Serientäter verurteilt

Landgericht Kassel: Angeklagte erhielten lange Haftstrafen für Blitzeinbrüche

Kassel. Diesmal wurde es richtig teuer für vier rumänische Serieneinbrecher, die bislang von Gerichten in Deutschland, Italien und Belgien für Dutzende von Einbrüchen zu Bewährungs- und kürzeren Haftstrafen verurteilt worden waren.

Zwischen drei Jahren und neun Monaten und sieben Jahren Haft lautete am Dienstag das Urteil der 11. Strafkammer des Landgerichts unter Führung von Richter Gert Rinninsland. Die Männer im Alter zwischen 23 und 37 Jahren seien einzig mit dem Ziel, hier Einbrüche zu begehen, im BMW des ältesten Haupttäters nach Deutschland gekommen, erklärte Rinninsland in der Urteilsbegründung.

Staatsanwältin Richter hatte in ihrem Plädoyer sogar Haftstrafen bis zu acht Jahren für die „Schwerkriminellen“ gefordert. Die vier Verteidiger hatten die Tatbeteiligung ihrer Mandanten zu relativieren versucht und deutlich niedrigere Gefängnisstrafen gefordert.

Tatsächlich haben die vier Männer und einige unbekannt gebliebene Mittäter bei insgesamt zwölf Einbrüchen zwischen Juni 2016 und Januar 2017 – drei blieben wegen losgehender Alarmanlagen im Versuchsstadium stecken – Zigaretten im Verkaufswert von rund 200.000 Euro erbeutet. Mit brachialer Gewalt hatten sie Türen und Fenster, sogar Wände durchbrochen, um sich Zutritt zu den Tankstellen, Supermärkten und Tabakwaren-Großhandlungen in Borken, Neuental, Habichtswald, Zierenberg, Söhrewald-Wellerode und Nörten-Hardenberg zu verschaffen.

Allein in Nörten-Hardenberg erbeuteten sie Zigaretten im Einkaufswert von 112.000 Euro, die sie mit mehreren Pkw-Fahrten abtransportieren mussten. Viele der Zigaretten wurden zum Packungspreis von 2,50 Euro an einen Kiosk-Besitzer in Dortmund weiter verkauft.

Geschnappt wurden sie Ende Januar 2017 in Rumänien, nachdem sie aus dem Pkw eines Kasseler Gold- und Schmuckhändlers Schmuck und US-Dollar für mehrere 10.000 Euro gestohlen hatten. Da wurden sie bereits von der Polizei observiert.

Das Besondere: Der Schmuckhändler selbst hatte sie wohl teilweise zu besonders lohnenden Einbruchszielen in die Wohnhäuser seiner Kunden geschickt und dann die Beute zu einem Bruchteil aufgekauft.

Bei einem Überfall in Kassel vor zweieinhalb Wochen, bei dem erneut Schmuck und Geld gestohlen wurden, hatte der Schmuckhändler, der derzeit wegen Hehlerei vor der 11. Strafkammer steht, einen Streifschuss am Kopf davongetragen. Der mutmaßliche Schütze wurde am Wochenende festgenommen.

Am Donnerstag soll der Prozess gegen den Schmuckhändler fortgesetzt werden, doch steht noch nicht fest, ob der 52-Jährige überhaupt verhandlungsfähig ist.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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