Thema sorgt für Diskussion

Kommt die Große Koalition? SPD-Ortsvereine im Landkreis Kassel sind sich uneinig

Vellmar/Baunatal. Auch in SPD-Ortsvereinen ist die mögliche Regierungsbeteiligung großes Thema. Wir haben bei den Fraktionen im Landkreis Kassel nachgefragt.

„Auf keinen Fall GroKo“. Kurt Nedell ist aufgebracht. Die Diskussion um die mögliche Regierungsbeteiligung seiner Partei im Bund hat es bis auf die Tagesordnung der Vorstandssitzung des SPD-Ortsvereins in Altenbauna geschafft. Kein Wort sei im Wahlkampf über die guten Leistungen der SPD in der vergangenen Jahren verloren worden – ein großer Fehler in den Augen Nedells.

Neben ihm sitzt sein Vorstandskollege Rudi Becker. „In einer Minderheitsregierung würde uns keiner mehr wahrnehmen“, sagt er, verweist auf die vielen Krisen, die von der Großen Koalition seiner Ansicht nach gelöst wurden und zitiert Franz Müntefering: „Opposition ist scheiße“.

Auch fernab Berlins, an der Parteibasis, bei den einfachen Mitgliedern der SPD ist man sich dieser Tage uneins, wie es für die einstige Volkspartei weitergehen soll. Einig sind sie sich in Altenbauna, dass im Falle einer Großen Koalition auf verbindliche Zugeständnisse gepocht werden müsste. „Eine GroKo ist nur denkbar mit einer Steuerreform, einer Rentenreform“, sagt Peter Lutze – und erntet zustimmendes Nicken.

Hier wollen die Genossen einen Koalitionsvertrag wenn, dann nur mit sozialdemokratischer Handschrift gutheißen. Und sie wollen gefragt werden: „Wenn sich ergibt, dass unsere Politik umgesetzt werden kann, dann müssen wie angekündigt die Mitglieder an der Basis abstimmen dürfen“, fordert Vorstandsmitglied Bernd Riemenschneider.

Freude über Diskurs

Zum Gespräch mit unserer Zeitung hat Walter Brück, Vorsitzender der SPD Vellmar, zu sich nach Hause eingeladen. Mit am Tisch sitzen seine Frau Torgit Brück, Andreas Wollenberg und Bernd Teller. Sie alle sitzen im Vorstand des SPD-Ortsvereins.

Torgit Brück

„Es ist gut, dass wieder mehr über Inhalte diskutiert wird und nicht über die handelnden Personen“, sagt Torgit Brück. Auch die anderen hier begrüßen den inhaltlichen Diskurs in den eigenen Reihen. „Befruchtend“ sei er, der Austausch über die eigene Politik, sagt Andreas Wollenberg.

Er selbst könnte sich eine Minderheitsregierung gut vorstellen, eine Große Koalition aber keinesfalls, allein schon aufgrund der Tatsache, dass die AfD dann die Opposition anführen würde. Ähnlich denkt auch Bernd Teller, der die Chance sieht, dass die SPD aus der Opposition heraus das eigene inhaltliche, politisch linke Profil schärfen könnte.

Im Ortsverein reiche das Meinungsspektrum von einer resoluten Blockadehaltung gegenüber einer Großen Koalition über die grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen mit der Union bis hin zur Befürwortung einer Minderheitsregierung, sagt Walter Brück.

Nur Neuwahlen, das wolle wirklich niemand – allein schon wegen der Gefahr, den rechten Rand zu stützen. Bei aller Liebe zum inhaltlichen Diskurs – in dieser Sache stimmen die Genossen in Altenbauna und Vellmar vollauf überein.

Rubriklistenbild: © Foto: dpa

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