Strom- und Gas-Geschäft

Landkreise der Region haben entschieden: EAM verliert Millionen-Auftrag an Eon

Kreis Kassel. Erst wird der kommunale Energieversorger EAM im Jahr 2013 von Landkreisen aus Nord- und Mittelhessen für knapp 700 Millionen Euro vom Eon-Konzern zurückerworben, und nun kaufen eben jene Landkreise noch nicht einmal Strom und Gas vom eigenen Unternehmen.

Im Gegenteil: Gewinner der jüngsten Ausschreibung bei Strom und Gas für Kreis-Liegenschaften und -Unternehmen ist der alte und neue Konkurrent – der Eon-Konzern aus Düsseldorf.

„Was zunächst etwas bitter aufstößt, spiegelt jedoch die harte Realität bei Ausschreibungen wider“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. So hätten die Landkreise Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Lahn-Dill, sowie Stadt und Landkreis Kassel nun tatsächlich Lieferverträge für Strom und Gas mit der Eon abgeschlossen. Die Verträge gelten ab 2017 und haben eine Laufzeit von drei Jahren bei Gas und vier Jahren bei Strom. Das Auftragsvolumen der Ausschreibungsgemeinschaft insgesamt: 47,4 Millionen Euro. Davon wird die Eon jedoch nicht alles bekommen, denn auch andere Energieversorger wie die Städtischen Werke Kassel haben Teilaufträge erhalten.

Grund für die Vertragsabschlüsse mit Eon: „Eon war einfach preiswerter – und damit wirtschaftlicher. Immerhin geht es hier um Steuergeld“, sagt Dirk Herrmann, Sprecher beim Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Tatsächlich sei die Ausschreibung europaweit gelaufen, fünf Bieter hatten ihre Angebote gemacht. Die Preisunterschiede waren zum Teil enorm. Nach HNA-Informationen war Eon beim Strom um etwa zwei, beim Gas sogar um bis zu 13 Prozent preiswerter als EAM.

Der EAM indes wird der Rückschlag wehtun – auch wenn nicht das gesamte Auftragsvolumen von 47,4 Millionen Euro in die Kassen der Eon fließen wird. Doch gemessen am Jahresumsatz der EAM gehen dem kommunalen Energieversorger durch den Auftragsverlust doch bis zu vier Prozent an Jahresumsatz durch die Lappen.

Energieverkauf zweitrangig

Dennoch sehen die Gesellschafter darin kein Problem. „Die 2013 neugegründete EAM baute ihr Geschäftsmodell in erster Linie auf den Netzbetrieb auf. Der Verkauf von Strom und Gas spielte bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit eine eher untergeordnete Rolle“, sagt Michael Schneider, Sprecher beim Schwalm-Eder-Kreis. Tatsächlich generiert die EAM bis heute rund 90 Prozent ihres Umsatzes aus Netz-Nutzungsentgelten. Mit anderen Worten: „Wohl und Wehe der EAM werden nicht durch den Verkauf von Strom und Gas entschieden“, sagt Harald Kühlborn, „sondern von all jenen zahlungskräftigen Kunden, die als Strom- und Gasversorger das Netz der EAM nutzen.“

Im Umkehrschluss bedeutet das: „Das Geld, das jetzt die Eon bekommt, wird ohnehin in Teilen wieder bei der EAM landen, weil der Eon-Konzern die Netze der EAM für die jetzt beauftragten Strom- und Gaslieferungen wieder wird nutzen müssen“, sagt Kühlborn.

Die EAM selbst bedauert den Umstand, „dass wir für unser Angebot keinen Zuschlag erhalten haben und unsere starke regionale Ausrichtung nicht berücksichtigt wurde“, sagt Unternehmenssprecher Steffen Schulze.

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Rubriklistenbild: © Archivfoto: dpa

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