Falsche Angaben zu Gesundheit und Jagdprüfungen

Beschlagnahmte Jagdhunde: Tierschützerin erhebt schwere Vorwürfe gegen Landkreis Kassel 

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In Obhut: Der Landkreis hatte zwei Drahthaar beschlagnahmt und per stiller Versteigerung angeboten.Die Hündin sucht noch ein Zuhause. 

Kreis Kassel. Schwere Vorwürfe erhebt der Tierschutzverein Krambambuli gegen den Landkreis Kassel.

Es geht um den Gesundheitszustand von zwei beschlagnahmten Jagdhunden und die Prüfungen, die sie abgelegt haben sollen. Die Deutsch-Drahthaar waren am 11. September 2017 vom Veterinäramt aus schlechter Haltung gerettet worden und sollten bei einer stillen Versteigerung an neue Halter vermittelt werden.

Annemarie Schwintuchowski aus Spangenberg hatte auch ein Gebot abgegeben. Nach ihren Recherchen vermutet die pensionierte Richterin, dass das Veterinäramt falsche Angaben zu den Hunden gemacht hat. „Da es mir merkwürdig vorkam, dass die Hunde im Alter von nicht einmal eineinhalb Jahren bereits die Verbandsgebrauchshundeprüfung (VGP) absolviert haben sollen, suchte ich im Internet nach Daten für die VGP im Jahr 2017“, sagt die Tierschützerin, die Mitglied im Verein Krambambulli ist. Die ersten Jagd-Prüfungen seien Ende September 2017 abgelegt worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Tiere aber schon in Obhut des Landkreises. Sie hegt zudem Zweifel am Gesundheitszustand und gibt an, dass der Rüde verhaltensauffällig sei und zugebissen habe – die Vermittlung eines gefährlichen Hundes sei problematisch.

Der Rüde wurde bereits vermittelt.

„Ich habe erfahren, dass die Hündin Hüft- sowie Ellbogendysplasie positiv ist, und nur eingeschränkt belastbar sei.“ Die Gesundheit der Hunde ist laut Schwintuchowski nicht nur für den Jagdeinsatz von Bedeutung, sondern ebenso für die Zuchttauglichkeit. Beides, sowohl der Gesundheitszustand als auch die Prüfungen seien ein wichtiges Merkmal für den monetären Wert der Hunde. Auch wenn der Rüde unauffällig ist, so sei er zumindest erblich vorbelastet, weil beide Tiere aus demselben Wurf stammen.

„In der Ausschreibung lässt sich das alles nicht erkennen“, sagt Schwintuchowski. Sie habe daher vorgeschlagen, zumindest die Hündin zu übernehmen und dem Landkreis 250 Euro geboten. Sie wollte die Hündin an den Tierschutzverein weitergeben, der sie in ein geeignetes Zuhause vermittelt.

„Von den beiden sichergestellten Deutsch-Drahthaar-Hunden ist der Rüde bereits abgegeben worden. Die Hündin befindet sich noch in Obhut“, teilt Kreissprecher Andreas Bernhard mit. Alle Bieter, die komplette Angaben machten, hätten die Hunde begutachten können. „Allen Interessenten wurde vor Ort im persönlichen Gespräch deutlich gemacht, dass Zweifel an den Prüfungsergebnissen der Hunde besteht“, so der Kreissprecher. Auch über mögliche Erkrankungen habe man aufgeklärt und Röntgenbilder vorgelegt.

„Die Interessenten hatten Gelegenheit, die Hunde geführt sowie im Freilauf beliebig lange kennenzulernen.“ Einige brachten ihre eigenen Hunde mit, um die Verträglichkeit zu prüfen. Es sei keine Verhaltensstörung oder gar übersteigerte Aggression festgestellt worden. Der Rüde sei nicht als gefährlich einzustufen.

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