ÖPNV-Modellversuch

Kreistag: Bald gibt's Rabatt für Fernpendler im Kreis Kassel

+
Rabatt für Fernpendler: Nach dem Willen des Kreistags sollen Fahrgäste nur den Preis für eine Fahrt mit der Regio-Tram nach Hofgeismar zahlen, auch wenn sie dann noch weiter mit dem Bus nach Trendelburg oder Bad Karlshafen fahren müssen.

Kreis Kassel. Fernpendler aus den entlegenen Winkeln des Landkreises dürfen sich schon mal freuen: Der Kreistag hat jetzt beschlossen, die Preise im öffentlichen Personennahverkehr für die oft mit Umsteigen verbundenen Langstrecken im Rahmen eines Modellversuchs deutlich zu senken.

Dieser Plan ist allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. Denn noch ist unklar, wer die mit diesem Versuch verbundenen Mehrkosten von veranschlagten 40 000 Euro pro Jahr tragen soll. Darüber wird die Kreisverwaltung nun mit dem Verkehrsverbund NVV verhandeln müssen. Der Modellversuch soll maximal drei Jahre laufen.

Mit dem Beschluss haben sich die Sozialdemokraten und die Linken im Kreistag mit einem gemeinsamen Antrag durchgesetzt, vor allem gegen den Widerstand von CDU und AfD. Künftig sollen Fahrgäste, die bisher einen Fahrschein der Preisstufen 6 bis 8 lösen mussten, nur noch die Preisstufe 5 bezahlen. Profitieren würden beispielsweise Kassel-Pendler aus Gieselwerder und Bad Karlshafen (Preisstufe 8) sowie Trendelburg (Preisstufe 6). Das würde eine Ersparnis von bis zu 625 Euro für die Jahreskarte und bis zu 3,10 Euro für den Einzelfahrschein bedeuten.

Das „Pilotprojekt“ solle den vom demografischen Wandel und Bevölkerungsrückgang betroffenen ländlichen Raum stärken, sagte der SPD-Kreistagsabgeordnete Oliver Ulloth. Der ÖPNV müsse attraktiver werden. Man habe die Kostenschätzung von NVV-Fachleuten durchrechnen lassen. Diese hätten sie für realistisch befunden. Die Kosten würden sich auch reduzieren, wenn der Rabatt zusätzliche Fahrgäste in Busse und Regio-Tram locke. Für Christian Knoche, Fraktionschef der Linken im Kreistag, ist dieses Vorhaben offenbar nur ein Anfang. „Das ist der Einstieg in die Fahrpreissenkung“, sagte er. Jahrelang habe der NVV seine Preise immer nur erhöht. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung und ein Projekt, das ausprobiert werden muss“, meinte Monika Woizeschke-Brück, Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen. Die FDP signalisierte in der Debatte Sympathie für den Vorstoß der SPD und der Linken. Offensichtlich zog sie Ulloth endgültig auf seine Seite, indem er den Kostenrahmen des Antrags noch in letzter Minute auf 40 000 Euro deckelte.

Dagegen sprach sich CDU-Fraktionschef Frank Williges gegen das Modellprojekt aus. „Der ÖPNV ist kein Experimentierlabor. Dafür ist er zu komplex“, sagt er. Bewohner am Rand des Landkreises müssten zwar höhere Fahrpreise zahlen, dafür seien aber auch die Kosten für die Wohnung günstiger als im Speckgürtel von Kassel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.