Kosten für den Bereich Asyl bei 36 Millionen Euro

Kreis Kassel legte 6,5 Millionen Euro für Flüchtlinge im Jahr 2016 drauf

Kreis Kassel. Knapp 36 Millionen Euro hat der Landkreis Kassel im vergangenen Jahr für Flüchtlinge und Asylbewerber ausgegeben. Das hat Kreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Nachfrage bekannt gegeben.

 Im Jahr 2015 hat den Landkreis die Betreuung und Unterbringung noch die Hälfte – über 18 Millionen Euro – gekostet.

„An Zuwendungen des Landes gingen etwas mehr als 29,5 Millionen Euro ein, sodass der Fehlbetrag im Bereich Asyl im Kreishaushalt 2016 bei rund 6,5 Millionen Euro lag“, erklärt Kühlborn. Hierbei sei zu berücksichtigen, dass 2016 eine Nachzahlung des Landes in Höhe von rund 4,3 Millionen Euro für die Vorjahre überwiesen wurde – ohne die Nachzahlung wären es sogar 10,8 Millionen Euro Defizit für den Kreis gewesen.

Aufschlüsselung der Kosten

Den größten Posten mit rund 16,6 Millionen Euro nahm im vergangenen Jahr die Grundsicherung – gemeint sind beispielsweise Wohn- oder Krankengeld – ein. Miete und Ausstattung der Gemeinschaftsunterkünfte haben rund 13,9 Millionen Euro gekostet, das Personal ging mit 5,3 Millionen Euro in die Rechnung ein. Die restlichen 200 000 Euro sind Steuern und Abschreibungen.

Harald Kühlborn

„Die Defizite des Landkreises ergeben sich unter anderem daraus, dass die vom Land gezahlten Pauschalen nicht mit den tatsächlichen Aufwendungen übereinstimmen“, sagt Kühlborn. Aktuell erhält der Landkreis vom Land monatlich 865 Euro pro Asylbewerber und 120 Euro pro Flüchtling. Die Kosten für einen Asylbewerber belaufen sich jedoch monatlich auf rund 940 Euro. „Deshalb versucht der Kreis beim Hessischen Sozialministerium eine Einsortierung in die nächst höhere Pauschal-Gruppe zu erreichen“, sagt Kühlborn. In dieser Pauschal-Gruppe erhalte die Kommune die entsprechenden 940 Euro.

Für dieses Jahr hat der Landkreis mit Aufwendungen in Höhe von rund 40,7 Millionen Euro und Erträgen in Höhe von knapp 38,4 Millionen Euro geplant. Dies würde ein Defizit von 2,3 Millionen Euro bedeuten.

Prognose für 2017

„Durch die Verringerung der Zahl der Einrichtungen wird sich die Höhe der Aufwendungen sehr wahrscheinlich verringern – gleichzeitig werden aber auch die Erträge geringer ausfallen“, so Kühlborn. Es sei davon auszugehen, dass die Haushaltsrechnung 2017 unter den Zahlen von 2016 liegen werde.

Hintergrund: Weniger Flüchtlinge im Landkreis Kassel

Ende März lebten 3164 Flüchtlinge im Landkreis Kassel. 1838 werden vom Landkreis nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (Asylbewerber) betreut, 1326 haben einen Aufenthaltsstatus (Flüchtling) und werden vom Jobcenter Landkreis Kassel betreut. Knapp die Hälfte wohnte Ende März in einer der insgesamt 42 Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis. Die anderen Flüchtlinge und Asylbewerber lebten in Mietwohnungen. Inzwischen gibt es von den ursprünglich 46 Gemeinschaftsunterkünften (GU) für Flüchtlinge im Landkreis Kassel noch 42. In diesem Jahr sollen bis zu vier weitere geschlossen werden. Pro Monat weist das Land Hessen dem Kreis Kassel derzeit nur 13 Flüchtlinge pro Monat zu. In Spitzenzeiten waren es bis zu 150 pro Woche. Die bisher höchste Zahl der im Landkreis lebenden Flüchtlinge wurde im November 2016 mit 3674 Menschen erreicht. 

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.