem aller Parteien ist jedoch, dass sich junge Menschen, auch wenn sie politisch interessiert sind, nur schwer binden lassen.

Dem Landkreis Kassel werden immer mehr Flüchtlinge zugewiesen. Ende des Jahres sollen es 1800 sein. Wann ist Ihrer Meinung nach eine Grenze erreicht, ab der niemand mehr aufgenommen werden kann? 

Regier: Der Landkreis Kassel kann es sich leisten, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Die Beispiele in Wolfhagen und Vellmar belegen das eindrucksvoll. Mit den dort sehr aktiven Unterstützerkreisen finden die Asylbewerber eine gute Aufnahme.

Orth: Das A und O ist, die Bevölkerung gut einzubinden. Wird sie entsprechend vorbereitet, ist die Aufnahme weiterer Flüchtlinge kein Problem.

Seit Monaten steht die Regiotram massiv in der öffentlichen Kritik. Dem Kreistag wurde ein Papier der Regiotramgesellschaft vorgelegt, wie man dieser Probleme Herr werden will. Hat Sie das Papier überzeugt? 

Regier: Nein, wir sind nicht zufrieden. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass die dort angekündigten Maßnahmen erst einmal greifen müssen. Die Regiotram ist für den Landkreis wichtig, und sie muss erhalten bleiben. Da ist es natürlich überhaupt nicht zuträglich, wenn beispielsweise durch einen nicht erklärbaren Krankenstand von über 20 Prozent Fahrten gestrichen werden müssen.

Was muss denn Ihrer Ansicht nach geschehen? Ist der Druck der Politik noch nicht ausreichend? 

Orth: Es ist ja schon besser geworden. Aber der Kreis schaut weiter sehr genau auf die Regiotram und bei Bedarf wird nachgehakt. Sollten die Probleme nicht zur Zufriedenheit der Fahrgäste abgestellt werden, muss der Druck der Politik verstärkt werden.

Im März stehen Kommunalwahlen an. Wagen Sie eine Prognose, wie die Grünen im Landkreis Kassel abschneiden werden? 

Orth: Ich seh’ es positiv. Mein Wunsch sind 15 Prozent plus.

Regier: Wahlen sind immer spannend. Ich gebe keine Prognose ab. Allerdings wird das gute Ergebnis von 2011 mit 14,5 Prozent nur schwer zu wiederholen sein.

Ein erneuter Einzug in den Kreistag wird aber sicher gelingen. Wo sehen Sie Ihre Hauptaufgaben in den nächsten vier Jahren? 

Regier: Ganz oben auf unserer Agenda steht, die Bürgerbeteiligung zu stärken. Die Menschen im Landkreis Kassel sollen in Entscheidungsprozesse aktiver eingebunden werden. Dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem großen Feld demografischer Wandel werden wir uns natürlich ebenfalls stellen.

Orth: Bekanntlich hat der Landkreis unter dem demografischen Wandel besonders zu leiden. Daher kommt dieser Thematik sehr große Bedeutung zu.

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