Mehr ACO-Kunden im Kreis Kassel kritisieren Anbieter wegen langsamen Internets

Sammelstelle für Unzufriedene: die Facebook-Gruppe „ACO: unser Provider?!“. Das Bild zeigt das Ergebnis einer Umfrage unter den Mitgliedern zur Kundenzufriedenheit. Foto: Screenshot

Kreis Kassel. In Folge der HNA-Berichterstattung über die mehr als 200 Personen starke Facebook-Gruppe „ACO: unser Provider?!“ haben sich weitere Kunden des Kasseler Internetanbieters gemeldet.

Wie die Nutzer in dem sozialen Netzwerk klagen sie vor allem über die Geschwindigkeit ihrer Internetverbindung, die deutlich unter der bei ACO gebuchten Leistung liege.

Hinzu komme, dass auch der Kunden-Service des Unternehmens zu wünschen übrig lasse – auch, so die Vermutung der verärgerten Kunden, weil ACO sich auf eine Monopolstellung verlasse. Von Gebietschutz ist die Rede. Fest steht allerdings nur: Der Anbieter hatte im Zuge der Hessischen Breitbandinitiative den Zuschlag bekommen und in den Jahren 2009 bis 2012 mit vielen Kommunen Verträge geschlossen und per Richtfunk für schnelles Internet gesorgt. 

Das Problem: Die dabei mit einem Netzzugang ausgestatteten Städte und Gemeinden gelten nun als versorgt – Fördergeld für einen weiteren Ausbau, auch durch mögliche Konkurrenz, gibt es daher ohne Weiteres nicht. Was etwa dazu geführt hat, dass der derzeit laufende Ausbau durch die Breitband Nordhessen an den durch ACO versorgten Kommunen vorübergeht.

Kunden sind misstrauisch

Das Misstrauen der Kunden geht so weit, dass selbst die Problemlösungsansätze des Kasseler Anbieters hinterfragt werden. So hatte ACO im März seine Kunden per E-Mail um eine Änderung der Fritzbox-Einstellungen gebeten. Dadurch sollten Verbindungsabbrüche verhindert werden. Man habe das Problem gemeinsam mit Fritzbox-Hersteller AVM analysiert und eine Lösung gefunden, heißt es dazu auf der Webseite des Internetanbieters. Die Kunden müssten lediglich etwas an der Konfiguration ihrer Geräte ändern.

Eine von ACO-Nutzern bei AVM angefragte Stellungnahme, die auch ihren Weg in die Facebook-Gruppe fand, klingt dann schon anders: Bei der von ACO vorgeschlagenen Maßnahme handele es sich bestenfalls um einen temporären Workaround, heißt es da. Mit denn Netzen anderer Betreiber hätte die Fritzbox keine Probleme.

„Wir investieren in Netzerweiterungen“

Auch die ACO-Geschäftsführung äußert sich in einer Stellungnahme. „Bezug nehmend auf die HNA-Berichterstattung zur Breitbandversorgung durch ACO im Landkreis Kassel möchten wir einige Dinge klarstellen“, heißt es in einer schriftlichen Mitteilung von Klaus Peter von Friedeburg. Grundsätzlich nehme ACO die Anliegen der Kunden ernst und kümmere sich, sofern das Unternehmen davon Kenntnis erlange. 

Hilfreich sei, sich zuerst bei Problemen mit der Nutzung an ACO in der Kasseler Geschäftsstelle zu wenden. Anmeldungen seien nicht erforderlich. „Dabei sind wir allerdings auch immer auf eine gewisse Mitwirkung der Kunden angewiesen, wird uns diese verweigert, können wir leider keine Unterstützung leisten.“ Von Friedeburg gibt zu bedenken, dass eine bestimmte Mindestgeschwindigkeit bei der Internetnutzung zu bestimmten Zeiten nicht Gegenstand der DSL-Verträge ist. Vertragsgegenstand sei immer eine Anschlussgeschwindigkeit, die in Einzelfällen erheblich von der Nutzdatenrate abweichen kann. Dieser Umstand sei der Funktionsweise des Internets geschuldet. Kein Netzbetreiber könne eine Mindestnutzdatenrate garantieren. „Wir investieren laufend in die Erweiterung und Ertüchtigung des Netzes. Bis Ende August wird eine der größten Netzerweiterungen umgesetzt, die die Bandbreite des Netzes verdoppelt“, heißt es. 

Ein sechsstelliger Betrag werde aus eigenen Mitteln aufgebracht. Zudem versuche ACO zu einer Kooperation auf Augenhöhe mit der Breitband Nordhessen GmbH zu kommen, um künftig die Breitbandversorgung aus Sicht des Nutzers möglichst homogen im Landkreis aussehen zu lassen. „Zu unserem Bedauern ist es bisher noch zu keiner belastbaren Vereinbarung gekommen.“ 

ACO könne nicht mit Quersubventionen aus anderen Versorgungsbereichen kalkulieren, so wie es bei kommunalen Betrieben gegeben ist, müsse die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen.

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