Trasse Wahle-Mecklar: Betreiber Tennet rechnet mit Klagen

Kommt die Stromtrasse durch den Kreis Kassel doch erst 2019?

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Montage der Hochspannungsseile an einem Mast: Bis es mit dem Bau der Wahle-Mecklar-Trasse im Altkreis begonnen werden kann, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Gut möglich, dass es erst 2019 losgeht. Die Inbetriebnahme der kompletten Leitung von immerhin 230 Kilometern länge ist für 2021 geplant.

Kreis Kassel. Noch ist nicht sicher, ob mit dem Bau der 380-Kilovolt-(kV)-Hochspannungsleitung Wahle-Mecklar schon Anfang 2018 begonnen werden kann.

Die rund 230 Kilometer lange Leitung soll bei Wahle in Niedersachsen beginnen, im sogenannten Bauabschnitt D auch durch Niestetal, Kaufungen, Lohfelden und Söhrewald führen und schließlich in Mecklar, einem Ortsteil der Gemeinde Ludwigsau im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, enden.

Insgesamt gibt es vier Abschnitte A, B, C und D, Vorhabenträger ist der Stromversorger Tennet.

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„Zwar könnte der Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt D schon in diesem Winter ergehen. Doch sei die Rechtskräftigkeit für das Bauvorhaben damit noch nicht erlangt“, sagt Tennet-Sprecher Reemt Bernert. Grund: Nach dem Beschluss müsse zunächst eine vierwöchige Frist abgewartet werden, um Kritikern die Möglichkeit zu geben, gegen das Projekt zu klagen. Bernert: „Bei solch großen Bauvorhaben sind Klagen sehr wahrscheinlich.“ Deshalb seien weitere Verzögerungen von einem Jahr schnell möglich. Schon einmal musste Tennet den Baustart um ein Jahr verschieben, weil im südlichen Teil des Abschnitts D Teile der alten Leitung Borken-Mecklar in die neue Wahle-Mecklar-Trasse mit aufgenommen werden sollten, um die Abstände zu einigen Ortschaften zu erhöhen. Das Planfeststellungsverfahren läuft seit 2015, der Bedarf für diese Leitung wurde bereits 2009 im Energieleitungsausbaugesetz festgestellt.

Dennoch ist der Bauabschnitt D von allen am weitesten fortgeschritten. Einen vergleichbaren Verfahrensfortschritt gibt es nur beim Abschnitt B, der vom Umspannwerk Lamspringe bis zum Umspannwerk Hardegsen – beide in Niedersachsen – führt.

Noch deutlich länger – womöglich ein bis zwei Jahre – werden die Planungen der Abschnitte A und C benötigen. Der Abschnitt C markiert die Strecke von Hardegsen über Göttingen bis zur niedersächsisch-hessischen Grenze. Bernert: „Im Bereich Göttingen soll die Wahle-Mecklar-Leitung auf etwa 14 Kilometer unterirdisch verlegt werden“. Das sei sogar vom Bund als Pilotprojekt mit völlig neuen Planungskriterien angeordnet worden. „Noch nie zuvor ist ein Wechselstromkabel mit solch einer hohen Übertragungsleistung unterirdisch verlegt worden“, sagt Bernert. Die technischen Herausforderungen seien enorm und auch die Trassenplanung müsse neu überdacht werden. Daher die Verzögerung dort um weitere anderthalb Jahre.

Aber davon abgesehen: Weil jeder Abschnitt für sich genommen einzeln beantragt wird, können auch Planfeststellungsbeschlüsse unabhängig voneinander ergehen. Mit anderen Worten: Mit dem Bau des Abschnitts D kann trotzdem schon begonnen werden, auch wenn sich die anderen Bauabschnitte noch in der Planfeststellung befinden. „Doch müssen wir eben noch die Klagefrist abwarten“, sagt Bernert, „vorher können wir nicht anfangen – abgesehen von Ausgleichsvorhaben, die der Natur zugutekommen, und die wir jetzt schon im Altkreis umsetzen“.

Der Streckenverlauf im Altkreis

Die Wahle-Mecklar-Trasse folgt im Altkreis im Wesentlichen dem Verlauf der schon jetzt bestehenden Hochspannungsleitung vom Sandershäuser Berg hinunter bis in die Söhre. Für die östlichen Altkreiskommunen ergeben sich daher kaum Änderungen. Lediglich im Streckenverlauf zwischen Kaufungen-Papierfabrik und Lohfelden-Vollmarshausen wird die Trasse leicht nach Westen verschoben, um einen direkteren und damit kürzeren Linienverlauf zu haben. Durchweg wird der Mindestabstand der Überlandleitung zur Wohnbebauung von 500 Metern eingehalten. Einschränkungen für bereits vorhandene oder noch geplante Gewerbegebiete (Sandershäuser Berg, Papierfabrik „Im Nassen“) wird es nur in unmittelbarer Nähe der Überlandleitung geben. Die Leitung erhöht die Übertragungskapazität für Windenergie in der Nord-Süd-Achse und gewährleistet auch in Zukunft die Versorgungssicherheit und Netzstabilität in Niedersachsen und Nordhessen. 

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