Population hat sich seit 2015 verdoppelt

Landkreis Kassel ist wieder Storchenland: 2016 sind zehn Weißstörche geschlüpft

Erste Flugversuche: Die Sandershäuser Jungstörche wurden von Johannes Brenner am 7. Juli in Sandershausen fotografiert. Foto:  privat/nh

Kreis Kassel. Die Weißstörche fühlen sich wieder wohl in Hessen. Erfreuliche Nachrichten gibt es auch aus der Region: Im Landkreis Kassel zählten die Weißstorchfreunde des Nabu vier Brutpaare.

Damit hat sich die Population seit 2015 verdoppelt. Zehn Jungtiere haben die Störche im Kreis in diesem Sommer großgezogen.

Auch wenn sich die Population in Nordhessen deutlich vergrößert hat, sei das Mekka der hessischen Störche nach wie vor der Landkreis Groß-Gerau. Dort wurden in diesem Jahr 419 Jungvögel von 206 Brutpaaren aufzogen.

Über die Entwicklung in Niestetal-Sandershausen freut sich Klaus Hillerich besonders, der gemeinsam mit Bernd Petri die Weißstorcherfassung in Hessen koordiniert: „Unsere Beobachter vor Ort konnten belegen, dass es sich um die selben Altvögel handelt, die dort bereits im Jahr zuvor gesichtet wurden.“ In diesem Jahr hat das Sandershäuser Brutpaar drei Jungtiere auf einem Holzmast an der Fulda aufgezogen.

Im Naturschutzgebiet Glockenborn im Wolfhager Land konnte der Nabu zwei Jungtiere beobachten. Zwei weitere junge Störche wurden in Trendelburg-Deisel auf einem Mast an der Diemel gesichtet sowie drei Jungtiere an einem Lerchenmast in Trendelburg-Sielen.

„Mit 493 Weißstorchpaaren hessenweit haben wir einen neuen Rekord erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Brutpaare um 17 Prozent angestiegen“, sagt der Nabu-Ornithologe Bernd Petri. Die hessischen Vögel hätten in diesem Jahr insgesamt 1078 Jungtiere großgezogen.

Materialbeschaffung: Unser Bild zeigt einen der Altstörche aus Niestetal-Sandershausen mit einem Zweig, um das Nest auszubauen. Die Aufnahme wurde am 27. Juni gemacht. Foto: privat/nh

Petri gibt aber zu bedenken, dass die Bestände in Hessen noch lange nicht stabil seien. Ohne die Kerngebiete im Hessischen Ried bei Biebesheim, in den Altneckarschlingen bei Groß-Gerau, bei Wiesbaden-Schierstein, in der Wetterau und im Main-Kinzig-Kreis gäbe es in Hessen noch keine stabilen Vorkommen. Alles hänge nach wie vor von den Ausbreitungszentren in Südhessen ab.

Der Gesamtbestand befinde sich immer noch in einer Phase, in der die Weißstörche beginnen, frühere Brutgebiete Mittel-, Ost- und Nordhessens wieder zu besiedeln. Dieses sensible Ausbreitungsstadium müsse unbedingt gestärkt werden. „Der Weißstorch ist in Hessen trotz kontinuierlicher Bestandszunahme und stetigem Zuwachs von Brutpaaren nach wie vor als gefährdet einzustufen“, erklärt Petri.

Die Storchenzahlen werden von den Mitgliedern der „Arbeitsgruppe Weißstorchberingung in Hessen“ unter Leitung von Hillerich zusammengetragen. „Ohne die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Storchfreunde wäre es gar nicht möglich, die Bestände so genau zu beobachten und zu kontrollieren“, erläutert Hillerich. Für die Zukunft des Weißstorchs in Hessen ist vor allem der Erhalt von Feuchtgrünland von entscheidender Bedeutung.

Seit den 70er Jahren geschützt

Vom südhessischen Auenland bei Lampertheim bis hoch hinauf in das waldreiche nordhessische Vaake im Reinhardswald hat sich der Weißstorch wieder angesiedelt. Das Verschwinden des Klapperstorchs im vergangenen Jahrhundert hatte viele Gründe: Rasante Veränderungen der Landschaften, die Umstellung von Weideviehhaltung auf Stallviehhaltung, Entwässerungen, Flächenverluste durch Bebauung und Verluste durch Leitungsanflüge, Stromschläge und Gifteinsatz. Mitte der Siebziger Jahre begann man zu retten, was noch zu retten war. 

An die Rückkehr der Störche glaubten allerdings nur wenige. Neben Renaturierungen von Auengebieten und der Ausweisung von Schutzgebieten gab es Menschen, die einfach Masten mit Kunstnestern in die Landschaft stellten, weil sie meinten, dass Störche, sollten sie jemals wieder kommen, diese Nistmöglichkeiten dringend bräuchten. Mit dem Anwachsen der sogenannten „westziehenden“ spanischen Storchenpopulation und verschiedenen Auswilderungs-Projekten im Elsass und der Schweiz wuchs der Bestand. Vor zwanzig Jahren siedelten sich dann vereinzelt Störche in Südhessen an. 

Jeder Gast bekam sofort größte Aufmerksamkeit und Fürsorge. Und vor allem: Die Störche flogen auf die von Menschenhand errichteten Nester auf Masten.

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