Mehr Schüler in die Wehren: Land kooperiert mit Feuerwehren

Wasser marsch: Jugendfeuerwehren bilden im hessischen Mühlheim eine Wasserwand, um für ihre Arbeit zu werben. Nun haben das Land und die Feuerwehren eine Kooperation beschlossen, die die Nachwuchsarbeit der Wehren stärken soll. Archivfoto: dpa

Kreis Kassel. Schüler in Hessen sollen mehr Möglichkeiten bekommen, die Arbeit der Feuerwehren kennenzulernen.

Neben Projekten könnten auch Arbeitsgemeinschaften an Schulen entstehen, in denen sie die Grundlagen des Brandschutzes lernen.

Die Zusammenarbeit regelt ein Kooperationsvertrag, den Vertreter des Landesfeuerwehrverbands (LFV) Hessen und der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) gestern im Feuerwerhaus in Lohfelden unterzeichnet haben.

„Wir wollen Kinder bereits in der Schule an den Brandschutz heranführen“, sagt Wolfgang Reinhardt, Vizepräsident des LFV Hessen. „Wir hoffen, dass der Funke überspringt und manche auch Mitglied werden.“

Die Freiwilligen Feuerwehren haben Nachwuchssorgen. Die Jugendabteilungen in Hessen verzeichnen sinkende Mitgliedszahlen.

„Ohne Freiwillige können die Aufgaben des Brandschutzes in unserer Gesellschaft nicht geleistet werden“, sagte Kultusminister Lorz bei der Vertragsunterzeichnung. Deshalb begrüße er jede lokale Zusammenarbeit, die jetzt entsteht und hoffe, dass es viele geben wird. Die konkrete Umsetzung liege bei Feuerwehren und Schulen in den Gemeinden.

Schon vor einigen Jahren hatte Landrat Uwe Schmidt (SPD) eine Zusammenarbeit gefordert. Dabei ging er noch einen Schritt weiter und regte einen Feuerwehr-Unterricht im Wahlpflichtbereich an. Schmidt sieht seinen Vorstoß jetzt zu einem kleinen Teil realisiert: „Die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis und ich hätten uns mehr Flexibilität des Kultusministeriums gewünscht. Aber der jetzt eröffnete Weg bietet zumindest die Chance, die Kooperation auf eine neue Qualitätsstufe zu heben“, sagte Landrat Schmidt.

Wehren suchen Nachwuchs: Werbung in sozialen Medien geplant

Die Freiwilligen Feuerwehren in Hessen haben Schwierigkeiten, Jugendliche für ihre Arbeit zu begeistern. Nach Angaben des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) ist die Mitgliedszahl bei den Jugendfeuerwehren in den vergangenen 20 Jahren um 20 Prozent auf 27 500 Aktive gesunken.

Im Landkreis Kassel zeigen die Zahlen ebenfalls nach unten, allerdings weit weniger dramatisch als im Landesdurchschnitt. Ende 2014 gab es im Kreis Kassel 105 Feuerwehren mit 1401 Jungen und Mädchen im Alter von zehn bis 17 Jahren. 2013 waren es ebenfalls 105 Jugendwehren, allerdings noch mit 1439 Mitgliedern. Bei den Kinderwehren haben sich die Feuerwehren allerdings stark engagiert: So stieg die Zahl der Kindergruppen von 16 (2013) auf 25, die Zahl der darin vertretenen Kinder erhöhte sich von 166 auf 186.

Sehr zufrieden äußert sich Gemeindebrandinspektor Andreas Herbold auf Anfrage über die Situation in Kaufungen. 24 Kinder seien bei der Jugendfeuerwehr dabei, darunter vier Mädchen. Geschuldet ist dies wohl auch einer Werbeaktion gemeinsam mit der Gemeinde. So werden alle 10-Jährigen zu ihrem Geburtstag von der Gemeinde Kaufungen angeschrieben und zu einem Schnupperkurs bei der Feuerwehr eingeladen. „Viele bleiben dann dabei“, freut sich Herbold. Zusätzlich wurde Anfang Oktober eine Kinderfeuerwehr gegründet, bei den Kaufunger Feuerdrachen können Kinder von sechs bis zehn Jahren mitmachen. Auch in Lohfelden läuft es gut, meint Gemeindejugendwart Boris Fiegand. 21 Kinder sind hier in der Jugendwehr, fünf davon sind Mädchen. Bei Veranstaltungen wie dem Dorffest oder der Weihnachtsbaumaktion werbe man mit Spielen und der Einladung zur Jugendfeuerwehr, die sich jeden Montag um 17.30 Uhr im neuen Feuerwehrhaus trifft.

Um die Nachwuchsarbeit zu stärken, will der Feuerwehrverband noch dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Innenministerium eine landesweite Imagekampagne starten, teilte LFV-Sprecher Holger Schönfeld mit. Um Jugendliche zu erreichen, soll ein großer Teil der Werbung über die sozialen Medien wie Facebook verbreitet werden. Darüber hinaus sollen Kino-Spots und Plakatwerbung verbreitet werden. „Wir wollen auch neue Zielgruppen erreichen.“ Bei den Mädchen habe es in den vergangenen Jahren schon einen starken Zuwachs gegeben. Ebenso sollen Jugendliche mit Migrationshintergrund erreicht werden. „Wir sprechen sie in Schulen an und gehen auch gezielt in Moscheen“, heißt es vom LFV.

Bei den jungen Menschen mit Wurzeln im Ausland sei es vor allem wichtig klarzumachen, dass die Feuerwehren nicht so organisiert sind wie in vielen anderen Ländern: „Sie sind eben nicht Teil des staatlichen Apparates, sondern zum großen Teil in Händen der Zivilgesellschaft und auf ehrenamtliches Engagement angewiesen.“

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