Kreis Kassel: „Wundermagnet“-Kritiker verklagt Richter

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Der „Wundermagnet“ ist Humbug: Thomas Berger aus Bad Emstal hat Strafanzeige gegen den Kasseler Richter gestellt, der ihn 2014 für zehn Tage ins Gefängnis steckte. 

Bad Emstal/Kassel. Der Energiesparmagnet Ecojet ist Humbug. Das darf der Diplomphysiker Thomas Berger aus Bad Emstal seit Anfang des Monats nach sechseinhalbjährigem Rechtsstreit quasi mit Erlaubnis des Oberlandesgerichts Frankfurt laut sagen.

Nun hat der streitbare 60-Jährige Strafanzeige gegen den Kasseler Richter erstattet, der ihm diese „Schmähkritik“ 2014 verboten und ihn dafür ins Gefängnis gesteckt hatte.

Zehn Tage hinter schwedischen Gardinen für seine Kritik an dem vermeintlichen Heizspargerät der inzwischen geschlossenen Fuldabrücker Herstellerfirma SCS Schneider reichten dem Mann. Als er im September 2014 zum zweiten Mal und dann sogar für 100 Tage in den Knast oder 20.000 Euro zahlen sollte, floh Thomas Berger vor dem Richter, der ihm den Mund verbieten wollte, fünf Monate nach Frankreich.

Der sechseinhalbjährige Rechtsstreit, der Anfang dieses Monats zu seinen Gunsten entschieden wurde, sei ein „Justizskandal“, meint der Bad Emstaler. Er hat die Kasseler Staatsanwaltschaft eingeschaltet und will den Einzelrichter am Landgericht Kassel bestraft wissen. Denn der wollte, dass der studierte Physiker und Architekt zahlt oder aber ins Gefängnis geht, obwohl bereits ein Revisionstermin in dem Rechtsstreit um den Betrugsvorwurf beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe angesetzt war.

Ohne Begründung

Bergers Antrag auf Aussetzung der Vollstreckung lehnte Richter Prietz ohne Begründung ab. „Darin sehe ich eine Rechtsbeugung mit unbedingtem Vorsatz“, sagt der bis dahin unbescholtene Bürger (siehe auch Hintergrund). Zehn Tage in der JVA Wehleiden seien „eine interessante Erfahrung“ gewesen. Aber ein zweites Mal habe er die nicht gebraucht. Gerade als er aus dem Knast nach Hause kam, lag der Brief im Kasten und die Beschwerdefrist gegen die zweite Haftstrafe war verstrichen, „da konnte ich nichts mehr gegen unternehmen“, erinnert er sich an seinen damaligen Kampf.

Diese Terminierung ist nach Bergers Ansicht kein Zufall, sondern ein „Indiz für den Schädigungswillen des Richters.“ Den will er jetzt „drankriegen“, schließlich hat ihn der jahrelange Streit nicht nur den Glauben an den deutschen Rechtsstaat gekostet, sondern auch über 100.000 Euro. 

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