Im Kreis Kassel fehlen günstige Wohnungen

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Der Schlüssel zum Erfolg: Wohnungen neu bauen. Und leer stehende Wohnungen sanieren. Andernfalls droht im Landkreis Kassel eine Wohnungskrise, warnt das Pestel-Institut. Dass es demnächst mehr Schlüsselübergaben geben muss, ist für die Wissenschaftler keine Frage mehr. Immerhin sind viele Flüchtlinge, die heute in den Landkreis Kassel kommen, die Mieter von morgen.

Kreis Kassel. Im Landkreis Kassel werden dringend bezahlbare Wohnungen gebraucht. Laut einer Studie des Pestel-Instituts, die auf Schätzungen und Zahlen aus dem Jahr 2014 beruht, werden allein für die Flüchtlinge rund 1120 Wohnungen benötigt.

Nach Berechnungen der Wissenschaftler steigt der Wohnungsbedarf für den Landkreis Kassel in diesem Jahr auf 1370 Wohnungen.

„Die Tendenz, dass bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen gebraucht werden, kann ich voll bestätigen“, kommentierte Kreissprecher Harald Kühlborn die Studie, kann aber die Zahlen des Pestel-Instituts nicht bestätigen: „Die Zahlen finde ich überraschend“, sagte Kühlborn.

2300 Flüchtlinge 

Hundert Flüchtlinge werden dem Landkreis laut Kühlborn jede Woche zugewiesen - bis Ende des Jahres werden es etwa 2300 Menschen sein. Das Institut geht bei seiner Prognose von 2800 Flüchtlingen aus, die im Laufe dieses Jahres in den Landkreis kommen werden. Grundlage für die Berechnung ist nach Angaben von Institutsleiter Matthias Günther die für Deutschland erwartete Zahl von einer Million Flüchtlingen.

Um der Wohnungsnot entgegenwirken zu können, müsse das Sanieren von leer stehenden Wohnungen forciert werden. Aber auch beim Neubau müsse mehr getan werden. Im Schnitt seien in den vergangenen Jahren im Landkreis Kassel rund 230 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt worden. Diese Zahl kann Kühlborn indes bestätigen. „Es fehlen bezahlbare Wohnungen. Vor allem aber Sozialwohnungen für Rentner, Alleinerziehende, junge Menschen in der Ausbildung, einkommensschwache Haushalte und eben auch Flüchtlinge“, macht Matthias Günther deutlich.

Die vom Bund jetzt bereitgestellten 500 Millionen Euro, die die Länder bis 2020 jährlich für den sozialen Wohnungsbau bekommen sollen, sieht das Pestel-Institut kritisch. „Das wird hinten und vorn nicht reichen. Bundesweit werden dadurch bestenfalls zwischen 10 000 und 12 000 Wohnungen entstehen“, sagte Günther. Der Landkreis Kassel werde davon nicht spürbar profitieren.

An die heimischen Bundestagsabgeordneten gerichtet, fügt Günther hinzu: „Es muss dringend etwas passieren. Andernfalls droht eine Wohnungskrise, die das Potenzial hat, an vielen Orten zu erheblichen sozialen Spannungen zu führen.“ Politisch müsse der Neubau und das Sanieren von Wohnungen als Konjunkturmotor neu entdeckt werden. „Denn, was als Anreiz vom Staat investiert wird, fließt beim Wohnungsbau zu einem Großteil über Steuereinnahmen und Sozialabgaben in öffentliche Kassen zurück“, so Günther.

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