Heftige Kritik zum Thema Frühkindliche Bildung beim Landkreis Kassel

Landkreis kritisiert Bertelsmann-Untersuchung: "Kita-Studie ist Unsinn"

Kreis Kassel. Auf heftige Kritik stößt die aktuelle Bertelsmann-Studie zum Thema Frühkindliche Bildung beim Landkreis Kassel.

„Was wir hier haben, ist keine Studie, sondern die bloße Zusammenstellung von bereits vorhandenen statistischen Daten von Bund und Ländern, bei denen nicht klar ist, ob sie auf Basis gleicher Grundlagen erhoben wurden“, sagt Jugendamtsleiterin Sabine Scherer.

Darüber hinaus sei der Personalschlüssel als alleiniges Kriterium für die Qualität von Kinderbetreuung in Krippen (U3) und Kitas – so wie es die Studie tut – bei Weitem nicht ausreichend. „Die Qualität von Kinderbetreuung wird natürlich auch durch eine Vielzahl weiterer Aspekte mitbestimmt“, sagt Scherer. „Das aber kommt in der Studie nicht vor. Kurz gesagt: Diese Studie ist Unsinn“.

Die jüngst veröffentlichte Bertelsmann-Studie hatte dem Landkreis Kassel ein sehr gutes Ergebnis in Sachen U3-Betreuung bescheinigt. Demnach kümmere sich ein Krippen-Betreuer im Schnitt um 3,4 Kinder. Der hessische Durchschnitt liege bei 3,8 Kindern pro Erzieher. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt einen „pädagogisch sinnvollen Betreuungsschlüssel“ von drei Kindern pro U3-Betreuer.

Weniger gut sieht es laut Bertelsmann-Studie dagegen bei der Personalausstattung in den Kitas im Landkreis Kassel aus. Hier liege der Betreuungsschlüssel mit 9,9 Kindern pro Erzieher sogar noch unter dem Landesdurchschnitt von 9,6 Kindern pro Erzieher. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt bei der Kita-Betreuung einen Betreuungsschlüssel von 7,5 Kindern pro Betreuer.

Im Kreishaus wird all das stark angezweifelt. „Allein wie die Bertelsmann-Stiftung auf die selbst gesetzten, pädagogisch sinnvollen’ Personalschlüssel kommt, wird nicht deutlich“, sagt Scherer. Davon abgesehen regele das Hessische Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch (HKJGB) sehr genau, wie viele Betreuer für eine bestimmte Anzahl von Kindern bereitstehen müssen. „Und wir als Kontrollbehörde achten sehr genau darauf, dass diese Vorgaben von Kommunen und freien Trägern auch eingehalten werden.“

Die Erfahrung zeige, dass es in aller Regel keine Probleme mit der Personalausstattung gebe. Abgesehen davon hänge eine qualitativ hochwertige Kinderbetreuung auch von einer Vielzahl anderer Faktoren ab – „wie das jeweilige Konzept einer Einrichtung, die Gruppenzusammensetzung, die Ausstattung, die Bildung von Erziehungs- und Bildungspartnerschaften oder die individuelle Förderung – um nur einige Beispiele zu nennen“, sagt Scherer. All diese Qualitätsmerkmale seien längst in der Broschüre „Kindertagesbetreuung im Landkreis Kassel – Empfehlungen zur Qualität“ zusammengefasst, vom Jugendhilfeausschuss beschlossen und kämen seither zur Anwendung. „All diese Aspekte kommen in der Bertelsmann-Studie nicht vor“.

Warum die Bertelsmann-Stiftung solche Ergebnisse veröffentliche, sei nur schwer zu ermitteln. „Kann gut sein, dass damit ein Zeichen nach Berlin gesendet werden sollte, um auf Bundesebene mehr für die Vereinheitlichung und Finanzierung der Kindertagesbetreuung in Deutschland zu tun“, vermutet Kreis-Sprecher Harald Kühlborn. Denn Fakt sei, dass die Kommunen diese Aufgaben nur mit erheblichen finanziellen Anstrengungen bewältigen können.

Im Landkreis Kassel gibt es aktuell 135 Tageseinrichtungen für Kinder, davon sind 97 in kommunaler, 38 in freier Trägerschaft. Insgesamt gibt es 10 144 Plätze in 446 Gruppen, die von 1384 Fachkräften betreut werden. Hinzu kommen 134 selbstständige Kindertagespflegepersonen, die insgesamt 610 Plätze bereithalten.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa-Bildfunk

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